„Der Mensch ist dort
ganz Mensch, wo er (Theater) spielt “ (Schiller)
Pirmin Seibert und die
Theatergruppe der Kolpingsfamilie Heßheim
begeistern seit mehr als 25 Jahren – und engagieren sich dabei auch sozial
Sie spielen Theater, haben dabei unendlich viel Spass - und man sieht es ihnen an: Pirmin Seibert, Monika Senger, Agathe Geib und Thomas Simons von der Kolpingsfamilie Heßheim. Und sie stehen in einer guten Tradition: Schon in den Katholischen Gesellenvereinen wurde Theater gespielt. Kultur, das, was das Leben lebenswert macht, war und ist schon immer wichtiger Bestandteil der Arbeit der Kolpingsfamilien.
Begeisterte Schauspieler (v.li.n.re.): Pirmin Seibert, Monika Senger, Agathe Geib und Thomas Simons und der Kolpingsfamilie Heßheim.
Seit über 25 Jahren gibt es die Theatergruppe der Kolpingsfamilie Heßheim in der Vorderpfalz. Klein hat sie begonnen Ende der siebziger Jahre, mit Sketchen und Einaktern. 1985 konnte sie erstmals unter der Regie von Gründer Pirmin Seibert ein abendfüllendes Stück auf die Bühne bringen. Seitdem wird Jahr für Jahr auf der Bühne des Bürgerhauses Heßheim zweimal ein Dreiakter zur Aufführung gebracht. „Hugos Heldentat“ und „Hochwürden auf der Flucht“ oder „Julia räumt auf“ heißen die Lustspiele, immer vor „vollem Haus“. Bis zu 400 Karten werden jedes Jahr verkauft.
Die Theatertruppe nach dem Auftritt. Ganz re.: Pirmin Seibert, der Regisseur.
Mit großer Begeisterung ist die Gruppe dabei, die als festen Kern zwölf Personen umfasst, Männer und Frauen im Alter von 14 bis 45 Jahren. Ihr Motto: „Menschen spielen für Menschen“. Es mache ungeheuren Spass, auf den „Brettern, die die Welt bedeuten“ zu stehen, meint Thomas Simons. „Auf der Bühne spüre ich, dass ich mit Leib und Seele dabei bin.“ Und es mache einfach große Freude, Menschen zum Lachen zu bringen.
Am Anfang, erzählt der heute 72-jährige Pirmin Seibert, habe die Frage gestanden: Wie können wir in der Kolpingsfamilie Jugendarbeit machen? Und was kann ich dazu beitragen? Seine Antwort: Mit Laienspiel junge Menschen gewinnen und halten. „Und es gelang“, sagt Monika Sänger, Souffleuse und „Guter Geist“ der Theatergruppe, von Anfang an dabei. „Und es gelingt auch heute, junge begeisterte Theaterspieler zu gewinnen.“ Solche, die fasziniert sind von Menschen und Geschichten. Darum geht es im Rollenspiel auf der Bühne.
Theaterabend im Bürgerhaus Heßheim. Eine Spielszene.
„Im Rollenspiel trete ich aus mir heraus,“ erzählt Thomas Simons. Auf der Bühne geschieht etwas Geheimnisvolles: Ich spiele einen anderen und finde mich selbst. Schüchterne z.B. finden so ihr Selbstbewusstsein. Schiller hat Recht: „Der Mensch ist dort ganz Mensch, wo er (Theater) spielt “. Ja, Theaterspielen bildet. Herz, Seele und Geist werden geformt – auf den Brettern oben und unten im Zuschauerraum. Es fördert die Persönlichkeitsentwicklung, besonders bei noch jungen Menschen. Das ist ganz im Sinne Kolpings. Man lernt sprechen, sich artikulieren. Esprit entfaltet sich in der Gruppe. Gleichgesinnte finden sich, Gemeinschaft entsteht. „Theaterspielen ist einfach toll!“, meinen alle vier Mitglieder der Theatergruppe mit offenen, strahlenden Gesichtern.
Eintrittskarten mit den gespielten Stücken.
Ein weiterer Beweggrund zur Gründung der Theater-AG war die
Frage: Wie zeigt sich Kolping in der Öffentlichkeit?
„Wir wollten zeigen: Kolping ist kreativ, lebendig,
lebensfroh, humorvoll – und sozial!“, sagt Regisseur Seibert. Die Erlöse sind
stets für ein soziales Projekt bestimmt, von Anfang an für die „Aktion
Brasilien“ des Diözesanverbandes Speyer, für Entwicklungsprojekte, die der
Diözesanehrenvorsitzende Rolf Schäfer (Oggersheim) bei seinen Besuchen im
Partnerland Brasilien mitbrachte, aber auch für die SOS-Kinderdörfer, für die
Kindernothilfe, für schwangere Frauen in einer Notlage (Aktion für das Leben),
aber auch für bedürftige und behinderte Menschen in Russland. Insgesamt wurden
ca. 40.000,00 Euro bisher aufgebracht, berichtet Agathe Geib,
die sich u.a. um die fotographische Dokumentation kümmert. Beachtlich. Ein
wenig stolz sind sie schon – zu Recht. Das macht Kolping
aus: Das Kreative mit dem Sozialen verbinden, Menschenbildung und
Menschenhilfe, Freude und Engagement, das Miteinander und Füreinander.
(tb)