„Die Kultur des sozialen Tuns darf keinen Schiffbruch erleiden in unserer Gesellschaft!“

Kolping ehrt verdiente Mitglieder für Engagement in Gesellschaft und Kirche – Norbert Thines erhält das Diözesanehrenzeichen

Deidesheim / Kaiserslautern (02.12.2010 / tb). – „Wir sind den Menschen die Nächstenliebe schuldig“, sagte mit Leidenschaft Norbert Thines (Kaiserslautern) im Pfarrzentrum Bernhardushof,  Deidesheim. Thines stellte eine Erosion der Solidarität in unserer Gesellschaft fest. Die Armut nehme spürbar zu. Selbst Menschen, die ihr Lebtag hart und beständig gearbeitet hätten, seien heute vor Altersarmut nicht mehr sicher, meinte der Vorsitzende der Aktion „alt-arm-allein“, die sich um alte Menschen in der Region Kaiserslautern kümmert, die in materielle und psychische Not geraten sind. „Die Kultur des sozialen Tuns darf keinen Schiffbruch erleiden in unserer Gesellschaft!“, betonte Thines.

Diözesanvorsitzender Klaus Butz verliest die Urkunde zum Ehrenzeichen für Norbert Thines.

„Unsere Aufgabe ist es, den Menschen die Nächstenliebe zu bringen. Wir müssen die Menschen bewegen, in diesem Sinne etwas zu tun. Wir haben im Kolpingwerk Menschen, die das tun, auf die wir uns verlassen können“, führte der ehemalige Präsident des 1. FC Kaiserslautern weiter aus, der „für seine Verdienste um die Idee Adolph Kolpings in Verband, Kirche und Gesellschaft“, besonders für sein soziales Engagement, mit dem Diözesanehrenzeichen ausgezeichnet wurde. Im Rahmen des Jahresempfangs des Kolpingwerkes im Bistum Speyer überreichte Diözesanvorsitzender Klaus Butz (Otterbach) dem „Kolping-Urgestein“ Thines die höchste Auszeichnung, die der katholische Sozialverband zu vergeben hat.

Ein Schal für Norbert Thines.

In seiner Laudatio führte Butz u.a. aus, dass der Name Norbert Thines beispielhaft stehe für soziales Engagement. Schon von früher Jugend an, als Jungkolpingführer, habe er soziale Projekte initiiert. Von der „Aktion Kummerkasten“ über die „Aktion Bruderhilfe“ bis zu den Hilfstransporten nach Osteuropa und den Arbeitseinsätzen in Weißrussland – Thines lieferte die Idee, mit Freunden und Mitstreitern in der Kolpingsfamilie und dem 1. FCK wurde sie realisiert. Nicht erst seit der Gründung der Aktion „alt-arm-allein“ wurde er zum „sozialen Gesicht Kaiserslauterns und der gesamten Region“, meinte der Laudator. Und seine Basis, sein Lebenshintergrund sei Kolping. Hier habe er seine soziale Grundeinstellung erworben. „Für ihn ist Verantwortung für den Einzelnen und das Gemeinwohl direkter Auftrag von Adolph Kolping“, so der Diözesanvorsitzende wörtlich.

Ehrengast beim Jahresempfang war der Koordinator des Kolpingwerkes Honduras, Rufino Rodriguez, der aus Anlass der bundesweiten Eröffnung der ADVENIAT-Aktion 2010 nach Speyer gekommen war. Er berichtete aus seinem Heimatland, dem zweitärmsten Land ganz Lateinamerikas: „Die Not ist groß, aber auch die Hoffnung“, sagte der Verantwortliche für Aufbau und Entwicklung des honduranischen Kolpingwerkes. Rodriguez engagiert sich im Bereich Menschenrechte und ist seit 34 Jahren ein „Delegado de la Palabra“, ein „Beauftragter für das Wort Gottes“. Er gehört zu den 17.000 Laien, die ehrenamtlich, besonders in den weit abgelegenen Gebieten des Landes, das Evangelium verkünden und Wortgottesdienste mit den Menschen feiern. Dieses Laienapostolat, das von den Bischöfen unterstützt und von Rom ausdrücklich anerkannt ist, macht die Kirche auch dort präsent, wo kein Priester ist. Auch Frauen, „Delegadas“, sind seit einigen Jahren zugelassen, in einem Land, das vom „machismo“ geprägt ist, durchaus keine Selbstverständlichkeit.

"Tatkraft" gegen die winterliche Kälte.

Seit sechs Jahren gibt es Kolping in Honduras, entstanden auf eine Initiative von Kardinal Òscar Rodriguez Madariaga, dem Erzbischof von Tegucigalpa, hin. Mittlerweile bestehen über 50 Kolpingsfamilien mit nahezu 1.000 Mitgliedern. Kolping leistet Grundlagenarbeit im sozialen, politischen und wirtschaftlichen Bereich: Führungskräfteschulungen gehören dazu, Seminare über die Menschenrechte und Kurse zur Gründung von Kleinunternehmen (sog. „kleine Selbständige“). Berufliche Bildung, Ausbildungen im landwirtschaftlichen und handwerklichen Bereich sind Schwerpunkte. Der Aufbau einer eigenen Kolpingjugend ist beschlossen. „Delegados und Kolping  arbeiten Hand in Hand“, sagte der Gast aus Mittelamerika. Die Delegados seien verantwortlich für die religiöse und spirituelle Bildung, Kolping leiste die Sozialarbeit. Beide Bewegungen seien ein Licht für das Volk von Honduras.

