KOLPINGfamilienhafte Gemeinschaft in Zeiten der „neuen Gesellen“

René Pfeiffer will als Moderator zu einem neuen Denken in den Kolpingsfamilien ermutigen

Die Zukunft der Kolpingsfamilien treibt ihn um. Mit Sorge sieht er die Entwicklung des Verbandes, dessen örtliche Gemeinschaften immer älter und immobiler werden, deren Attraktivität stark gesunken ist und kaum noch neue Mitglieder anzieht. René Pfeiffer, 37 Jahre alt, stellvertretender Vorsitzender der Kolpingsfamilie Bad Bergzabern in der Südpfalz, ist ganz das, was man einen „Kolpinger mit Leib und Seele“ nennt. 25 Jahre, ein Vierteljahrhundert, ist er jetzt Mitglied, hat Verantwortung über viele Jahre in verschiedenen Funktionen getragen, u.a. als stellv. Diözesanvorsitzender, als Diözesanleiter der Kolpingjugend und als „Brasilienfahrer“, der 1998 einen Arbeitseinsatz der Kolpingjugend in Rio de Janeiro initiiert und geleitet hat.

Der gelernte Schreiner und Holzingenieur, ein Handwerker, der sich im Kolpingwerk zu Hause ist, sieht die vielen Probleme eines klassischen kirchlichen Verbandes, jammert aber nicht, sondern begreift sie als Herausforderungen. Er sucht nach Wegen, die die Kolpingsfamilie in die Zukunft führen kann. Die Kolpingsfamilien müssten, sagt er, unvoreingenommen ihre Situation im Kontext der gesellschaftlichen Situation wahrnehmen. „Wir müssen uns fragen, was brauchen unsere Mitmenschen, was brauchen wir selbst, und wie können wir als Kolpingsfamilie unseren Beitrag dazu leisten“, sagt der lebensfrohe Südpfälzer, der auch über den Raum der Kolpingsfamilie hinaus ehrenamtlich engagiert ist, z.B. in seinem örtlichen Karnevalsverein als Prinz und Sitzungspräsident. „Die Kolpingsfamilien sind immer zeitgemäß, wenn man Veränderungen zulässt, Neues erprobt und Altes bewahrt“. Das Alltägliche und die „Traditionen“ müsse man hinterfragen, um nicht die Zeichen der Zeit zu übersehen. Als Kolpingsfamilie, als christliche Gemeinschaft und als Familie müsse man sich den Diskussionen stellen, seinen eigenen Weg finden und gehen. Man dürfe andere dabei nicht vernachlässigen oder unbeachtet links liegen lassen, nur weil sie einen anderen Weg eingeschlagen haben. Die Kolpingsfamilie müssen zu einem Ort werden, der offen ist für die Menschen, der Toleranz ausstrahle, eine grundsätzliche Achtung vor der Würde jedes Menschen, unabhängig davon, woher er kommt oder was er glaubt.

René Pfeiffer mit Familie. Familie ist für ihn der wichtigste Ort und Lebensraum, 
in dem sich Menschen entfalten und entwickeln können. 

Eine Schlüsselrolle spielt für den glücklich verheirateten Familienvater, der als Dekanatsgeschäftsführer in Ludwigshafen, zuständig für die Kindergärten, täglich mit den Problemen von Familien konfrontiert wird, das Verständnis von der Kolpingsfamilie als einer familienhaften Gemeinschaft von Jung und Alt. In der Kolpingsfamilie seien Menschen für einander da, in ihr gebe es Helfer für die, die Hilfe brauchen. „Vielleicht kann die Kolpingsfamilie Anlass sein, den Umgang mit der eigenen Familie zu überdenken oder eine Familiengemeinschaft erfahrbar machen, die oft durch unterschiedliche Wohn- und Arbeitsorte nicht mehr gelebt oder erlebt werden kann.“ Das Nomadentum der `modernen Gesellen` schaffe eine neue Gruppe von Menschen, die keine Familie mehr habe. