DV11 - Kolping DV Speyer

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Pressemitteilung:

Mit Herzblut und Engagement Kolping stärken
Andreas Stellmann neuer Diözesanvorsitzender - Klaus Butz erhält Ehrenzeichen – Bernhard Nacke zur Bedeutung der katholischen Verbände in der Gesellschaft

Kaiserslautern / Germersheim (09.05.2011 – tb). Andreas Stellmann heißt der neue Vorsitzende des Kolpingwerkes in der Diözese Speyer. Die Diözesanversammlung des katholischen Sozialverbandes wählte den 50jährigen Diakon aus Heßheim mit großer Mehrheit in dieses Amt. Er folgt Klaus Butz (Hirschhorn) nach, der ab Juni die Leitung des Kolping-Familienhotels Lambach im Bayrischen Wald übernimmt. Butz war drei Jahre lang Diözesanvorsitzender. Stellmann tritt sein Amt am 1. Juni an.

„Mit Herzblut und Engagement möchte ich mithelfen, unser Kolpingwerk zu stärken und weiter zu entwickeln“, sagte der neue Vorsitzende in seiner Vorstellungsansprache. Dies könne jedoch nur mit Unterstützung aller Verantwortlichen im Vorstand und in den vielen Kolpingsfamilien vor Ort gelingen. „Um diese Unterstützung möchte ich euch herzlich bitten.“ Stellmann dankte Klaus Butz in herzlichen Worten für den großen Einsatz, den dieser in den zurückliegenden Jahren geleistet habe. Er werde vor allem die drei großen Anliegen seines Vorgängers: 1) die Stärkung des sozialen Engagements im Verband, 2) die Erneuerung des Kolpingwerkes aus dem Geist seiner Wurzeln und 3) die Erfüllung der Partnerschaft mit dem Kolpingwerk Tocantins / Brasilien weiterführen.

Ein wichtiges Thema werde ihm auch die Mitgestaltung der kirchlichen Zukunft sein: Kolping werde sich im Dialog– und Umstrukturierungsprozess „Gemeindepastoral 2015“ mit Kompetenz einbringen und seinen Standort und seine Aufgabe in den neuen Strukturen finden. „Ich erlebe auch in meiner beruflichen Tätigkeit, wie wichtig die Verbände in den Pfarreien sind. Ohne die Verbände wären wir ärmer und würden langsam ausbluten.“

Das Miteinander von Jung und Alt sei Kennzeichen von Kolping: „Wir sind eine generationenübergreifende Gemeinschaft.“ Die Förderung der Jugend im Verband sei ein ständige Aufgabe und immer neue Herausforderung. Wo junge Menschen mit in der Verantwortung sind, seien sie ein belebendes, bereicherndes Element. Stellmann sprach sich dafür aus, der Jugend notwendige Freiräume einzuräumen, um „einfach einmal auszuprobieren, neue Ideen, neue Strategien vorzustellen.“

130 Delegierte und Gäste konnte der Diözesanvorsitzende Butz in der Aula der Berufsbildenden Schule in Germersheim begrüßen. Unter ihnen der Landrat des Kreises Germersheim, Dr. Fritz Brechtel, der Vizepräsident der Handwerkskammer der Pfalz, Michael Lehnert (Münchweiler a.d.R.) und Diplomtheologin Susanne Laun, Leiterin der Abteilung Familien- und Erwachsenenseelsorge und Ansprechpartnerin für die Verbände im Bischöflichen Ordinariat Speyer. Sein besonderer Gruß galt Ordinariatsdirektor Bernhard Nacke, dem Leiter des Katholischen Büros Mainz / Kommissariats der Bischöfe von Rheinland-Pfalz. Nacke sprach zum Thema: „Die Bedeutung der katholischen Verbände in der heutigen Gesellschaft“.

Nacke führte u.a. aus: Das II. Vatikanische Konzil habe die Aufgabe der Laien deutlich gemacht. Ihre Aufgabe sei es, die Gesellschaft zu gestalten. Sie seien die Träger der katholischen Soziallehre, deren Prinzipien und Forderungen von ihnen in den politischen Diskurs eingebracht werden müssten. Dies hätten die Verbände in der Geschichte getan, sie müssten es weiterhin tun, solle die Mitmenschlichkeit in unserer Gesellschaft prägender Faktor bleiben, Solidarität auch in Zukunft als sittliche Pflicht Geltung beanspruchen.

