Viel gelernt bei Kolping
Sebastian
Traumer ist seit einem Jahr Praktikant im Kolpingbüro Kaiserslautern
Kaiserslautern
(02.06.2010 / tb). - Mit seinen sechzehn Jahren – jetzt im Juli wird er siebzehn!
– ist er sicher der jüngste ständige Mitarbeiter in der Zentrale des Speyerer Kolpingwerkes: Sebastian Traumer
aus Obermohr in der Westpfalz ist seit gut einem Jahr
Praktikant im Kolpingbüro Kaiserslautern. Traumer ist Schüler der Fachoberschule Wirtschaft, die er
mit Fachabitur abschließen wird, und muss während des ersten Schuljahres (11.
Jahrgangsstufe) ein Betriebspraktikum absolvieren, d.h. an drei Tagen in der
Woche arbeitet er voll im Betrieb, an zwei Tagen ist er in der Schule.
Traumer, Mitglied der Kolpingsfamilie Obermohr und Mitgründer der jüngsten Kolpingjugend-Gemeinschaft in der Diözese Speyer, deren feierliche Publikation im vergangenen Oktober stattfand, knüpfte bei der 72-Stunden-Aktion des BDKJ im Mai vergangenen Jahres den Kontakt zu Klaus Butz, dem Diözesanvorsitzenden des Kolpingwerkes. Er fragte nach, ob er nicht das Betriebspraktikum in der Diözesangeschäftsstelle durchführen könne. Butz war sofort von dieser Idee angetan, er sah darin die Möglichkeit einer Profilierung des Verbandes in der Öffentlichkeit. Das Büro als Ausbildungsstätte führt das Kolpingwerk wieder ein Stück dorthin zurück, wo es mit Adolph Kolping hergekommen und ursprünglich verwurzelt ist: In die Berufs- und Arbeitswelt, in die Sorge um die berufliche Zukunft junger Menschen.
Sebastian
Traumer an seinem Arbeitsplatz im Kolpingbüro
Kaiserslautern (foto: bettinger).
Butz klärte die Voraussetzungen und Rahmenbedingungen mit Sebastians
Schule, der Paul-Weber-Schule in Homburg, ab und überwand bestehende Bedenken
im Verband, schließlich ist das Kolpingbüro mit
seinen zwei Mitarbeitern ein sehr kleiner, zudem kein Wirtschaftsbetrieb. Die
Schule jedenfalls hatte keine Bedenken, die Geschäftsstelle eines katholischen
Sozialverbandes in sein Verzeichnis der Praktikumsbetriebe aufzunehmen, sie
überzeugte sich davon, dass ihr Schüler hier alles lernen konnte, was sie von
der betriebspraktischen Ausbildung erwartet.
Die sog. fachpraktische Ausbildung im Kolpingbüro umfasst alle (wirtschafts-)betrieblichen Funktionsbereiche, die verwaltungstechnischen und organisatorischen Aufgaben, die ständig auf der Geschäftsstelle eines katholischen Sozialverbandes zu leisten sind. Dazu gehört EDV (Hard- und Software), Schriftverkehr, Telefondienst, Buchhaltung / Rechnungswesen und Steuerrecht, vereinsrechtliche und versicherungstechnische Fragen, aber auch die Auseinandersetzung mit ideellen und ethischen Grundsatzfragen, die die Arbeit eines Tendenzbetriebes prägen, Stichworte: Kolpingidee, Kirche / Glaube / evangelisches Ethos, katholische Soziallehre, (Sozial-)Politik, Jugendarbeit. Ein wichtiges Lernfeld war für Sebastian die Organisation und Durchführung von Veranstaltungen. Am 1. August 2009 ging es gleich richtig los, denn am 22./23. August fand bereits eine Großveranstaltung, der Kolping-Diözesantag, statt, eine Herausforderung auch für den Praktikanten, der sofort 100% gefordert war. Ein weiteres Aufgabengebiet war die Kontaktpflege und Betreuung der Kolpingsfamilien.
Sebastian im Konferenzzimmer beim Sortieren einer „großen Post“ an die Kolpingsfamilien (foto: bettinger).
Sind die Ziele und Erwartungen an das Praktikum erfüllt
worden? Sebastian sagt ein klares Ja. „Ich hatte Gelegenheit, die täglichen
Abläufe der Geschäftsstelle einzusehen, und aktiv, eigenständig mitzuarbeiten.
Ich wurde einbezogen in alle verwaltungstechnischen und organisatorischen
Aufgaben, auch in viele Diskussions- und Entscheidungsprozesse der verschiedenen
Verbandsebenen war ich eingebunden. Mir wurde ein sehr gutes, selbständiges Arbeitsfeld
als Ansprechpartner und Zuarbeiter des Diözesanleitungsteams der Kolpingjugend ermöglicht“, sagt der Jugendliche mit etwas
Wehmut in der Stimme, denn der Abschied naht. Am 31. Juli ist Schluss.
Er hat viel bei Kolping gelernt,
bestätigt Sebastian: das selbständige Abwickeln von Bankgeschäften,
Durchführung und Auswertung von Veranstaltungen, Kennenlernen und Umgang mit
Menschen, Gesprächsführung, eigenständiges Lösen von Problemen und Aufgaben, Einblick
in das Leben und die Arbeitsweise eines klassischen katholischen Verbandes und
seine Strukturen. Dass das so ist, das freut natürlich den Vorsitzenden Klaus
Butz, aber auch die hauptamtlichen Mitarbeiter im Diözesanbüro Angelika Weis
und Thomas Bettinger. Beide lassen ihn ungern gehen, denn in Sebastian
verlieren sie einen wirklich guten Mitarbeiter. „Er hat dazu beigetragen, das
Team im Kolpingbüro stark zu machen. Er ist
intelligent und zuverlässig, mit Einsatzfreude dabei, er arbeitet eigenständig,
denkt mit, er entwickelt Ideen und bringt sie in unsere Arbeit ein. Sein
Schriftverkehr ist topp!“ sagt Diözesansekretär Bettinger, der hohe Ansprüche
gerade an die Qualität von Schriftsätzen stellt.
Und wie hat es ihm gefallen? Sehr gut, meint er. „Gutes
Arbeitsklima, nette Kollegen! Das Betriebspraktikum hat mir erste Einblicke in
den beruflichen Alltag gegeben. Ich konnte viele Kompetenzen erwerben, die mir
sicher enorme Vorteile für das spätere Leben bringen.“ Er kann diese
Praktikantenstelle weiterempfehlen. Wichtig ist für ihn, dass der Praktikant
die Chance hat, eigenständig mit Aufgaben und Problemen umzugehen. Nicht zu
unterschätzen die sozialen Kompetenzen: der achtsame und wertschätzende Umgang
mit Menschen.