Neuwahlen und Prävention gegen sexualisierte Gewalt
Diözesankonferenz der Kolpingjugend in Homburg – „Kapitän von Bord“: Martin Gast verabschiedet
sich
Kaiserslautern / Homburg (27.04.2011
/ js-tb) - Die Vertreterinnen und Vertreter der Kolpingjugend Diözesanverband Speyer trafen sich zur
jährlichen Diözesankonferenz im Kardinal-Wendel-Haus in Homburg. Neuwahlen und
die Diskussion wichtiger Fragen und Themen standen im Mittelpunkt eines
umfangreichen Tagungsprogramms.
Da Franziska Altherr
(Otterbach) und Martin Garst (Hettenleidelheim)
von ihren Ämtern als Diözesanleiter der Kolpingjugend
zurückgetreten waren, musste gewählt werden. Ramona Krämer aus Ensheim und Annika Bär aus Grünstadt trauten sich diese
Aufgabe zu und wurden mit großer Mehrheit in das Diözesanleitungsteam (DLT) der
Kolpingjugend gewählt, das weiter aus Richard Heitz
(LU-Pfingstweide) und Pfarrer Carsten Leinhäuser, Geistlichen Leiter der Kolpingjugend, besteht.
Es hat sich bewährt, die Jugendarbeit
im Diözesanverband auf mehrere Schultern zu verteilen. So wurde 2009 der
Diözesane Arbeitskreis (DAK) gegründet. Er besteht aus den Arbeitskreisen
Schulung, Freizeit und Öffentlichkeitsarbeit. Im Rechenschaftsbericht konnte eine
erfolgreiche Arbeit bilanziert werden. Die erste Amtszeit der Arbeitskreise
lief nun aus, so dass die Gremien neu besetzt werden mussten.
Martin Garst hatte sich zwar aus dem
DLT verabschiedet und ging in einer Abschiedsparty als „Kapitän von Bord“, wollte
aber noch gerne weitere zwei Jahre im DAK mitarbeiten. Er wurde als Mitglied in
das Team für Freizeitaktivitäten gewählt, ebenso Carina Grab aus LU-Pfingstweide.
In den DAK wieder gewählt wurden Markus und Alexandra Gräser (LU-Pfingstweide),
Jan Storminger (Dirmstein)
und Patrick Garst (Hettenleidelheim).
Ein weiterer Punkt auf der
Tagesordnung war der überraschende Rücktritt des Diözesanvorsitzenden des Kolpingwerkes, Klaus Butz. Die Kolpingjugend
ist Teil des Kolpingwerkes, die Diözesankonferenz
trägt Mitverantwortung für den Gesamtverband und hat Vorschlagsrecht für die
Ämter im Diözesanvorstand. Als Kandidat für die Nachfolge von Klaus Butz
stellte sich Diakon Andreas W. Stellmann (Heßheim)
der Jugendkonferenz vor. Er legte seine Vorstellungen von der künftigen Arbeit
im Kolpingwerk, besonders der Jugendarbeit, im Gespräch
mit den Delegierten dar. Die Diözesankonferenz beschloss einstimmig, die
Kandidatur von Andreas Stellmann zu unterstützen und ihn auf der
Diözesanversammlung in Germersheim am 7. Mai als
Diözesanvorsitzenden vorzuschlagen.
In einem Studienteil beschäftigten
sich die Delegierten mit dem in den Öffentlichkeit
heftig umstrittenen Thema Prävention sexualisierter Gewalt. Pfarrer Andreas
Sturm (Speyer), Diözesanjugendseelsorger und Diözesanpräses
des BDKJ, referierte dazu in einem Impulsvortrag: In Gruppenstunden und bei
Freizeiten im Rahmen der Kinder- und Jugendarbeit könne es zu sexualisierter
Gewalt in Form von Übergriffen und Belästigungen kommen. Sowohl Opfer als auch
Täter seien sowohl männlich als auch weiblich. Es könne sein, dass Jugendliche
andere Jugendliche oder Kinder sexuell belästigen. Täter/-innen könnten aber
auch Jugendleiter/-innen (also Kollegen/-innen) oder aber Personen aus dem
privaten Umfeld der Kinder und Jugendlichen sein. Sturm wies auf das
Präventionskonzept des BDKJ hin, das konkrete Handlungsempfehlungen
gebe, nach denen Gruppenleiterinnen und Gruppenleiter im Falle eines
Missbrauchs ihre Vorgehensweise richten können. Der BDKJ-Diözesanvorstand sei
im Zweifel für Verantwortliche in der Jugendarbeit Ansprechpartner im Konfliktfall.
Darüber hinaus biete er Fortbildungen und Materialien zum Thema an.
Die Kolpingjugend
wolle sensibilisieren, sagte Pfarrer Leinhäuser, ein täterfeindliches Umfeld und
Interventionsmöglichkeiten schaffen. In Zusammenarbeit mit dem BDKJ Speyer werde
sie dazu Hilfen erarbeiten, eine Selbstverpflichtung erstellen und Schulungen
anbieten. Die Diözesankonferenz benannte als Ziel, Ängste im Verband abzubauen,
die das Sprechen über dieses Thema blockieren. Mit den offenen Gesprächen und
Diskussionen im Rahmen der Tagung sei dazu ein erster wichtiger Schritt getan
worden.
Abschließend wurden der Verhaltenskodex, wie er vom BDKJ im Entwurf vorgelegt wurde, und der Text einer möglichen Selbstverpflichtung beraten. Sinn und Zweck eines solchen Verpflichtung wurden hinterfragt, sowie die mögliche Umsetzung auf der Ortsebene. Den Delegierten war klar, dass das Thema auch mit den Erwachsenen in den Kolpingsfamilien diskutiert werden muss. Die Diözesanleitung wurde beauftragt, ein Konzept zu erarbeiten, wie dieses Thema mit den Erwachsenen in den Verband hinein getragen werden kann.
Das Diözesanleitungsteam der Kolpingjugend beurteilt die Diözesankonferenz 2011 als
erfolgreich: „Es war eine sehr ernste, produktive und von großer Verantwortung
geprägte Diskussion“, meinte Richard Heitz. Schwerpunkt der nächsten Monate werde
der verstärkte Kontakt zu den einzelnen Ortsgruppen sein. Die Diözesankonferenz
habe ein gutes Team aufgestellt, mit dem die Herausforderungen der kommenden
Jahre zu bewältigen seien.
Das Kolpingwerk zählt in der
Diözese Speyer 6.700 Mitglieder in 68 örtlichen Vereinen, den Kolpingsfamilien. 1.100 Mitglieder sind unter 30 Jahre alt
und gehören der Kolpingjugend an. In Deutschland hat
der Verband, der sich auf den Seligen Adolph Kolping
und seine Katholischen Gesellenvereine zurückführt, 264.000 Mitglieder in 2.700
Kolpingsfamilien. Weltweit zählt das Kolpingwerk 500.000 Mitglieder in 60 Ländern auf allen
Kontinenten. Sein Wahlspruch lautet: „Verantwortlich leben – Solidarisch
handeln.“ (tb)