Die weltweite Finanzkrise habe gezeigt, wohin politische und ökonomische Fehlsteuerung führe, die sich rein am Profit, aber nicht am Wohl des Ganzen – der Welt, der Gesellschaft, der Menschen - orientiere. Die Verantwortlichen hätten wenig ethische Verantwortung erkennen lassen. Die katholischen Verbände hätten die Aufgabe, auf der Basis des Evangeliums ethische Standards in der Gesellschaft präsent zu machen. Aufgrund ihrer Idee und Struktur seien sie dazu besonders befähigt: In ihren örtlichen Gemeinschaften und ihren ehrenamtlich tätigen Mitgliedern leisteten sie konkret solidarische Hilfe für die einzelnen Menschen, die hilfsbedürftig sind. Und dies auf vielen Handlungsfeldern. In ihren höheren Verbandsebenen würden die Verbände politisch aktiv, wirkten sie in den politischen Raum hinein und stellten ihre Forderungen an Gesetzgeber und Administration, zugunsten der Schwachen und Bedürftigen in unserer Gesellschaft tätig zu werden.

„Können wir die Soziale Marktwirtschaft wieder funktionsfähig machen?“, fragte der Referent weiter. Die katholische Soziallehre sei ein ausgezeichnetes geistiges Instrument dazu. Er forderte die katholischen Verbände auf, gemeinsam aktiv zu werden, gemeinsam dem christlichen  Menschenbild und den daraus resultierenden Forderungen in der Öffentlichkeit Gehör zu verschaffen. Die Zusammenarbeit von Kolping und KAB in den vergangenen Monaten zeige, dass das geht. Und politische Baustellen gebe es genügend: die mangelnde Steuergerechtigkeit, der bedrohte Interessenausgleich zwischen Kapital und Arbeit, die Bekämpfung der wachsenden Kinder- und Altersarmut, die Berücksichtigung eines Familienfaktors in der Rentenversicherung, die Frage eines Mindestlohns, der den Lebensunterhalt bei Vollerwerbsfähigkeit sichert, die Mitbestimmung in den Betrieben u.v.a.m. „Das ist die Aufgabe der katholischen Verbände: Die Sicherung und Stärkung des Gemeinwohls“, schloss Ordinariatsdirektor Nacke.

In seiner letzten offiziellen Rede vor einer Diözesanversammlung zog Klaus Butz ein Resümmee seines bisherigen Kolpingengagements, insbesondere seiner dreijährigen Amtszeit als Diözesanvorsitzender: Von seinem Vorgänger Rolf Schäfer habe er ein wohlbestelltes Haus übernommen. Seine Aufgabe habe er darin gesehen, dieses Haus nach einer Bestandsaufnahme so umzugestalten, dass es den Anforderungen und Stürmen der Zukunft standhalten könne. Der Diözesantag 2009 unter seinem Leitwort „UrSprung ins Leben“ sei ein wichtiger und großer Schritt nach vorne gewesen: Er habe dem Verband und seinen Kolpingsfamilien Orientierung und Motivation, Mut und Kraft gegeben. Ein Ruck, ein Aufbruch sei im ganzen Verband spürbar gewesen. In der Diözese haben man gemerkt: „Kolping lebt und geht mutig in die Zukunft!“

Mit dem Diözesantag unmittelbar verbunden sei ein zweites Projekt gewesen: die Verlebendigung der Kolpingsfamilien. In vielen Gesprächen vor Ort, bei den Konferenzen der Vorsitzenden und Präsides und anderen Gelegenheiten habe er sich um Analyse und Orientierung für die Verantwortungsträger bemüht. Er habe versucht, Wege aufzuzeigen, wie man die eigenen Ressourcen für die Kolpingarbeit und eine Revitalierung der Kolpingsfamilie nutzen könne. Folgende Fragen habe er den Kolpingsfamilien immer wieder gestellt: „Was für eine Aufgabe habt ihr? Wie heißt Euer Projekt? Warum ist es gut, dass es die Kolpingsfamilie gibt? Wird Eure Kolpingsfamilie gebraucht?“ Er habe den Vorständen deutlich gemacht, dass eine Kolpingsfamilie ein soziales Projekt benötige. Eine Kolpingsfamilie ohne soziales Engagement sei keine Kolpingsfamilie. „Wenn eine Kolpingsfamilie sich sozial engagiert, wird sie nie fehl am Platze sein, nie überflüssig werden, nie überaltern!“, sagte der scheidende Diözesanvorsitzende wörtlich.

Ein Drittes sei im persönlich besonders wichtig, ja ein Stück von ihm selbst geworden: die Partnerschaft mit dem Kolpingwerk Tocantins in Nordbrasilien. Er sei stolz, dass er diese Partnerschaft habe begründen und seine Unterschrift unter den Partnerschaftsvertrag habe setzen dürfen. „Freundschaft und eine zuverlässige, nachhaltige Zusammenarbeit vermögen die Welt zu verändern, so dass auch die Armen in ihr ein Lebensrecht und Chancen auf ein menschenwürdiges Leben haben.“ In der Spur Adolph Kolpings wollten die Partner beitragen, dass auch die Armen Zugang zu den Gütern der Welt haben, vor allem zu Wissen und Bildung.

