Menschen bei Kolping:

Georg Brehm - "Wenn man Freud und Leid miteinander teilt, wächst man zusammen"

Die „älteren“ im Verband kennen ihn noch, andere haben seinen Namen vielleicht schon mal gehört: Georg Brehm aus Erfenbach bei Kaiserslautern. Für den heute 60-jährigen war und ist Kolping lebensbestimmend. Anfang der siebziger bis zum Beginn der achtziger Jahre, insgesamt 12 Jahre, war er hauptamtlicher Diözesanjugendsekretär und hat in der aktivsten und erfolgreichsten Aufbauphase des Kolpingwerkes nach dem Krieg wesentlich zum Wachstum des Verbandes, speziell der Kolpingjugend, beigetragen, die bei seinem Ausscheiden 2.500 bei insgesamt 7.800 Mitgliedern umfasste.

„Genaugenommen bin ich ein `Mitbringsel´ in die Kolpingbewegung. Die erste bewusste Begegnung mit Kolping habe ich einem Freund zu verdanken. Der nämlich wurde, das dürfte 1967 gewesen sein, von seinem Großvater, der damals das Amt des Altseniors innehatte, `verdonnert´, sich anlässlich der Gründung einer Jungkolpinggruppe im damaligen Vereinshaus einzufinden. Mitgefangen, mitgehangen“, schmunzelt der gelernte Verwaltungsangestellte, der heute noch aktiv in der Kolpingsfamilie tätig sein „muss“.

Dank der Unterstützung der „Alten“ ging die Gruppengründung rasch voran. Die „Jungen“ hatten freie Hand, und ein gutes Team packte die Gelegenheit am Schopfe und nutzte seinen Chancen, Zeit und Freizeit selbst zu gestalten. „Wir erwarben unsere Fertigkeiten auf den diözesanen Gruppenleiterschulungen. Und wir machten! Geplante Gruppenstunden, spektakuläre soziale Aktionen: Papiersammlungen, Tannenbaumaktion, rollender Weinbasar. Aber auch Veranstaltungen, die die Öffentlichkeit aufmerken ließ: Diskussionsabende zu brisanten Themen und prominenten Teilnehmern, Tanztee mit Modenschau, Autorallye mit 50 Teilnehmern, Autowaschaktion …“

Soziale Aktion der Kolpingjugend Erfenbach in den 70er Jahren. Ganz rechts Georg Brehm.

Die Kolpingjugend Erfenbach war in den 70er Jahren die stärkste im Diözesanverband – mit zeitweise zehn Gruppen. Bekanntlich beflügelt Erfolg – und macht Freude. Eine ganze Reihe der damals jungen engagieren sich noch heute für Kolping!

Das eigentliche Faszinosum stellte sich für Georg Brehm später ein, nach der sukzessiven Auseinandersetzung mit dem Gedankengut des Gründers Adolph Kolping. In den ersten Jahren dürften die Entscheidung für den Sozialverband eine spontane, intuitive gewesen sein. Die kognitive folgte so nach und nach. Für ihn ist es der Familiengedanke, basierend auf der Lehre des Christentums, der überzeugt hat. In der Familie gibt es unterschiedliche Generationen, Geschlechter und ebenso verschiedene Meinungen, Interessen, Vorlieben. Wenn sie intakt ist, garantiert die Familie, dass diese nicht aus dem Ruder laufen. Das Familienmitglied weiß sich geliebt, akzeptiert, angenommen. Kolping transponierte diese Erkenntnis auf eine größere Ebene. Sie bewährte sich in der Gemeinschaft der Gesellen, der Gemeinde, in der Diözese, in Staat und Gesellschaft. Wie weitsichtig dieser Sohn eines Schäfers, Schustergeselle und Priester war, beweist die universelle Gültigkeit seiner Idee. Bis in die heutige Zeit. Wer das erkannt hat, kann nicht unbeeindruckt bleiben und einfach zur Tagesordnung übergehen. Er würde Verrat an seiner Überzeugung begehen. Und so „muss“ sich Georg Brehm bis heute in Kolping aktiv betätigen.

Georg Brehm, der für die örtliche Presse fotographiert und schreibt, weiß, dass auch die Kolpingsfamilie nicht vom Zeitgeist unbehelligt bleibt. Sie muss sich in einer ständig verändernden Welt mit ihren mehr und mehr verkümmernden christlichen Wurzeln behaupten. Eine heile Familie rücke zusammen, suche neue Antworten auf die ewig alten Fragen der Menschheit. Er ist überzeugt, die Kolpingsfamilie werde ihre Kräfte bündeln und ihre mannigfaltigen Fähigkeiten einsetzen. Der Kolpingsfamilie böten sich umfassende Betätigungsfelder, vielfältige Möglichkeiten kreativen Schaffens und sozialen Einsatzes. Wer sich für Menschen engagiere, strahle etwas aus, das für Menschen anziehend ist.

Faszinierend und bewegend sind für Georg Brehm immer wieder Ereignisse wie zuletzt die Romwallfahrt anlässlich der Feiern zum 20. Jahrestag der Seligsprechung Adolph Kolpings. Sie machten Mut, ihm und anderen.

Georg Brehm, der Vortragskünstler.

Seine persönliche „Nische“ hat er derzeit in der Vorbereitung und Verantwortung für die „Literarischen Abende“ der Kolpingsfamilie gefunden. Eine völlig singuläre Veranstaltungsreihe im Diözesanverband Speyer. Hier kann er sein literarisches, schauspielerisches und humoriges Talent gemeinsame mit anderen Mitstreitern austoben. Die letzte, die 21. Ausgabe, stand unter dem Thema: „Da lachen ja die Hühner … - Von neurotischen Hunden, Federvieh und sonstigem Getier“. Zum Vortrag kamen gedichtete und weniger dichte geistige Ergüsse von berühmten, nicht so berühmten und völlig unbekannten Schriftstellern. Mit großem Erfolg und viel Applaus. Und von Herzen lachen, zeichnet eine echte, gesunde Kolpinggemeinschaft aus.

Sein persönliches Lebensmotto hat Georg Brehm auch von Adolph Kolping: „Wenn man Freud und Leid miteinander teilt, wächst man zusammen.“ Und das stimmt. Hat er in der Kolpingsfamilie erfahren. (tb)

Alle Bilder: Brehm