Freundschaftliche Umarmung: Klaus Butz und Rufino Rodriguez.

Diözesanvorsitzender Klaus Butz dankte Rufino Rodriguez mit einer freundschaftlichen Umarmung und herzlichen Worten für seinen Vortrag. Das Kolpingwerk Speyer empfinde seine Anwesenheit als eine Auszeichnung. Er überreichte ihm als Zeichen des Dankes eine Spende für seine Arbeit in Honduras, eine Kolpingmütze gegen die Kälte in Deutschland und einen original Deidesheimer Geisbock zur Erinnerung.

Blick in den Festsaal Bernhardushof, Deidesheim: Vorne links Christian Frevel von ADVENIAT im Gespräch mit Rufino Rodriguez und Dolmetscher Dominik Pieper.

Im Rahmen der Feierstunde ehrte der Diözesanvorstand 29 Mitglieder mit der Diözesanehrenurkunde, die im Zweijahresturnus verliehen wird. Die Geehrten wurden auf Vorschlag ihrer Kolpingsfamilien und der Bezirksvorstände zur Auszeichnung gebracht. Sie haben sich um ihre örtliche Kolpinggemeinschaft, ihren Bezirksverband oder den Diözesanverband durch langjährige verantwortliche Tätigkeit verdient gemacht im Vorstand, durch engagierte Mitarbeit in ihrer Kolpingsfamilie auch ohne Amt, durch aktive und erfolgreiche Jugendarbeit, zuverlässigen Einsatz in der Kolpingkapelle, ehrenamtlichen Dienst in verantwortlichen Positionen von Pfarrgemeinde und Diözese, Initiativen im Bereich der Erwachsenenbildung und der Entwicklungszusammenarbeit, Dienste im sozialen und karitativen Bereich, für herausragende Tätigkeit in Kultur und Freizeit, durch vorbildliche Vertretungsarbeit in den Gremien von Staat und Gesellschaft, zum Beispiel in den Organen der politischen, sozialen und wirtschaftlichen Selbstverwaltung.

Die einzelnen Laudationes nahm Diözesanpräses Pfarrer Andreas König (Frankenthal) vor, der Diözesanvorsitzende Butz überreichte gemeinsam mit seinen Stellvertretern Elke Boudgoust (Ludwigshafen-Oggersheim) und Josef Heitz (Ludwigshafen-Pfingstweide) sowie dem Diözesanehrenvorsitzenden Rolf Schäfer (Ludwigshafen-Oggersheim) den Geehrten die Ehrenurkunde. Folgende Mitglieder erhielten die Auszeichnung: Friedrich Babelotzky (Neustadt-St. Josef), Ottilie Breiner und Hermann Thomas (beide Dahn), Renate Brunk (Otterbach), Siegfried Cambeis (Limburgerhof), Antonio Carmo (Kaiserslautern-Zentral), Guido Deimel (Bezirks Neustadt-Bad Dürkheim), Karl Dejon und P. Ludger Holtmann MSC (beide Homburg-Zentral), Heinrich Eichberger (Deidesheim), Hans und Monika Eschli (beide Ludwigshafen-Oggersheim) Heinz Hesch (Zell), Edeltraud Kemmer (Ludwigshafen-Zentral), Rainer Kübitz (Dudenhofen), Helmut und Rosemarie Maier (beide Bexbach), Johanna Ochs (Frankenthal), Gertrud und Theo Schäfer, Marianne und Paul Schäfer (alle Hochspeyer), Michael Schlösser (Bad Dürkheim), Manfred Schmidt (Frankenthal-Mörsch), Lucia Schreiber (Dirmstein), Helga Seibert (Heßheim), Kurt Specht (Niederkirchen), Dieter Stadter (Speyer 1860) und Gertrud Weis (Mechtersheim).

Für langjährige Treue zum Werk Adolph Kolpings wurden mit einer Urkunde geehrt Monika und Ludwig Henrich (Geiselberg) sowie Ludwig Fischer (Bad Dürkheim) für 40-jährige Mitgliedschaft und Hannelore Spies (Böbingen) für 25-jährige Mitgliedschaft.

Musikalisch eingeführt wurde der Empfang vom Bläsersextett der Kolpingkapelle Deidesheim. Ein herzliches Wort des Dankes richtete Diözesanvorsitzender Butz an die ausrichtende Kolpingsfamilie Deidesheim mit ihrem Vorsitzenden Martin Eller und dem Hausverantwortlichen Günter Irtenkauf, die den Empfang in vorbildlicher Weise ausgerichtet hat.