Unterwegs im Gesundheitsbus zu den Ärmsten der Armen
Thomas Heitz von der Kolpingsfamilie Pfingstweide arbeitet im Straßenkinderprojekt
„Butterflies“ in Delhi / Nordindien
„Ein Schmetterling ist eine der schönsten
Kreaturen der Natur, ebenso wie ein Kind. Auch die Kinder müssen für ihren
Lebensunterhalt ständig in Bewegung sein und haben, wie die Schmetterlinge, ein
kurzes Leben, eine kurze Kindheit“, sagt Rita Panicker,
die 1989 das Straßenkinderprojekt „Butterflies“ in Delhi / Nordindien gründete
und es bis heute leitet. Und dieses Projekt faszinierte Thomas Heitz von der Kolpingsfamilie Ludwigshafen-Pfingstweide so, dass er sich
entschloss, dort ein Jahr lang als Freiwilliger zu arbeiten.
Thomas ist gelernter Gesundheits- und Krankenpfleger. Er stammt aus einer Familie, in der alle, die Eltern und noch vier weitere Brüder, aktiv in der Kolpingsfamilie tätig sind. Die Kolpingjugend Pfingstweide macht eine kreative Jugendarbeit und hat in der Diözese einen ausgezeichneten Ruf. Adolph Kolping kennt er, seine Person und sein Engagement für die notleidenden und bedürftigen Menschen sind im Vorbild.
In Delhi arbeitet Thomas Heitz in einem Gesundheitsbus, der Kinder, die auf der Straße leben, medizinisch versorgt. Die Straßenkinder treffen sich in der 16-Millionenstadt an neun sogenannten „Contact Points“, die „Butterflies“ eingerichtet hat. Hier werden sie von einem Sozialarbeiter unterrichtet. Gemeinsam mit einem Arzt und einer weiteren Krankenschwester fährt der 25-jährige Pfälzer zu diesen Treffpunkten, um die Kinder und Jugendlichen medizinisch zu versorgen. Meist kommen sie mit allgemeinen Beschwerden wie Fieber, Übelkeit, Durchfall und Kopfschmerzen, aber auch wegen infizierter Wunden, die er reinigt und versorgt. Per Computer nimmt er die medizinischen und allgemeinen Daten der Kinder auf. Damit werden Statistiken erstellt, die wichtig sind für die langfristige Begleitung der Kinder in den verschiedenen Lebensbereichen.

Mit seiner Kollegin im Bus organisiert er kleine Gesundheits-Workshops, bei denen die Kinder mehr über Hygiene, Anatomie, Krankheiten und gesunde Ernährung erfahren. Die Kinder sollen wissen, wie sie verschiedenen Krankheiten vorbeugen können. Sie lernen, Krankheiten rechtzeitig zu erkennen, und was sie dagegen tun können. Um auch in Notsituationen reagieren zu können, gibt es einen Erste-Hilfe-Kurs, der vom Gesundheitsteam geleitet wird. Einmal in der Woche arbeitet der Ludwigshafener im „Health Post“. Das ist eine kleine Krankenstation, die die Kinder bei ernsthafteren und langwierigen Verletzungen und Beschwerden besuchen können.

Um seine Sehnsucht nach fernen Ländern, seinen Wunsch, Menschlichkeit und Solidarität leben zu können, hätte er es einfacher, auch leichter haben können. Nein, Indien war nie das Land seiner Träume, sagt Thomas Heitz. Eher Südamerika. Und das Leben in der indischen Hauptstadt Delhi ist hart, voller Grenzerfahrungen, voller Lehren – aber eben auch voller kleiner Freuden.
Am Anfang hat er sich allein
gefühlt - in der Millionenstadt. Er war der einzige Freiwillige in dem Projekt.
Und es fiel im schwer, neue Kontakte zu knüpfen. In den ersten zwei Monaten,
als er das Dengue-Fieber hatte und das erste Heimweh seines Lebens, schien ihn
keiner zu verstehen, weder sprachlich, noch kulturell. Zwar sprach er Englisch,
wie viele in Delhi, aber das half ihm in der Arbeit mit den Straßenkindern
nicht. So lernte er Hindi und bemerkte schnell, dass die Sprache der Schlüssel zu
den Menschen ist, der Schlüssel, um sich wirklich wohl zu fühlen und im Land
anzukommen.
Heute weiß er, die negativen
Erfahrungen gehören zu einem solchen Freiwilligendienst, ebenso wie der Mut, in
Grenzsituationen hineinzugehen. Wie die positiven Erfahrungen gehören sie zum
Leben und bereichern und prägen die eigene Persönlichkeit. Thomas Heitz freut
sich auf die neue und aufregende Zeit, die noch vor ihm liegt – in Indien und
anderswo.
Wer das Projekt „Butterflies“
unterstützen will, kann im Internet mehr erfahren unter www.2eurohelfen.de.
alle Fotos: Thomas Heitz