Warum sind Kolpinghäuser so wichtig?

Der Diözesanverband Speyer unterstützt den Bau zweier Kolping-Bildungs- und Sozialzentren in Tocantins / Brasilien

In Deutschland werden Kolpinghäuser geschlossen, in Brasilien werden sie gebaut. In Deutschland werden sie oft zur Last für Verband und Verbandsarbeit, in  Brasilien sind sie geradezu Voraussetzung für eine prosperierende Kolpingsfamilie und einen erfolgreichen Verbandsaufbau.

Man kann das brasilianische Kolpingwerk mit dem Katholischen Gesellenverein in seinen Gründerjahren vergleichen. Nach jeder Gründung eines örtlichen Gesellenvereins bemühte sich Adolph Kolping darum, dass der Verein so schnell wie möglich ein eigenes Gesellenhaus oder doch zumindest ein geeignetes Gesellenheim erhielt als Heimstatt für die Gesellen und als Ort der Bildung. Nur mit einem Haus sah er die Möglichkeit, den Vereinszweck, die Beheimatung und Persönlichkeitsbildung der Gesellen, zu erreichen.

Dass dies in Brasilien ähnlich ist, davon konnte sich eine Reisegruppe des Diözesanverbandes Speyer überzeugen, die unter Leitung des damaligen Diözesanvorsitzenden Klaus Butz im Frühjahr den Schwesterverband im Bundesstaat Tocantins / Nordbrasilien besuchte. Ziel der Reise war es, alte freundschaftliche Bande zu vertiefen, neue zu knüpfen und das im Aufbruch befindliche Kolpingwerk zu unterstützen, im politischen und kirchlichen Bereich Anerkennung sowie Ansatzpunkte für seine Arbeit zu finden. So fanden wichtige Gespräche mit den Bischöfen in Tocantins statt, die sich der Zusammenarbeit mit Kolping aufgeschlossen zeigten.

Von den bestehenden sechs Kolpingsfamilien in Tocantins haben erst zwei ein Haus, die CK (Comunidade Kolping) Palmas und die CK Esperantina, im Norden des Landes. Das Haus in Esperantina wurde mit finanzieller Hilfe und mit tatkräftiger Hilfe von Mitgliedern aus dem Diözesanverband Speyer, vor allem der Kolpingsfamilie Hochspeyer, im Rahmen eines Arbeitseinsatzes 2008 errichtet. In beiden Häusern herrscht „blühendes Leben“: Kurse der schulischen und beruflichen Bildung, Schwerpunkte Handwerk und Landwirtschaft, PC-Kurse, aber auch soziale, medizinische und religiöse Bildung. Ganz klar: „Das sind echte Kolpinghäuser in der Tradition Adolph Kolpings“, sagt Gisela Schroth, Mitglied im Arbeitskreis Brasilien.

 

Das Kolpinghaus in Esperantina nach seiner Fertigstellung 2009.

 

Und Jugendarbeit findet hier statt, Filmabende mit Gespräch über die Filminhalte, eine Theatergruppe gibt es, eine Malschule. Der Pfarrgemeindechor singt im Haus. Das Miteinander von Jung und Alt, die Gemeinschaft der Generationen wird im Kolpingzentrum gelebt. „Die älteren Menschen sind die Leitplanken der Jugend“, sagt Diakon Hans Eisel von der Kolpingsfamilie Bexbach. Sie geben ihre Erfahrungen an die Jugendlichen weiter. Überhaupt: Die Kolpingsfamilie kümmert sich um die Senioren. In Brasilien noch keine Selbstverständlichkeit. „Die Kolpingsfamilie ist die einzige Gemeinschaft, die sich um uns Alten kümmert“, sagt eine Frau. Der Seniorentanz in Esperantina ist ein großer Erfolg. Und die Jugend tanzt hier mit! 

 

Das Kolpinghaus in Esperantina mit seinem Anbau 2010.

 

Klaus Butz betont, wie wichtig es ist, den Kolpingsfamilien zu Häusern zu verhelfen. Ein Haus bedeutet Handlungsmöglichkeiten, Einkünfte und Renommee. „Auch die Jugend kommt!“ Palmas und Esperantina nehmen aufgrund ihrer Häuser eine gute Entwicklung, d.h. wachsende Aktivitäten und wachsende Mitgliedschaft. Vor allem auf dem Land sind Häuser wichtig. In den Dörfern mit ihrer bedrückenden Armut gibt es im Regelfall keine öffentlichen Räume, in denen Versammlungen stattfinden können. Die Kolpingsfamilie kann ihr Haus vermieten für Versammlungen, Gottesdienste und Feste an Vereine, Privatpersonen, Kirche und Kommune. Und hat damit eine wichtige Einkommensquelle, um ihr Haus zu finanzieren.

 

Nach der Unterzeichnung des Partnerschaftsvertrags im März 2010: Gruppenfoto vor dem Kolpinghaus Esperantina. Ganz links Klaus Butz und Pfr. Jörg Stengel vom DV Speyer; im blauen Kleid, knieend, Fatimá Dourado, Koordinatorin des Obra Kolping do Tocantins.

 

Von den vier Kolpingsfamilien ohne Haus sind die CK Axixá und CK Riachinho in der Lage, ein Gebäude zu errichten. Die Grundstücke sind bereits vorhanden, die Häuser durch die Nationalleitung des Kolpingwerkes Brasilien in Sao Paulo als Projekte genehmigt. Die CK Rianchinho will in ihrem Haus eine Bäckerei einrichten, also ein Projekt verwirklichen, das Arbeitsplätze und Einkommen schafft. Auch das ein typisches „Kolping-Projekt“. Es fehlen „nur“ die Geldmittel, um beide Bauvorhaben durchzuführen. 

 

Multiplikatorenreise 2011: Gruppenfoto. Sitzend von links: Gisela Schroth, Manuela Butz, Angelika Eisel, Diakon Hans Eisel. Stehend zweiter von links: Klaus Butz.

 

Hier will der Diözesanverband Speyer helfen. Klaus Butz konnte den Diözesanvorstand zur Unterstützung der Hausbauprojekte in Axixá und Riachinho zu gewinnen. Die Einwerbung der notwendigen Mittel soll in den kommenden Monaten durch Aufrufe in den Kolpingsfamilien, bei Gottesdiensten und Veranstaltungen des Diözesanverbandes erfolgen. Die Altkleidersammlung im September wird ebenfalls zugunsten der Kolpinghäuser Axixá und Riachinho durchgeführt. Klaus Butz selbst hat zu seinem Abschied aus dem Amt des Diözesanvorsitzenden auf persönliche Geschenke verzichtet und um Spenden für die Häuser gebeten. Viele Kolpingfreunde sind diesem Aufruf gerne gefolgt.

 

Wer die Bauprojekte Axixá und Riachinho unterstützen will, kann seine Spende überweisen auf das Aktionskonto des Kolpingwerkes in der Diözese Speyer e.V., Kto.nr. 65 243 bei der Kreissparkasse Kaiserslautern (BLZ: 540 502 20), Stichwort: Tocantins.

Alle Bilder J. Stengel und A. Eisel.