Israel - Kolping DV Speyer

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„Da gingen ihnen die Augen auf …“
 
Begegnungen im Land Jesu: Studienreise des Kolpingwerkes ins Heilige Land
 
Kaiserslautern (21.03.2018 / tb). – „Vieles kann ich erst verstehen, wenn ich mich aufmache und vor Ort gehe: Ein Besuch im Heiligen Land ist wie ein Schlüssel zum Verständnis der Heiligen Schrift: Da gehen einem die Augen auf “, sagte Thomas Bettinger, Diözesansekretär des Kolpingwerkes, nach seiner Rückkehr von einer achttägigen Studienreise nach Israel und dem Westjordanland, zu der er die Mitglieder der Kolpingsfamilien im Bistum Speyer eingeladen hatte. 18 Kolpingschwestern und -brüder waren ihm gefolgt, für die Hälfte von ihnen war es die erste Begegnung mit dem Land Jesu. Sie wollten den Spuren des Handwerkers und Wanderpredigers aus Nazareth nachgehen, von Galiläa bis hoch nach Jerusalem.
 
Aus einem dunklen, kalten Land brach die Gruppe auf nach Israel, hinein in den israelischen Frühling und ins Licht. In Tel Aviv wurden die Pfälzer von Marion Giladi, der Reiseführerin, empfangen. Die in Deutschland geborene Israelin hat Judaistik studiert und lebt seit 30 Jahren in Jerusalem; sie begleitete die Gruppe acht Tage lang. Sie sorgte dafür, dass organisatorisch alles klappte, und erschloss mit fundierten Kommentaren die historischen, kulturellen, politischen, sozialen und theologischen Zusammenhänge der besuchten Orte.
 
Wie schon bei der Pilgerreise 2013 war das Leitmotiv die Begegnung mit Jesus Christus. Im Johannes-Evangelium (Joh 1, 35-42) fragen die Jünger Jesus: „Rabbi, wo wohnst Du?“ und dieser antwortet: „Kommt und seht!“ Und sie „sahen, wo er wohnte, und blieben den ganzen Tag bei ihm.“ Und nicht nur den Tag, sie blieben ihr ganzes Leben. Die Reisenden waren eingeladen zu ihrer eigenen individuellen Begegnung mit Jesus. Sie gingen nach Nazareth und Kafarnaum, wo er gewohnt hat, konnten nachfühlen, wie er gelebt, gearbeitet und – auf dem Berg der Seligpreisungen – gepredigt hat. Schließlich folgten sie ihm auf dem Weg „hinauf nach Jerusalem“.
 
Aber auch die Begegnung mit dem Heiligen Land heute, mit dem Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern, war Sinn und Ziel der Reise. „Das Evangelium schwebt nicht in einem luftleeren und zeitlosen Raum“, meinte Reiseleiter Bettinger. „Es ist hineingesprochen in unsere reale Welt von heute, wo es gehört und getan werden will.“ Die politische Situation in Israel und im Westjordanland sei geradezu paradigmatisch für die Auseinandersetzungen zwischen Menschen und Völkern in der Welt. Die Reisegruppe begegnete aber auch Menschen auf beiden Seiten mit Verständigungsbereitschaft und Mut zum Frieden. Sie erlebte die christlichen Kirchen als eine positive, den Frieden zwischen Juden, Muslimen und Christen fördernde Kraft.
 
Von Tel Aviv ging es mit dem Bus zum Kibbuz El Mul Golan im Jordantal, am südlichen Ende des Sees Genezareth (- 200 m unter dem Meeresspiegel) gelegen. Am nächsten Tag fuhr die Gruppe über das Ostufer rund um den See Genezareth nach Kafarnaum. In Tabgha, am Gottesdienstplatz Dalmanutha, direkt am See, feierte sie mit P. Jonas Trageser OSB die Eucharistie, für die Pilger ein eindrückliches Erlebnis. An diesem Ort wird der Speisung der 5000 (Joh 6, 1-15) gedacht. P. Jonas legte die Brotvermehrungserzählung der Schrift aus: Wenn alle miteinander teilen, dann reicht es für alle – im Überfluss. Die Gruppe besuchte die Primatskapelle mit der „mensa Christi“ (vgl. Joh 21, 1-19), schipperte über den See und erinnerte sich dabei der Geschichte vom Seewandel (Mt 14, 22-33). Der Blick vom Berg der Seligpreisungen (Mt 5, 1-11) über den See Genezareth hinüber auf den Golan wird in Erinnerung bleiben: „Ein Paradies“, sagte eine Teilnehmerin.
 
In den folgenden Tagen führte der Weg die pfälzischen Kolpingmitglieder in den Norden an die Quellen des Jordan, nach Tel Dan und Banias. Sie besuchte die Ruinen von Caesarea Philippi, den Ort des Messiasbekenntnisses des Petrus (Mk 16, 13-20). Sie fuhren hoch auf den Golan und blickten vom Mt. Bental (+ 1200 m über dem Meeresspiegel) auf den schneebedeckten Gipfel des Hermon und die syrische Ebene: Von hier sind es nur noch 60 km bis Damaskus. Die Kriegsschäden, die zerbombten, jetzt unbewohnten Dörfer zeugen von der Brutalität des anhaltenden Krieges in diesem Land. Die Gruppe besuchte Nazareth und den Hausberg Untergaliläas, den Tabor. Die Tradition verbindet mit diesem Ort die Verklärungsgeschichte (Mk 9, 2-10). Von hier aus hat man wunderbare Einsichten auf die Jesreelebene, Nazareth und das Jordantal, das sich öffnet in Richtung Jericho. Der Weg führte durch die besetzten und autonomen Gebiete der Westbank. Vom Toten Meer (- 400 m unter dem Meeresspiegel) ging es durch die judäische Wüste hoch nach Bethlehem (+ 700 m über dem Meeresspiegel), wo die Gruppe ihre Unterkunft bezog. Die Geburtskirche überraschte: Die Renovierung ist weit fortgeschritten; die fünfschiffige konstantinische Basilika, die älteste Kirche des Vorderen Orients, erstrahlt in hellem Licht, ihre 1600 Jahre alten Fresken leuchten in einem geradezu „magischen“ Glanz.  
 
