Ärzte für die Dritte Welt

Dr. Frieder Metz bei der Kolpingsfamilie Ludwigshafen-Pfingstweide

Man nennt sie „German Doctors“, sie arbeiten unentgeltlich, opfern ihren Jahresurlaub und sind mindestens sechs Wochen in Asien, Afrika oder Lateinamerika im Einsatz: die Ärzte der von dem Jesuitenpater Dr. Bernhard Ehlen vor 25 Jahren gegründete Hilfsorganisation. Der Kinderarzt Dr. Frieder Metz aus Ludwigshafen gehört zu ihnen. Er berichtete jetzt von seinem Dienst in Kalkutta und auf den Philippinen in einem Vortrag bei der Kolpingsfamilie Ludwigshafen- Pfingstweide:

Nach seiner Frühpensionierung hat sich Frieder Metz den „German Doctors“ angeschlossen, deren Ärzte hauptsächlich aus dem deutschsprachigen Raum kommen. „German Doctors“ sind in Kalkutta, auf den Philippinen, in Bangladesh, in Nairobi und Managua tätig. Sie unterscheiden sich von den „Ärzten ohne Grenzen“ durch ihre Kontinuität in den jeweiligen Einsatzgebieten. Die verschiedenen Stationen werden das ganze Jahr über durch Ärzte betreut, was den Vorteil einer ständigen medizinischen Versorgung für die Bevölkerung mit sich bringt. Im Gegensatz dazu sind die „Ärzte ohne Grenzen“ international und werden bevorzugt in Katastrophengebieten eingesetzt, also punktuell.

In Kalkutta arbeitete Dr. Metz in den Slums. Je zwei Ärzte mit ihrem eigenen Übersetzer sowie ein Team von Einheimischen (Pharmazie-, Verbands- und Aufnahmeschwestern) bilden die Crew, die mit ihrem fahrbaren Sprechzimmer die verschiedenen sehr ärmlichen Stationen anfahren. Auffällig in Kalkutta ist die hohe Bevölkerungsdichte. Eine ganze Familie teilt sich eine Ein-Zimmer-Unterkunft, dicht an dicht stehen die Elendshütten. Ziegen und Kühe laufen in den Gassen, durch die die offenen Abwasserkanäle führen. Badezimmer und Toilette kennen die Slumbewohner nicht. Oft kann man die Verrichtung der Notdurft nicht von der für Inder bequemen Hockhaltung unterscheiden. Durch diese unhygienischen Verhältnisse und die gerade bei Kindern auffällige Mangelernährung ist die Tuberkulose in allen ihren Variationen die häufigste Krankheit, gefolgt von geschlossenen, aber auch offenen, eitrigen Abszessen, anderen Hauterkrankungen, Tumoren, Diabetes, Rachitis.

Ein weiteres Problem ist das Wasser. Viele Menschen leben von Abfallrecycling, wühlen in den Abfällen auf Deponien und am Straßenrand, wohnen und spielen am Abwasserkanal. So bleiben Verletzungen nicht aus, die unbehandelt gefährlich werden können. Die Ärzte können oft nicht mehr helfen, nur für Linderung sorgen. TBC-kranke Kinder haben aber die Möglichkeit, in einem eigens für sie gegründeten Kinderheim zu genesen, da sie zu Hause oft nicht die Möglichkeit dazu haben; nach kurzer Zeit werden viel zu früh die Medikamente abgesetzt.

„German Doctors“ unterhalten auch ein Krankenhaus, in dem die Patienten kostenlos behandelt werden, im Gegensatz zu den staatlichen Anstalten, wo nur die Arztkosten umsonst sind. Viele Menschen fürchten sich aber vor diesen Häusern mit ihrer Art zu leben, mit ihren Apparaten und ziehen sich in die Umgebung zurück, wo sie keine Hilfe haben und oft sterben.

Das Einzugsgebiet von „German Doctors“ in Kalkutta ist sehr groß: 500.000 Menschen. Deswegen liegen die Stationen von „German Doctors“ oft an der Eisenbahnlinie. Täglich können aber nur ca. 180-200 Patienten behandelt werden, ein Teil muss warten auf den nächsten Tag. Auswahlkriterium ist die Schwere der Erkrankung.

Die Arbeit auf den Philippinen sieht ein wenig anders aus. Der Eindruck, alles sei ordentlicher, europäischer, täuscht allerdings. Viele leihen sich für den Besuch beim Arzt Kleidung aus. Das Einsatzgebiet von Dr. Metz war zunächst die auf den Müllbergen lebende Bevölkerung in Manila. Neben den oben schon erwähnten Krankheiten kommt hier noch Lepra hinzu. Für diese Patienten gibt es sogenannte Dormitorien, in denen die Menschen wie in einer großen dörflichen Familie Bett an Bett jahrelang leben.

Eine weitere Station auf den Philippinen war die Insel Mindoro, wo die Mangyans, Ureinwohner der Philippinen, beheimatet sind. Dr. Metz fuhr mit seiner Crew in vier Wochen 20 verschiedene Orte an. Auch hier herrschen wieder die schon bekannten Krankheiten vor, besonders bedingt durch die Mangelernährung. Allerdings lebt die Bevölkerung unter hygienischeren Bedingungen, da sie auf Sauberkeit achtet, zumindest mehr als die Slumbewohner von Kalkutta.

Immer wieder stoßen die Ärzte an die Grenzen ihrer Möglichkeiten, bedingt durch die unhygienischen Lebensverhältnisse der Menschen, die oft erst zum Arzt kommen, wenn es zu spät ist, und die immer wieder fehlende Einsicht der Patienten. Sehr häufig ist es aber möglich, durch einfache Medizin den Menschen in den Ländern der sogenannten Dritten Welt zu helfen. Dr. Metz schilderte diese nicht immer einfache, aber erfüllende Aufgabe in überzeugender Weise. Sein nächster Einsatz  wird ihn nach Bangladesh führen. (G. Lauer / J. Heitz)