Pressemitteilung
KL,
15.01.2009 / tb
Soziale Selbstverwaltung stärken
Kolpingwerk Deutschland: Praktizierte
Sozialpartnerschaft ist ein Erfolgsmodell
"Die soziale Selbstverwaltung, durch die die Bürger direkt an den
Entscheidungen über ihre Angelegenheiten im Sozialversicherungssystem beteiligt
sind, ist ein Erfolgsmodell." Das betonten der Vorsitzende des
Kolpingwerkes Diözesanverband Speyer, Klaus Butz (Otterbach), und Diözesansekretär
Thomas Bettinger (Landstuhl) vor dem Verbandsvorstand
im Blick auf die Sozialwahlen 2010. "Hier wird das Subsidiaritätsprinzip
der Christlichen Gesellschaftslehre konsequent umgesetzt." Die
paritätische Sozialpartnerschaft in der gesetzlichen Krankenversicherung, den
Berufsgenossenschaften und der Deutschen Rentenversicherung - die gemeinsam von
Arbeitgebern und Arbeitnehmern wahrgenommene Verantwortung - habe sich
bewährt.
Der Vorsitzende des katholischen Sozialverbandes beklagte, dass in den
letzten Jahren der Gestaltungsspielraum der Selbstverwaltung durch staatliche Eingriffe
beschränkt worden sei. "Die Einführung des staatlich festgelegten
Beitragssatzes in der gesetzlichen Krankenversicherung ist ein Paradebeispiel
für diese Tendenz." Gerade eingeführt, werde er auch schon im Rahmen des
sog. Konjunkturpakets II wieder gesenkt, ohne zu wissen, ob die
Kosten im Gesundheitssystem damit finanzierbar sind. Der Verlust des Einflusses
der Selbstverwaltung bei der Festlegung des Beitragssatzes müsse nun durch die
Entscheidungsoptionen über Rückvergütung von Beiträgen an die Versicherten oder
den Ausbau des Leistungsangebotes durch Wahlleistungen aufgefangen werden. Thomas
Bettinger, Stellvertretender Landesvorsitzender der
Arbeitsgemeinschaft Christlicher Arbeitnehmerorganisationen (ACA) und Mitglied
im Verwaltungsrat der AOK Rheinland-Pfalz, machte deutlich: "Selbstverwaltung
ist ein überzeugendes Stück Demokratie. Es muss verhindert werden, dass durch
fortschreitende staatliche Eingriffe in originäre Aufgaben der Selbstverwaltung
die Akzeptanz der Beteiligung der Bürger an der Regelung ihrer Angelegenheiten
verloren geht. Wer auch in Zukunft Demokratie will, muss Selbstverwaltung wollen,
muss sie stärken und nicht schwächen".
"Für
die Zukunft der Selbstverwaltung ist es besonders wichtig, dass
Bürgerbeteiligung und erforderliche Professionalisierung in einem ausgewogenen
Verhältnis stehen", betonte Butz. "Die ehrenamtlich Engagierten haben
Anspruch auf Unterstützung ihrer Arbeit durch Qualifizierungsangebote und eine
strukturierte Aufbereitung der wichtigen Inhalte." Diese müsse durch die
Sozialversicherungsträger und die entsendenden Organisationen gewährleistet
sein. "Die Akzeptanz des Systems der Selbstverwaltung durch die Bürger
setzt Transparenz voraus", erläuterte Diözesansekretär Bettinger.
Das Kolpingwerk als vorschlagsberechtigte
Arbeitnehmerorganisation in der ACA unterstütze nachdrücklich die Bemühungen
des Bundeswahlbeauftragten, durch Wahlrechtsänderungen
zu den nächsten Sozialversicherungswahlen diese Transparenz zu sichern und das
Vertrauen in die Selbstverwaltung zu stärken.