„Ins Gelingen verliebt“
Ministerpräsident a.D. Bernhard Vogel beim Festakt
„25 Jahre Kolpingsfamilie Speyer St. Otto“
„Die
Zukunft liegt in der Zusammenarbeit“, lautete eine Kernaussage der Predigt von
Pfarrer Andreas König, Diözesanpräses des Kolpingwerkes, beim Festgottesdienst zum 25-jährigen
Jubiläum der Kolpingfamilie Speyer St. Otto. Gerade bei den bevorstehenden
strukturellen Veränderungen innerhalb der Kirche biete der Kolpingverband
gute Voraussetzungen für eine überpfarrliche Zusammenarbeit.
Kolping betätige sich schon immer über Pfarrgrenzen hinaus und versuche, den gesellschaftlichen
Wandel mitzugestalten.
Ein
festlicher Einzug in die Pfarrkirche St. Otto mit neun Bannerträgern benachbarter
Kolpingsfamilien, teilweise auch aus dem Badischen,
war der Auftakt für die von Diözesanpräses König mit seinem
Amtsvorgänger, Domkapitular i.R. Prälat Gerhard Fischer, sowie Diakon Paul
Nowicki konzelebrierten Messfeier. 100 Gäste konnte der Vorsitzende der
Kolpingfamilie St. Otto, Klaus Karg, im Pfarrsaal nach dem Gottesdienst begrüßen.
Als Vertreter des politischen Lebens waren außer dem Festredner, Ministerpräsident
a.D. Prof. Dr. Bernhard Vogel, die Landtagsabgeordneten Friederike Ebli und Dr. Axel Wilke, sowie als Vertreter der
Stadtverwaltung, Bürgermeister Hans-Peter Brohm,
erschienen. Seitens des Kolpingverbandes waren der Diözesanvorsitzende Klaus
Butz, Otterbach, und sein Amtsvorgänger, Ehrenvorsitzender
Rolf Schäfer, Oggersheim, gekommen. Für die Kirche nahmen der frühere Präses der Jubilarin, Pfarrer i.R. Klaus Härtl, sowie Pfarrer
Erwin Bersch von St. Konrad, Pfarrer Hubert
Ehrmantraut von St. Josef, Pfarrer i.R. Willem und Diakon Klaus-Peter Hilzensauer als Vorsitzender der Kolpingsfamilie
Speyer 1860 teil.
Nach
der von Karg verlesenen Gründungsurkunde vom Januar 1985 fanden sich 15 Mitglieder
der Kolpingfamilie Speyer 1860 und sieben Bewohner aus Speyer-West zusammen, um
die Kolpingfamilie Speyer St. Otto zu gründen. In der Urkunde werden die Kolpingsfamilien als Bildungs- und Aktionsgemeinschaften beschrieben,
deren Mitglieder als glaubwürdige Christen leben und Zeugnisse der
Brüderlichkeit ablegen wollen.
Festredner
Prof. Vogel hielt es für wichtig, dass Menschen bereit sind, über den Tellerrand
hinauszuschauen, und dankte für die Aktivitäten der mit derzeit 47 Mitgliedern
überschaubaren Kolpingsfamilie St. Otto, die sich auch
durch Spenden aus dem Erlös der jährlich veranstalteten Weinprobe zugunsten
sozialer Projekte in Bolivien auszeichne. Sicherlich sei es heute schwierig, junge
Leute zu gewinnen. Andererseits hätten christliche Ideale den Kulturkampf zu
Zeiten Bismarcks, bei dem sogar Bischöfe eingekerkert wurden, ebenso überstanden
wie die Repressalien des Nationalsozialismus oder die Unterdrückungsmaßnahmen
zur Zeit der DDR.
Der
Gedanke Adolph Kolpings, sich der Gegenwart zu
stellen, um die Zukunft bewältigen zu können, habe überlebt. Kein Klassenkampf,
sondern die ausgestreckte Hand des Sozialreformers zeichne Kolping aus. Theoretisieren
und revolutionäres Gedankengut seien ihm fremd gewesen. Als sein Zeitgenosse
Karl Marx in Köln das Kommunistische Manifest vorstellte, habe Adolph Kolping den Katholischen Gesellenverein als Ursprung des Kolpingwerkes gegründet. Während die Ideen Karl Marx’
scheiterten, lebe die Kolpingbewegung nach wie vor.
Angesichts
einer Kirche, die sich „in schwerem Fahrwasser“ befinde, sei es Aufgabe der Kolpingmitglieder, Zeugnis für den Glauben und das
christliche Menschenbild zu geben. Viele überließen es heute anderen, sich zu engagieren,
möchten aber selbst gern rundum versorgt sein. Selbstverwirklichung heiße aber,
die Verantwortung für sich selbst zu übernehmen. Dies schließe die solidarische
Verantwortung für den Nächsten und die Mitwelt ein. Denn Menschwerdung,
Selbstfindung finde im Prozess des miteinander Teilens statt. Ein erfülltes Leben
könne deshalb nur haben, wer sich für andere in Familie und Arbeitswelt, Kirche
und Staat haupt- und ehrenamtlich engagiere. Das Ehrenamt
sei dabei kein Lückenbüßer. Vielmehr sei es notwendig, wenn man nicht bevormundet
werden wolle, Solidarität und Subsidiarität fruchtbar in unserer Gesellschaft
zur Entfaltung bringen und verhindern wolle, dass der Staat allmächtig werde.
Es
sei nicht die Zeit, zuzuschauen und zu jammern. Man müsse die heutige Generation
ermutigen, sich den aktuellen Herausforderungen zu stellen und zu erkennen,
dass sie zu meistern sind. Ohne die Probleme kleinreden zu wollen, sei es geboten,
„ins Gelingen verliebt zu sein und nicht ins Scheitern“. Der Festredner schloss
mit den Worten, „die Kolpingsfamilie habe eine Zukunft,
wenn sie „das Feuer am Brennen hält. Menschen, die sich daran erwärmen wollen,
gibt es genug.“
In
seinem Grußwort wies Diözesanvorsitzender Butz auf den Diözesantag 2009 in Landstuhl
hin, bei dem 700 Mitglieder zeigten, dass es sich lohne, sich für Kolping zu engagieren. Diakon Hilzensauer
erinnerte an die Mithilfe der Kolpingsfamilie Speyer
1860, die Kolpingfamilie St. Otto vor 25 Jahren zu gründen, dankte den Gründungsmitgliedern
und wünschte für die Zukunft viel Kraft und Zuversicht. Diözesanehrenvorsitzender
Rolf Schäfer betonte, dass Kolping zwischenzeitlich in 60 Staaten auf allen
Kontinenten mit insgesamt 500 000 Mitgliedern vertreten sei. Diakon Paul
Nowicki erinnerte sich mit Dankbarkeit und Stolz an das bisher Geleistete. Die
Kirche müsse in der Gesellschaft Aufgaben übernehmen, wobei die Kolpingsfamilie gute Voraussetzungen zur Mitwirkung habe.
Es gebe genügend Gründe, vertrauensvoll in die Zukunft zu schauen, weil man in
der Lage sei, auch auf die Fragen einer veränderten Zeit Antwort zu geben. Mit
der Ehrung langjähriger Mitglieder und einem gemeinsamen Mittagessen klang der
Festakt aus. (Georg Emes)