„Glauben mit den Händen“

Bockenheim: Wallfahrt des Kolpingwerkes Diözesanverband Speyer – Impulse für eine lebendige Partnerschaft mit Brasilien

Bockenheim / Kaiserslautern (21.06.2010 / aw-tb). Die taditionelle Diözesanwallfahrt des Kolpingwerkes Diözesanverband Speyer in Bockenheim stand dieses Jahr im Zeichen der Partnerschaft mit dem Kolpingwerk im brasilianischen Bundesstaat Tocantins. Den Festgottesdienst an der Heiligenkapelle inmitten der Weinberge zelebrierte Diözesanpräses Pfarrer Andres König, Frankenthal, zusammen mit dem Nationalpräses des Kolpingwerkes Brasilien, Padre Paulo Link, Sao Paulo, und dem stellvertretenden Diözesanpräses des Kolpingwerkes Speyer, Pfarrer Jörg Stengel, Weilerbach. 

Heilige Messe vor der Heiligenkirche über Bockenheim (v.li.n.re.): Padre Paulo Link, Nationalpräses Kolping Brasilien, 
Pfr
. Jörg Stengel, stellv. Diözesanpräses Kolping Speyer, Pfr. Andreas König, Diözesanpräses Kolping Speyer, 
(mit Banner) Fátima Dourado, Koordinatorin Kolping Tocantins, Josef Heitz, stellv. Diözesanvorsitzender Kolping Speyer.

König betonte in seiner Predigt die Bedeutung der Integration der deutschen Kirche in die Weltkirche. Die Partnerschaft des Kolpingwerkes mit Brasilien sei dabei ein wichtiger Gedanke. Sie sei ein Stück gelebter universaler Kirche. Bei der anschließenden Kundgebung in der „Emichsburg“ in Bockenheim begrüßte Klaus Butz, Otterbach, der Diözesanvorsitzender des Kolpingwerkes, als Gast Maria de Fátima Dourado da Silva, Palmas, die Koordinatorin des Kolpingwerkes im Bundesstaat Tocantins

Fátima Dourado und Josef Heitz tragen das Banner des Obra Kolping Estadual do Tocantins (OKT).

Die Partnerschaft mit Kolping in diesem noch jungen Bundesstaat Brasiliens, hat seine Wurzeln im Jahr 2007, als Maria de Fátima Dourado da Silva anlässlich der Generalversammlung von Kolping International in Ungarn zum ersten Mal nach Deutschland kam. Bei ihrem Besuch in Hochspeyer beschlossen Walter Rung, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Hochspeyer, sowie weitere Mitglieder der Kolpingsfamilie Hochspeyer, ein Sozial und Bildungszentrum für die Kolpingsfamilie Santa Terezina de Bico de Papagaio in Esperantina / Tocantins zu bauen. Dieses Vorhaben wurde während eines Arbeitseinsatzes 2008 in Brasilien umgesetzt. 

Diözesanvorsitzender Klaus Butz bei der Kundgebung in der Festhalle „Emichsburg“: „Kolpingarbeit ist Glauben mit den Händern.“

Anlässlich des Besuches von Klaus Butz, Pfarrer Jörg Stengel und Walter Rung im März dieses Jahres in Tocantins wurde der Landesverband des Kolpingwerkes in Tocantins gegründet und ein Partnerschaftsvertrag zwischen dem Kolpingwerk Diözesanverband Speyer und dem Obra Kolping Estadual do Tocantins (OKT) unterzeichnet. Butz betonte, dass nach dem Hausbau der Entschluss gefasst worden sei, die Kräfte des Diözesanverbandes in Tocantins zu bündeln. Der Landesverband solle von zwei Seiten unterstützt werden: zum einen mit Mitteln für Projekte der Kolpingsfamilien, z. B. für den Bau von Kolpinghäusern, Ausbildungsmaßnahmen, PC-Kurse, soziale und politische Bildungsarbeit, zum anderen mit Mitteln für den strukturellen Aufbau des Landesverbandes und zur Finanzierung der hauptamtlichen Koordinatorin, die die Kolpingsfamilien betreut und die Verbindungsstelle zum Nationalverband des Kolpingwerkes in Brasilien, dem Internationalen Kolpingwerk und dem Kolpingwerk Speyer darstellt. 

Blick ins Auditorium der Kundgebung (v.li.n.re.): Diözesanpräses König, Padre Paulo Link, Fátima Dourado
Elke Boudgoust, stellv. Diözesanvorsitzende Kolping Speyer), ihr gegenüber Rolf Schäfer, 
Diözesanehrenvorsitzender Kolping Speyer.

Klaus Butz sagte, dass die Kolpingsfamilien in Brasilien dem sozialen Engagement von Adolph Kolping sehr nahe kämen, da sie sich den Ärmsten der Armen zuwendeten, Kinderbetreuung und Bildungsarbeit / Alphabetisierung leisteten. Daher habe das Kolpingwerk in Brasilien einen sehr großen Zulauf. Für sein soziales Engagement habe das Obra Kolping do Brasil mittlerweile mehrere Preise von bedeutenden Sozialinstituten erhalten. Während des anschließenden Interviews berichteten Teilnehmer des Arbeitseinsatzes 2008 vom Bau des Kolpinghauses in Esperantina, über die Vorbereitungen und eindrucksvolle Zeit während des Einsatzes. Klaus Butz, Walter Rung und Pfarrer Jörg Stengel erzählten von den großen Emotionen, insbesondere der Freude, als im März 2010 anlässlich ihres Besuches in Brasilien das fertige Sozial- und Begegnungszentrum in Esperantina eingeweiht wurde.

Danach berichtete der Gast aus Brasilien, Fátima Dourado, über die Entstehungsgeschichte des Kolpingwerkes im Bundesstaat Tocantins, der erst Ende der 1990er Jahre gegründet wurde, von der mühsamen Aufklärungsarbeit über den Verband, seine Idee und Arbeitsweise bis zur Gründung der bis heute sechs Kolpingsfamilien: Palmas, Axixa, Arapoema, Riachinho, Esperantina und Porto Nacional. Sie bezeichnete die Arbeit des Kolpingwerkes als ein Stück lebendigen christlichen Glaubens: „Kolpingarbeit ist Glauben mit dem Händen!“ Zum Abschluss der Veranstaltung wurden Bilder über die Entstehung und Entwicklung der Kolpingsfamilien in Tocantins gezeigt.

Die Kolpingkapelle Ramsen unter der Leitung von Manfred Zengerle umrahmte musikalisch Prozession, Gottesdienst und Kundgebung. Klaus Butz dankte der Kolpingkapelle sowie der Kolpingsfamilie Bockenheim, die seit vielen Jahrzehnten in unermüdlichem Einsatz die Organisation und Durchführung der Wallfahrt – „die gesamte Arbeit!“ –  leiste. Auch das sei „Glauben mit den Händen“!

Das Kolpingwerk zählt in der Diözese Speyer 6.700 Mitglieder in 68 örtlichen Vereinen, den Kolpingsfamilien. 1.100 Mitglieder sind unter 30 Jahre alt und gehören der Kolpingjugend an. In Deutschland hat der Verband, der sich auf den Seligen Adolph Kolping und seine Katholischen Gesellenvereine zurückführt, 264.000 Mitglieder in 2.700 Kolpingsfamilien. Weltweit zählt das Kolpingwerk 500.000 Mitglieder in 60 Ländern auf allen Kontinenten. Sein Wahlspruch lautet: „Verantwortlich leben – Solidarisch handeln.“

 

Alle Bilder: Angelika Weis