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… und sie zogen von Galiläa hinauf nach Jerusalem
Auf den Spuren Jesu: Pilgergruppe des Diözesanverbandes Speyer im Heiligen Land

Kaiserslautern (03.04.2013 / tb). – Sie sollte der Aufbruch in das Triennium, das Dreijubeljahr 2013-2015 werden: die Studienfahrt des Kolping-Diözesanverbandes Speyer ins Heilige Land. „Wohin soll die Reise des Kolpingwerkes in den nächsten drei Jahren gehen?", fragten sich 21 Kolpingschwestern und –brüder, die der Einladung von Diözesansekretär Thomas Bettinger gefolgt waren. Eine Antwort, eine Zielrichtung sollte die Reise zu den Ursprüngen des Christentums geben. Die Pilger sahen sich dabei in der Nachfolge des Gründers Adolph Kolping, der seinem Werk ein klare geistige Fundierung und spirituelle Orientierung vorgegeben hat. Kolping hatte seine Gesellen immer wieder, besonders durch das eigene Lebenszeugnis, zu einer einzigartigen Begegnung eingeladen, zur Begegnung mit Jesus von Nazareth, der selbst ein Handwerker war.
Leitmotiv der Reise war denn auch die Begegnung mit Jesus Christus, wie sie das Johannesevangelium darstellt (Joh 1, 35-42): Von Johannes an Jesus verwiesen fragen die Jünger Jesus: „Rabbi, wo wohnst Du?" und Jesus antwortet: „Kommt und seht!" Dann heißt es: Sie „sahen wo er wohnte und blieben den ganzen Tag bei ihm." Diese Begegnung veränderte für sie alles, ihr ganzes Leben. Sie blieben nicht nur den Tag, sie blieben ihr ganzes Leben bei ihm. Die Reisenden waren eingeladen zu ihrer ganz persönlichen Begegnung mit Jesus. Sie gingen dorthin, wo er gewohnt hat, konnten nachfühlen, wie er gelebt und gearbeitet hat, und gingen die Wege, die er gegangen ist, als er die Frohbotschaft vom Reich Gottes verkündete. Schließlich auch den letzten Weg „hinauf nach Jerusalem".
Aus Eis und Schnee, aus einem Land in Dunkelheit brach die Gruppe auf nach Israel, in den Frühling und ins Licht. Geradezu symbolhaft und körperlich, seelisch befreiend. In Tel Aviv wurde die Gruppe von Marion Giladi, der Reiseführerin, empfangen. Die in Deutschland geborene Israelin, studierte Judaistin, begleitete die Pilger acht Tage lang. Sie sorgte dafür, dass organisatorisch alles vorzüglich klappte, und erschloss mit wissenschaftlich fundierten Kommentaren die historischen, kulturellen, politischen, sozialen und – vor allem – theologischen Zusammenhänge. So konnte gleichermaßen christliche, jüdische und muslimische Fragestellungen in ihrer Komplexität darstellen und beantworten. Sie verstand es auch, die aktuelle politische Situation, die Spannungen zwischen Israelis und Palästinensern, aus ihren historischen Wurzel heraus verständlich zu machen.
Von Tel Aviv ging es mit dem Bus nach Tiberias, der Stadt des Herodes, einer der heiligen Städte des Judentums. Am nächsten Tag fuhr die Gruppe am Westufer des Sees Genezareth entlang: An Magdala vorbei zum Berg der Seligpreisungen, Kapharnaum. In Tabgha, an der Brotvermehrungskirche, feierte sie zum erstenmal Eucharistie. Pfarrer Werner Kilian aus Ramsen brachte in seinen Worten die eigene innere Verbundenheit mit dem Heiligen Land zum Ausdruck und lud die Reisenden ein, sich für das zu öffnen, was Gott ihnen in diesen Tagen schenken wolle. Thomas Bettinger legte das Evangelium vom Seewandel aus (Mt 14, 22-33). Zu einer herzlichen Begegnung und einem informativen Gespräch kam es mit dem Prior der Benediktinergemeinschaft von Tabhga, P. Elias Pfiffi OSB, der aus der Diözese Speyer stammt. Er ging auch auf die schwierige Situation der Christen im Heiligen Land ein. Auf die Frage, wie man denn das Christentum im Heiligen Land stärken könne, antwortete er mit den „drei P´s" von P. Gregory, dem Abt der Dormitio-Abtei in Jerusalem, zu der das Priorat in Tabgha gehört: „Pray, pilgrimage, projects", also beten, pilgern, d.h. das Heilige Land so oft wie möglich besuchen, und die Projekte der Kirche (z.B. Krankenhäuser und Schulen) unterstützen.


