Verhaltenskodex zur Prävention gegen sexualisierte Gewalt:

Die Kolpingjugend nimmt Erwachsene mit ins Boot

Kaiserslautern (01.02.2012 / tb). - Schon im November 2011 haben Delegierte der Kolpingjugend aus dem gesamten Bistum Speyer in einer außerordentlichen Diözesankonferenz eigene Verhaltensrichtlinien zum Schutz vor sexualisierter Gewalt in der Jugendarbeit verabschiedet. Die Diözesanleitung der Kolpingjugend um Ramona Krämer, Annika Bär, Richard Heitz und Pfarrer Carsten Leinhäuser hatte sich schon früh mit allen Bemühungen im BDKJ solidarisiert, Kinder und Jugendlichen vor verschiedenen Arten  von Gewalt schützen.

Ein wichtiger Baustein in einer Reihe von Schutzmaßnahmen ist ein Verhaltenskodex, den jeder in der Jugendarbeit tätige Ehrenamtliche unterschreiben soll. In diesem Kodex verpflichten sich die Verantwortlichen, achtsam mit dem Thema „Nähe und Distanz“ umzugehen, auf Anzeichen von Gewalt gegen Kinder und Jugendliche zu achten und sich aktiv dazu zu verhalten.

Das Diözesanleitungsteam der Kolpingjugend ist sich darüber im Klaren, dass ein Kodex von Verhaltensnormen allein nicht vor möglichen Vorfällen schützt. Die Kolpingjugend verpflichtete sich deshalb, das Thema Schutz vor Kindeswohlgefährdung in ihre Arbeit einzubetten und die Gruppenleiter/-innen zu sensibilisieren und zu schulen. Jede/-r Gruppenleiter/-in hat eine Vorbildfunktion und muss wissen, wie man bestimmte kritische Situationen erkennt und sich in ihnen verhält. Das Thema Sexualisierte Gewalt wird künftig ein festes Modul im Konzept der Gruppenleiterschulungen sein. Die Vergabe der JugendleiterCard (JuleiCa) wird nur mit der Unterzeichnung des Kodex erfolgen.

Unterstützung und Beratung – selbstverständlich auch vertraulich - bieten neben dem Diözesanleitungsteam die Referent/-innen in den Katholischen Jugendzentralen und die Jugendseelsorger im Bistum. Sowohl die Kolpingjugend als auch der BDKJ bieten regelmäßig Fortbildungen zum Thema und auch schriftliche Arbeitshilfen an.

Mit den Beschlüssen der Diözesankonferenz hat sich die Kolpingjugend Diözesanverband Speyer einer wichtigen Aufgabe und Verantwortung in der Jugendarbeit offensiv gestellt. Die Kolpingjugend steht nicht allein, sondern ist eingebettet in den generationenübergreifenden Verband des Kolpingwerks. Die Kolpingjugend möchte zukünftig den Schutz von Kindern und Jugendlichen im gesamten Verband zur Sprache bringen und auch die Erwachsenen „ins Boot“ holen:

In einem ersten Schritt wurden die Kolpingsfamilien über die Beschlüsse und ihre Hintergründe informiert. In einem zweiten Schritt wurden alle Mitglieder mit Hilfe des Nachrichtenorgans „Kolping-Echo“, das als Beilage des Kolpingmagazins erscheint, umfassend über das Thema und den Verhaltenskodex unterrichtet. Auf der Konferenz der Vorsitzenden und Präsides im Januar 2012 erläuterte die Diözesanleitung der Kolpingjugend ihr Anliegen und ihr Konzept vor den „Erwachsenen“ und warb um ihre Unterstützung in der Jugendarbeit. „Auch Erwachsene, die in der Jugendarbeit aktiv tätig sind, müssen den Kodex unterschreiben“, antwortet Annika Bär auf Nachfrage.

Auf der kommenden Diözesanversammlung im Mai 2012 wird das Diözesanleitungsteam den Verhaltenskodex als Beschlussantrag einbringen. Das Grundsatzreferat wird sich mit der Thematik befassen. Hierzu ist ein sach- und fachkundiger Referent eingeladen. Der Gesamtverband will, so betonte der Diözesanvorsitzende, Diakon Andreas W. Stellmann, damit ein Zeichen nach innen und außen setzen: „Wir wollen unsere Kolpingjugend unterstützen und öffentlich nachdrücklich um Vertrauen in unsere Jugendarbeit werben. Das Wohl der uns anvertrauten Kinder und Jugendlichen hat bei uns höchste Priorität.“ (tb)

 

Hier der

Verhaltenskodex der Kolpingjugend Diözesanverband Speyer:

 

Wir bieten im Kolpingwerk DV Speyer Kindern und Jugendlichen Lebensräume, in denen sie sich wohl und sicher fühlen können.

Wichtig ist uns hierbei die Prävention vor Kindeswohlgefährdung jeglicher Form und die Sensibilisierung für dieses Thema.

Wir treten für das Recht der Kinder und Jugendlichen auf seelische und körperliche Unversehrtheit ein und bestärken sie darin, dies auch selbst tun zu können.

Deshalb verpflichten wir uns auf allen Ebenen im Kolpingwerk DV Speyer folgende Punkte in unserer Arbeit mit Kindern und Jugendlichen zu beachten und nach unseren Möglichkeiten umzusetzen:

 

1.         Ich achte und respektiere die Persönlichkeit und Würde meiner Mitmenschen. Meine Arbeit in der kirchlichen Jugendarbeit  ist von Wertschätzung und Vertrauen geprägt.

 

2.         Ich gehe achtsam und verantwortungsbewusst mit Nähe und Distanz um. Die individuellen Grenzempfindungen der Mädchen und Jungen, Frauen und Männer nehme ich ernst und halte sie ein.

 

3.         Ich unterstütze die mir anvertrauten Kinder und Jugendlichen darin, Identität, Selbstbewusstsein und die Fähigkeit zur Selbstbestimmung zu entwickeln.

 

4.         Ich schütze die mir anvertrauten Kinder und Jugendlichen best möglich vor Schaden, Gefahren, Missbrauch und Gewalt.

 

5.         Ich beziehe gegen abwertendes, diskriminierendes, gewalttätiges und sexistisches verbales oder nonverbales Verhalten aktiv Stellung.

 

6.         Ich bin mir meiner Vorbildfunktion gegenüber den mir anvertrauten Kindern und Jugendlichen bewusst. Mein Leitungshandeln ist nachvollziehbar und ehrlich. Ich nutze keine Abhängigkeiten aus.

 

7.         Ich weiß, dass ich bei dem Diözesanleitungsteam, sowie den Mitarbeiter/-innen in den Jugendzentralen Hilfe und Unterstützung bei Verdacht auf  Kindeswohlgefährdung jeglicher Art bekommen kann und nehme sie in Anspruch.