„Internationale Partnerschaft und soziales Engagement bei uns vor Ort, sind Wesensmerkmale der Kolpingsfamilien.“ Man dürfe Eine Welt-Arbeit und Hilfe für die Menschen bei uns nicht gegeneinander ausspielen. Das eine fördere das andere. Wer die Not in Brasilien sehe, werde sensibel für die Not bei uns – und umgekehrt: „Unterstützt die Menschen in Tocantins! Helft den Armen bei uns!“, rief Klaus Butz den Delegierten zu. Und: „Es lohnt sich immer für Kolping einzustehen! Hier und in Brasilien!“

Er dankte allen Mitarbeitern, Verantwortungsträgern in Vorstand und Verband, ohne deren Einsatz eine erfolgreiche Arbeit nicht möglich gewesen wäre. Diözesanpräses Pfarrer Andreas König (Frankenthal) referierte über seine Tätigkeit als Geistlicher Leiter des Verbandes. Das Diözesanleitungsteam berichtete von der Arbeit der Kolpingjugend. Diözesansekretär Thomas Bettinger (Landstuhl) führte in den Finanzbericht ein, Manfred Weber (Mehlingen) gab den Kassenprüfbericht. Nach kurzer Aussprache wurde der Diözesanvorstand einstimmig entlastet. Anstelle von Manfred Weber wurde Michael Schlösser (Bad Dürkheim) zum Kassenprüfer gewählt.

Einstimmig wurde eine Diözesanehrenordung verabschiedet, ebenso ein Antrag der Kolpingsfamilie Bad Dürkheim zum Thema „Mitgliedschaft in Fällen wirtschaftlicher Abhängigkeit“. Diözesanvorsitzender Butz dankte dem Vorsitzenden der Kolpingsfamilie Germersheim, Hansjörg Artelt, für die herzliche Aufnahme und die reibungslose Organisation der Diözesanversammlung.

In einer Feierstunde wurde der scheidende Vorsitzende verabschiedet. Dankadressen sprachen u.a. Landespräses Thomas Gerber (Urmitz) und Susanne Laun vom Bischöflichen Ordinariat. Gerber lobte das Engagement von Klaus Butz als Landesvorsitzender des Kolpingwerkes. Unter ihm habe der Verband wieder Konturen und Gesicht im politischen Geschäft gewonnen. Zeugnis dafür seien das gemeinsame Positionspapier von Kolping und KAB zur Landtagswahl sowie die Gespräche mit den politischen Parteien im Vorfeld der Wahl. Susanne Laun brachte für die Bistumsleitung das Bedauern über den Weggang von Klaus Butz zum Ausdruck. Die Verbände verlören in ihm einen profilierten Sprecher. Eine gute Zusammenarbeit erwarte sie aber auch mit seinem Nachfolger, Andreas Stellmann.

Für seine Verdienste in Verband, Kirche und Gesellschaft, als Vorsitzender seiner Kolpingsfamilie, als Diözesan- und Landesvorsitzender und als Begründer der Partnerschaft mit dem Kolpingwerk Tocantins / Brasilien überreichten die stellv. Vorsitzenden des Kolpingwerkes, Elke Boudgost (LU-Oggersheim) und Josef Heitz (LU-Pfingstweide), gemeinsam mit Diözesanpräses Andreas König an Klaus Butz die höchste Auszeichnung, die das Speyerer Kolpingwerk vergeben kann: das Diözesanehrenzeichen.

Klaus Butz dankte mit bewegten Worten. Er bat abschließend um großzügige Unterstützung der Aktion Brasilien. Statt Abschiedsgeschenke habe er sich Spenden für die Kolpingsfamilien Axixá und Riachinho gewünscht, die beide dringend ein Haus benötigten. Häuser seien deshalb so wichtig, weil es in den armen Gemeinden in der Regel keine Ge-meindehäuser gebe. Häuser böten die Möglichkeit zu Versammlung, Gottesdienst und weltlichen Feiern, zu Schulungsarbeit und Ausbildungskursen. Sie bedeuteten für die Kolpingsfamilie großes Ansehen, das auf die Menschen anziehend wirke: Eine Kolpingsfamilie könne so Mitglieder gewinnen.

Oft habe er in Tocantins von den Kolpingleuten gehört: „Keiner glaubt an uns. Keiner hilft uns!“ Der Besuch bei diesen Menschen und die materielle Hilfe, die wir geben könnten, seien ein großes Zeichen, dass diesen Menschen zeige: „Hier ist jemand, der an sie denkt und an sie glaubt!“

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