Am Morgen fuhr der Bus durch die Mauer, die Jerusalem von Bethlehem trennt. Auf palästinensischer Seite hat der Künstler Banksy ein Hotel eröffnet. Das "Walled Off Hotel" habe den "hässlichsten Ausblick der Welt", nämlich den auf die Mauer zwischen Israel und Palästina, sagt das Management. Aber es ist auch voll mit der Kunst seines Gründers.
 
Für die drei großen Buchreligionen ist Jerusalem heilige Stadt: Vom Ölberg aus eröffnete sich für die Besucher der schönste Blick auf die Altstadt mit dem herodianischen Tempelareal, der Al Aksa-Moschee und dem Felsendom, der Grabeskirche. Der Weg führte sie über die Kirche Dominus flevit hinab zum Garten Gethsemane und der Todesangstbasilika weiter zur Verratskapelle und dem Grab Mariens. Über das Löwentor betraten die Pfälzer die Altstadt, über die Via dolorosa gelangten sie zur Grabeskirche mit dem Golgothafelsen und dem erneuerten Heiligen Grab. An der Stelle zu stehen, wo das Kreuz Jesu stand, ist auch beim vierten oder fünften Mal ein ergreifendes Ereignis. Auch wenn Massen von Pilgern die Kirche fluten. Eine Stunde dauerte es, bis man das Heilige Grab betreten konnte. Wer hier eintritt und im Gebet sich niederkniet, der bekennt: „Jesus Christus ist wahrhaft auferstanden.“
 
In der Dormitio-Abtei auf dem Zion begrüßte P. Elias Pfiffi OSB seine Landsleute herzlich in pfälzischer Muttersprache. In einem fast anderhalbstündigen Gespräch stellte er das Kloster und seine Aufgaben im Heiligen Land vor: Seelsorge für die einheimischen und deutschsprachigen Christen, ökumenisches Miteinander der Kirchen in Jerusalem, Verständigung zwischen den drei Buchreligionen Judentum, Christentum und Islam. Er berichtete auch von wachsenden Spannungen mit nationalreligiösen Juden, aber auch von Zeichen jüdischer Freundschaft. Der anschließende Besuch der Klagemauer am Abend zum anhebenden Schabbat vermittelte Impressionen, wie Juden den „Tag des befreiten Daseins“ (Alfons Deissler) begehen, wie sich in ihnen die Lebensfreude nicht nur im Gebet, sondern auch im gemeinsamen Gesang und Tanz Ausdruck verschafft.
 
Am folgenden Tag ging es in die Wüste! Beeindruckend die Fahrt am Toten Meer entlang zur Festung Masada, unvergleichlich der Blick von der 400 m hoch gelegen Anlage über das Tote Meer hinüber zu den Bergen Jordaniens. Qumran, ein Muss! Zu bedeutend sind die zwischen 1948 und 1956 in elf Höhlen aufgefunden 2000 Jahre alten Schriftrollen, als dass man an diesem Ort vorbeifahren könnte. Am Sonntag konnte die Gruppe im Israelmuseum, im Schrein des Buches, ein vollständiges Faksimile der hier aufgefundenen Jesaja-Schriftrolle bestaunen. Ein Bad im Toten Meer bei 32°C versetzte die Pfälzer in sommerliche Urlaubsstimmung. Salzwasser und Salzluft tat allen wohl!
 
Der Sonntagmorgen begann mit dem Besuch des Tempelberges. Das 1200 Jahre alte Heiligtum des Felsendoms, eines der ältesten und schönsten Zeugnisse muslimischer Baukunst, beeindruckte die Besucher nachhaltig. Nach dem Besuch der Sonntagsmesse in der Benediktinerabtei fuhren sie in das moderne Jerusalem, das heute über 900.000 Einwohner zählt, mit dem Regierungsviertel, dem israelischen Parlament, der Knesseth, und dem Israelmuseum. Im Außenbereich des Museums befindet sich ein Modell von Jerusalem zur Zeit des herodianischen Tempels. Das Modell rekonstruiert die Topographie und den architektonischen Charakter der Stadt vor 66 n. Chr., vor dem Jahr, in dem der große Aufstand gegen die Römer ausbrach, der zur Zerstörung der Stadt und des Tempels führte.
 
Der Weg führte die deutsche Pilgergruppe abschließend nach Yad Vashem, zur Erinnerungsstätte für die sechs Millionen ermordeten Juden, unter ihnen 1,5 Millionen Kinder! Yad Vashem will jedem einzelnen dieser Menschen ein Gedächtnis geben und seinen Namen auf immer bewahren. Leitgedanke ist der Satz des Propheten Jesaja: „Ihnen gebe ich in meinem Haus und in meinen Mauern Denkmal und Namen. Das ist mehr wert als Söhne und Töchter: Einen ewigen Namen gebe ich einem jeden, der nicht ausgetilgt wird“ (Jesaja 56, 6).
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