„Im Umgang mit ihren
alten Menschen zeigt sich die Humanität einer Gesellschaft“
Mathias Gillen sieht in der Seniorenarbeit eine zentrale
Aufgabe der Kolpingsfamilie
Der Kontakt zu den „Alten“ war abgerissen. Mathias Gillen, 58, hat den Faden wieder geknüpft und in der Kolpingsfamilie Landstuhl eine aktive und erfolgreiche Seniorenarbeit aufgebaut. Die Senioren kommen gern zum monatlichen Treff im Kolpingkeller. Sie freuen sich auf den Austausch mit Altersgenossen und auch jüngeren Kolpingschwestern und –brüdern. Denn es gibt nach einem langen Leben so viel zu erzählen, was oft über Jahrzehnte ungesagt blieb. Mathias Gillen bietet den Ort, wo sich Kolpingsfamilie als Erzählgemeinschaft entfaltet.
Denn viele der alten Mitglieder sind zu Hause allein, sie haben keinen, der ihnen zuhört, Anteil nimmt und sie auch an ihrem eigenen Leben teilnehmen lässt. Mit der Problematik der wachsenden Vereinsamung von immer mehr älteren Menschen ist Mathias Gillen als Patientenfürsprecher am St. Johannis-Krankenhaus täglich konfrontiert. Auch als Betreuer von kranken und behinderten Menschen und als Vorstandsmitglied im St. Johannis-Krankenpflegeverein sieht er die Not vieler alter Menschen in unserer Wohlstandsgesellschaft, die immer mehr emotional erkaltet. Hier aktiv zu werde, war dem Familienvater und ehemaligen Ausbildungsleiter bei der Deutschen Post Verpflichtung und Herausforderung zugleich. Das Wort von Kolping: „Die Nöte der Zeit werden euch zeigen, was ihr zu tun habt“ hat er ernst genommen. Seine Antwort: Alte Menschen in einer Gemeinschaft zusammenführen. Denn: Gemeinschaft hilft gegen Einsamkeit.
In einem Infoflyer wurden den Kolpingsenioren Hilfe angeboten, z.B. beim Ausfüllen von Papieren, ein Besuch oder ein Gespräch. Ziel von Mathias Gillen war es, ein Angebot für alle Bereiche des Seniorenlebens zu machen. Von Anfang an war es ihm wichtig, auch Gäste aus der Kommune zu gewinnen, gleich welcher Konfession und Weltanschauung. Er wollte mit dem Seniorentreff der Kolpingsfamilie auch Anlaufstelle für Nichtmitglieder sein. „Kolping hat eine Aufgabe in der Gemeinde. Kolping muss nach außen strahlen.“
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Kolpingsenioren-Fassnacht in Landstuhl.
Ein Fahrdienst erleichtert die regelmäßige Teilnahme. So um die 20 Senioren sind immer da, davon schon ein Drittel Nichtmitglieder. Bei Kaffee und Kuchen reden sie über Gott und die Welt. Gillen informiert über Neues aus der Kommunalpolitik und nimmt Anregungen und Beschwerden der Senioren mit in die Stadtratsfraktion. Informationen und Vorträge zu Seniorenthemen bietet er mit fachkundigen Referenten an, etwa zu Patientenverfügung, Vorsorgevollmacht und Betreuung. Ein Vortrag mit dem ADAC über alte Menschen im Straßenverkehr ist in Planung. Der Bürgermeister stellt sich den Fragen der alten Bürger, Pfarrer und Kaplan sind seelsorgerische Begleiter und Gesprächspartner, wenn es „um die letzten Dinge“ geht, denn die meisten unter ihnen sind bewusste und aktive Christen. Ganz wichtig ist der Gesang: Stets werden Volkslieder gesungen, da blühen selbst bedrückte Menschen im Kreis auf. Aber auch raus geht es: Tagesfahrten werden organisiert, Kontakte zu anderen Seniorengruppen. Die Besichtigung der US-Airbase Ramstein steht an.
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Mathias Gillen in der Bütt.
Mathias Gillen mag die alten Menschen. Wenn er von ihnen spricht, leuchten seine Augen. Er kann mit ihnen reden, hilft ihnen Schwellenängste zu überwinden („Ich kenn da doch niemand“). Und er spürt, dass da in vielen noch etwas ist, das gelebt werden will. Ihnen dazu Räume und Gestaltungsmöglichkeiten zu eröffnen, darin sieht er seine Aufgabe. Mit seinem Engagement will er „einfach mehr Menschlichkeit, Wärme und Mitgefühl für unsere älteren Mitbürger in diese gefühlsarme, kalte Welt einbringen“, sagt der Vater von drei Kindern, die alle in der Kolpingsfamilie groß geworden sind. Er besucht „seine“ Senioren über 70 zum Geburtstag und überreicht ein Weinpräsent. Er geht zu ihnen, wenn sie im Krankenhaus sind, und bietet seine Hilfe und Unterstützung an. Aber auch „auf dem letzten Gang sorge ich mit Banner und letztem Blumengruß für einen würdigen Abschied“.
Erzählgemeinschaft: Geschichte und eigene Lebensgeschichte werden lebendig.
Unterstützt wird Mathias Gillen von der Kolpingsfamilie, vom Vorsitzenden und Vorstand, in der Arbeit von einem Team, das wie er Freude und persönliche Bereicherung in der Arbeit mit und für Senioren findet.
Mathias Gillen uns sein Team: Petra Denzer und Veronika Tonn (nicht im Bild: Ambrosius Paul).
Was hat das mit Kolping zu tun? Das Leitwort des Kolpingwerkes „Verantwortlich leben, solidarisch handeln“ ist für Gillen ein Lebensmotto geworden. Die Kolpingsfamilie als Generationengemeinschaft sieht er in besonderer Weise aufgerufen, für die älteren Menschen Solidarität zu leben. „Wir sind füreinander verantwortlich. Wir sind für die Schwachen und für unsere alten Menschen verantwortlich.“ Noch ein Wort von Kolping zitiert er: „Schön reden tut‘s nicht, die Tat ziert den Mann!“ Er nimmt das wörtlich: „Der aktive Einsatz ehrt den Menschen.“ Die Kolpingsfamilie ist ihm unter einem weiteren Aspekt von Bedeutung: „Der mitmenschliche Umgang mit unseren älteren Mitbürgern muss unseren Kindern im guten Beispiel vorgelebt werden. Die Arbeit der Kolpingsfamilie ist dafür eine gute Basis.“