„Mit Gott per Du sein“

Kaplan Carsten Leinhäuser ist Geistlicher Leiter der Kolpingjugend im Bistum Speyer – Er geht mit jungen Menschen Lebenswege, die auch Glaubenswege sind

Er hat sich nicht aufgedrängt. Die jungen Leute kamen auf ihn zu und baten ihn, Geistlicher Leiter der Kolpingjugend im Bistum Speyer zu werden. Dem Diözesanleitungsteam war – und ist! – der Glaube wichtiger Bestandteil seiner Jugendarbeit, geradezu unterscheidendes Merkmal zu anderen Jugendverbänden und wesentlicher Faktor ihrer eigenen Identität. Kaplan Carsten Leinhäuser (31) hat dieser Bitte gern entsprochen. Als junger Priester ist es ihm Aufgabe und Herausforderung, junge Menschen auf ihrem Lebensweg ein Stück zu begleiten, einem Weg, auf dem sie selbst Jesus begegnen können: „Wenn ich das Leben mit dem Emmausweg vergleiche, sind der Jugendliche und ich die beiden Jünger, die gemeinsam gehen und dabei Jesus begegnen“, so versteht er seinen priesterlichen Dienst. Mit seinem Leben will er anderen Menschen zeigen, wie viel spannende Freude es bringt, mit „Gott per Du zu sein.“

                                                                       

                                                        72-Stunden-Aktion: Ein Kaplan, der schafft!

Als Jugendlicher war der Saarländer begeisterter Messdiener und Gruppenleiter in seiner Heimatpfarrei Rohrbach. Dort sind ihm Christen begegnet, die ihn faszinierten. Dann gab es verschiedene „Knackpunkte“, die ihn zum Nachdenken gebracht haben: Eine Begegnung mit Frère Roger in Taizé hat ihn nachhaltig erschüttert. Die Heilig-Rock-Wallfahrt 1997 nach Trier. Und dann ein Workcamp 1999 mit der Kolpingjugend in Brasilien: Hier reifte seine Entscheidung, Priester zu werden. Sein Priestertum hat also auch etwas von kolpingscher Zeugenschaft. Kein Wunder, dass er sich als Priester im Verband wohl fühlt und mit Freude und Leidenschaft die Glaubens- und Seelsorge an jungen Menschen wahrnimmt.

                                                                                                                                       

                                                    Mit Jugendlichen in Falkenstein am Donnersberg

Jugendliche leben in einer eigenen Welt, mit eigener Sprache, eigenen Bildern, eigenen Problemen. Wie findet er Kontakt zu ihnen? „Indem ich einfach ich selbst bin“, so Leinhäuser. Authentizität ist die Basis für eine echte Vertrauensebene. Denn wo Vertrauen ist – und nur dann –, öffnen sich junge Menschen, sind bereit zu hören und sich mitzuteilen. Der Priester nimmt auch am Leben der Jugendlichen teil, er ist mit seiner Homepage im Internet, bei Facebook, WKW & Twitter präsent. „Das mögen manche Mitbrüder belächeln; ich erfahre es aber immer wieder als einen Schlüssel zu den Jugendlichen.“ Weil er wisse, was „da draußen“ los ist, und weil er selbst da ist. Da passt es, dass Papst Benedikt in seiner Botschaft zum Mediensonntag die Priester aufgefordert hat, mehr Präsenz im Web zu zeigen.

                                                                                                                                       

                                                   Gruppenfoto mit Bischof Karl-Heinz Wiesemann, 

                                 nach dem Gespräch der Kolpingjugend mit dem Bischof in Landstuhl beim Diözesantag 2009

Jugend und Kirche. Ein schwieriges Verhältnis. Ist da eine Partnerschaft möglich, ein Miteinander? Der Geistliche glaubt, dass das Verhältnis gar nicht so schwierig ist. „Nervig“ sei, dass Jugendliche oft recht antikirchlich „geimpft“ worden sind. Wenn ihnen die Kirche dann aber positiv begegne (und das geschieht immer durch Menschen – nicht durch Dogmen), kann durchaus eine echte Freundschaft entstehen. Er habe als Jugendlicher entdeckt: „Hey, die Kirche hilft mir, meine Freundschaft mit Jesus zu leben und zu vertiefen. Cool!“

                                                                       

                                                                          Gottesdienst bei der GruppenleiterInnenschulung zum Thema „Adolph Kolping“ 

                                                    im Jugendhaus St. Christophorus, Bad Dürkheim

Wie redet er im Gottesdienst mit jungen Menschen? Er sieht seine Aufgabe darin, die „biblische Sprache“ mit dem Leben der Jugendlichen in Verbindung zu bringen. Wenn das gelinge, sind sie mit Freude dabei – und genießen den Gottesdienst. Eine Sache findet er sehr spannend: Wo vor 15 Jahren in Jugendgottesdiensten eine „Aktion“ nach der anderen stand, wollen Jugendliche heute weniger „Action“ – und mehr stille Zeit, mehr Meditation: Junge Menschen, die ihr Ohr nach innen richten – um Gottes Wort an sie zu hören.

Welchen Auftrag hat für ihn Kolping den jungen Menschen gegenüber im Blick auf Gott, Glaube und – Kirche? Adolph Kolping habe im Grunde nichts weiter getan, als den Jugendlichen bzw. Gesellen als Freund, Helfer und Christ zur Seite zu stehen. Das sei die „Essenz“ seines Wirkens. Und genau darum sollte es gehen, sagt der Priester überzeugt: „Bei Kolping werden Jugendliche ernst genommen! Es wird ihnen nichts übergestülpt oder aufgezwungen. Hier sollen sie eine Gemeinschaft erleben können, die von Christus geprägt ist. Die in guten Zeiten Spaß macht - und in schlechten Zeiten trägt. Weil Gott mit im Boot ist.“