„Von
Holz zu Metall!“
Über 100 Bewerbungen - Richard Heitz hat sich nicht entmutigen lassen
Sein beruflicher Werdegang nahm einen ganz normalen Verlauf: Abitur und Studium, dazu ein Auslandspraktikum und Arbeitsjahr zum Sammeln von Berufserfahrung und Sprachkompetenz, die gern von einstellenden Firmen gefordert werden. Es hat alles gestimmt. Und doch kam es anders: Monatelange Stellensuche, über einhundert Bewerbungsschreiben! Richard Heitz weiß, was es heißt, sich anzubieten wie billig Sauerbier und doch sitzen zu bleiben.

Der 29-jährige Vorderpfälzer stammt aus einer “echten”
Kolping-Familie: die Eltern sind seit Jahrzehnten in der Kolpingsfamilie Ludwigshafen-Pfingstweide
aktiv, der Vater als Vorsitzender. Sein Zwillingsbruder Markus und die drei
weiteren Brüder Manfred, Sebastian und Thomas sind ganz selbstverständlich in
ihrer Kolpingjugend engagiert.
Richard hat in Rosenheim Holzingenieurswesen studiert. Für
seine Diplomarbeit ging er ein halbes Jahr zum Praktikum in die USA, nach Ohio,
in einen holzverarbeitenden Betrieb, wo er über die “Optimierung von
Produktionsprozessen in der Holzindustrie” arbeitete. Nach Abschluss der
Diplomarbeit blieb er ein weiteres Jahr. Im Herbst 2005 kehrte er aus Amerika
zurück und begann zuversichtlich als Holzingenieur mit Berufs- und Auslandserfahrung
mit der Stellensuche.
Schon bald stellte sich Enttäuschung ein: Die braunen
Umschläge kamen zurück: “Leider müssen wir Ihnen mitteilen, ...” Neue Suche
neues Glück? Mit den Monaten stellte sich Frustration ein: “Die unablässige
zeitaufwendige Suche nach Stellenangeboten, das Schreiben neuer Bewerbungen,
das Sich-Stellen in Bewerbungsgesprächen war ermüdend, zumal die Hoffnung auf
eine Stelle immer kleiner wurde”, beschreibt Richard seine damalige Gemütsverfassung.
Er erwog schließlich ein zweites Studium.
Dann nach über 100 Bwerbungsversuchen die Einladung zum
Vorstellungsgespräch – und die Einstellung! Seit dem 1. Dezember 2006 arbeitet er
in einem Unternehmen im Westerwald, das Puffer und Zugeinrichtungen für
Schienenfahrzeuge herstellt. Hier ist er für die Prozessabstimmung des
Produktionsprozesses und die Produktionsplanung verantwortlich. Das Thema
seiner Diplomarbeit hat überzeugt.
In den Zeiten der Stellensuche haben ihn vor allem die
Familie und Freunde in der Kolpingjugend unterstützt. Däumchendrehen war die
Sache von Richard Heitz nicht. Mit Hilfsjobs, z.B. im Supermarkt als
Regaleeinräumer, hielt er sich “über Wasser”. Das ehrenamtliche Engagement in
Kolpingwerk und Kirche wurde ihm immer wichtiger. Er wurde ins
Diözesanleitungsteam der Kolpingjugend gewählt und – neben seinem Vater Josef –
Mitglied im Diözesanvorstand des Kolpingwerkes im Bistum Speyer. Die Ämter hat
er heute noch inne, wenn auch der Weg vom Westerwald in die Pfalz nicht immer
gangbar und auch weit ist.
Was rät er jungen Menschen in vergleichbarer Position? Sie
sollten sich um eine gute Berufsausbildung bemühen. Bei der Stellensuche
dranbleiben, nicht aufgeben. Wenn keine Antwort von der Firma auf die Bewerbung
kommt, unbedingt nachhaken. Wenn die braunen Umschläge zurückkommen, nachfragen
nach den Gründen der Ablehnung. “So kommst du zu wertvollen Hinweisen für die
weiteren Bewerbungen”, sagt der agile und lebensfrohe Ludwigshafener, der sich
neben Musik besonders für den christlichen Glauben und eine lebendige,
jugendliche Spiritualität interessiert.
Und was kann Kolping tun? Kolpingsfamilie und Kolpingjugend
können Hilfe und Unterstützung gewähren; sie sind wichtige Räume des Gesprächs
und Erfahrungsaustauschs, der Ermutigung. Sie sind besonders gefragt, wenn
junge Menschen eine Ausbildungsplatz suchen. Und Kolpinger helfen gern, nutzen
ihre Beziehungen, fragen nach Ausbildungs- und Arbeitsplätzen.
Für Richard ist es von großer Bedeutung, dass sich die
Kolpingjugend in der Berufs- und Arbeitswelt engagiert und ihre Stimme zu Gehör
bringt, besonders für die Auszubildenden und Berufsanfänger. Er sieht darin
eine grundlegende Rückbesinnung auf die Ursprünge des Verbandes, auf den
Gesellenverein Adolph Kolpings. Politische Vertretungsarbeit im gesellschaftlichen
und kirchlichen Bereich (BDKJ) hat für ihn großer Bedeutung. Die “Absagensammelaktion
2007” hat er mit dem Diözesanleitungsteam auch in der Diözese Speyer propagiert. Jetzt unterstützt er die “Kampagne Berufsorientierung”
der Kolpingjugend und will sie im Diözesanverband starten. Eine Idee beschäftigt
ihn seit längerer Zeit, ein Partnerschaftsprogramm für Auszubildende:
Erwachsene Kolpinger begleiten Auszubildende auf ihren ersten Schritten in die
Arbeitswelt: “Das ist ein wahres Kolping-Programm!”