„Eine Kolpingsfamilie, die nicht dient, dient zu nichts“

Beispielhaft:  “Soziales Projekt“ der Kolpingsfamilie Dahn für bedürftige Menschen

Engagiert hat sich die Kolpingsfamilie Dahn im romantischen Felsen- und Burgenland der Südpfalz schon immer: für Senioren, für Jugendliche ohne Ausbildungsplatz, für die berufliche Weiterqualifizierung von Menschen in einer Region mit hoher Arbeitslosigkeit. In der Erwachsenenbildung genießt die Kolpingsfamilie Dahn einen guten Ruf, ihre Freizeitangebote für alle Altersgruppen werden geschätzt, ihr religiöses und spirituelles Angebot wahrgenommen. Auch im sozialen Bereich unterstützte die Kolpingsfamilie in den letzten Jahren immer eine wohltätige Aktion finanziell: das Straßenkinderprojekt in Brasilien, aber auch die Kinderkrebshilfe bei uns. Die Mittel dafür wurden aus Spenden, durch Flohmärkte und andere Verkaufsaktionen aufgebracht.

Einkaufsservice für ältere und nicht mobile Menschen: Karin Reisel vom „Sozialen Projekt“ und Gertrud Ruppert (v.li.n.re.); für sie wurde eingekauft.

Harald Reisel (31), dem Vorsitzenden der Kolpingsfamilie Dahn, genügte dies nicht. Kolpings Beispiel der direkten Hilfe von Mensch zu Mensch bewog ihn, die Kolpingsfamilie für eine „Soziale Aktion“ zu gewinnen, in der Kolpingmitglieder selbst sich der konkreten Not in der eigenen Gemeinde stellen, mit ihren Händen und Füßen bedürftigen Menschen helfen. Vorbild dabei ist die große Aktion „arm-alt-allein“, die im Raum Kaiserslautern vielen alten und alleinstehenden Menschen in Not direkt und unbürokratisch materielle Unterstützung und menschliche Zuwendung gewährt. Der Mitgründer von „alt-arm-allein“, Kolpingbruder Norbert Thines (70) aus Kaiserslautern, stand der Kolpingsfamilie mit Rat und Tat zur Seite und ermutigte sie zu ihrem Schritt.

Übergabe eines Zuschusses und eines Buchgeschenks an eine bedürftige Familie: Harald Reisel, Vorsitzender der Kolpingsfamilie Dahn, Maik und Ursula Schmits (v.li.n.re.).

Zielgruppe der Aktion sind alte, arme und einsame, kranke und behinderte Menschen, hilfsbedürftige Familien, alleinerziehende Mütter und Väter, aber auch notleidende Kinder und Jugendliche. „Wir nehmen uns Zeit für die Menschen, hören ihnen zu, ermutigen sie, bringen ihnen Achtung und Wertschätzung entgegen“, sagt Harald Reisel. Das sei schon sehr viel. Viele Menschen hätten niemanden, der ihnen zuhört. Leben ohne menschliche Zuwendung sei unmenschlich. Die Begleitung von Menschen in Einsamkeit oder bei Veränderungsprozessen in ihrem Leben sei wichtiger Teil des „Sozialen Projektes“. In Fällen, in denen die Kolpingsfamilie selbst nicht helfen kann, vermittelt sie fachkompetente Hilfe. Die Kolpingmitglieder bieten vor allem praktische Hilfe an: z.B. ein Einkaufsservice für ältere Menschen, aber auch Hilfe beim Schreiben vom Bewerbungen für Jugendliche, Vorstellungsgesprächstraining. Einen regelmäßigen Besuchsdienst für ältere Menschen hat die Kolpingsfamilie eingerichtet: „Wir gehen auch ins Altersheim!“

„Wir verstehen uns als Anwalt der Menschen“, betont der junge Familienvater. So helfen Mitglieder bei Behördengängen und bei der form- und fristgerechten Erledigung von Formalitäten, Anträgen usw. Einer Hartz-IV-Empfängerin, die einen Holzgutschein von der ARGE erhalten hatte, aber nirgends einlösen konnte, verschaffte die Kolpingsfamilie das ihr zustehende Holz. Auch finanzielle Unterstützung gewährt die Kolpingsfamilie dort, wo das soziale Netz zu weitmaschig, Hilfe aber erforderlich ist: z.B. der Frau, die sich um ihr Enkelkind kümmert, dafür kein Geld erhält, Hartz IV aber zu dürftig ist. Kindergärten erhalten einen Zuschuss für das Mittagessen, da viele Eltern Schwierigkeiten haben, das Essensgeld zu bezahlen, und die Einrichtungen dafür keine Mittel haben.

Flohmarkt zur Erwirtschaftung von Finanzmitteln für das „Soziale Projekt“.

Wie organisiert die Kolpingsfamilie ihr Projekt? Sie macht Werbung in der Öffentlichkeit (Presse, Flyer, Plakate, Hinweise in Veranstaltungen etc.). Bedürftige können sich bei Ansprechpartnern der Kolpingsfamilie melden. Diese behandeln alle Informationen der betroffenen Menschen vertraulich. Finanziert wird die Aktion durch Spenden, Sponsoring und Aktionen.

Für die Kolpingsfamilie ist diese Aktion von großer Bedeutung. In der Öffentlichkeit trägt die Aktion zu einem positiven Image bei. Auch in der Kolpingsfamilie tut sich was: Sie führt die Mitglieder zusammen, setzt Kräfte frei und schafft Identität und Motivation. „Eine Kolpingsfamilie, die sich nicht sozial engagiert, ist keine Kolpingsfamilie“, meint Harald Reisel. Er wandelt ein Wort von Bischof Gaillot aus Frankreich um: „Eine Kolpingsfamilie, die nicht dient, dient zu nichts.“ Die Aktion schaffe ein Bewusstsein dafür, dass wir aufeinander angewiesen sind. „Jeder Mensch ist ein Bedürftiger. Wer das weiß, wird ein solidarischer Mensch.“ (tb)