In den folgenden Tagen führte der Weg die pfälzischen Kolpinger ans Mittelmeer, nach Caesarea, wo Pontius Pilatus residierte, nach Haifa auf den Karmel, in die Kreuzfahrerstadt Akko und nach Kana und Nazareth, wo die Gruppe im persönlichen Gebet vor der Verkündigungsgrotte in der großen Basilika verweilte. Am vierten Tag schließlich ging es Richtung Jerusalem, am Berg Tabor vorbei durch das Jordantal nach Jericho. Der Weg führte durch die besetzten und autonomen Gebiete der Westbank. Vom Toten Meer (- 400 m unter dem Meeresspiegel) ging es durch die judäische Wüste „hoch nach Jerusalem" (+ 700 m über dem Meeresspiegel). Wer zum erstenmal die Wüste erlebte, wurde still und war tief beeindruckt. Am Abend fuhr der Bus durch die Mauer, die Jerusalem von Bethlehem trennt. Erinnerungen an die Berliner Mauer werden wach. Die Mauer schützt die Menschen in Jerusalem vor Terror, trennt aber auch Familien und Freunde. Bethlehem ist autonomes palästinensisches Gebiet, die politische Situation hier in jeder Minute ganz präsent. Dass viele junge Palästinenser keine Arbeit haben, ist ein großes Problem, und wird auch den Besuchern aus Deutschland immer wieder bewusst. „Gib den jungen Männern Arbeit und du machst einen großen Schritt zum Frieden", sagt ein Kenner der Region. In der Helenakapelle der Geburtskirche feierte die Gruppe die Heilige Messe und betete für den Frieden im Heiligen Land.
Jerusalem ist eine einzigartige Stadt. Hier ist die ganze Menschheitsgeschichte wie an keinem anderen Ort der Welt gegenwärtig. Für die drei großen Buchreligionen ist sie heilige Stadt. Jeder Besucher nahm für sich eine schier unglaubliche Fülle von Impressionen mit nach Hause: Ölberg, Blick auf den Berg Moria mit Al Aksa-Moschee und Felsendom, Heilige Messe in der Kirche Dominus flevit, Garten Gethsemane, Altstadt, Basar, Via dolorosa, Grabeskirche mit Golgothafelsen und Heiligem Grab, die Westmauer (Klagemauer), Dormitio-Abtei auf dem Zion, schließlich auch das moderne Jerusalem, das heute über 800.000 Einwohner zählt, das Regierungsviertel mit der Knesseth und dann – Yad Vashem, die Erinnerungsstätte für die sechs Millionen ermordete Juden, unter ihnen 1,5 Millionen Kinder!
Besonders eindrücklich: eine Nachtfahrt durch Jerusalem, auch durch das jüdische Viertel, in dem die streng orthodoxen Juden wohnen – eine ganze eigene, fremde Welt. Dann noch einmal die Wüste! Die Fahrt zur Festung Masada und nach Qumran, wo man die berühmten Schriftrollen fand, und ein Bad im Toten Meer bei 25°C! Unvergesslich: Am Sonntagmorgen um 7.00 Uhr die Heilige Messe auf dem Golgotha in der Grabeskirche, wenn auch nicht ungestört durch Glockengeläute und lautem liturgischem Gesang. Auf den Hirtenfeldern in Bethlehem, im Beduinenzelt endete die Reise mit einem herzhaften Mahl und – orientalischer Wasserpfeife.
Ein Wort von P. Jonas Trageser OSB bei der Messfeier in der Abteikirche auf dem Zionsberg bleibt als Resümee der Pilgerreise und als Leitwort für den Alltag im winterlichen Deutschland. Er zitierte in seiner Predigt Maria, die Mutter Jesu, in der Perikope von der Hochzeit zu Kana: „Was er euch sagt, das tut" (Joh 1, 5). Adolph Kolping hat dies ganz ernst genommen.


 
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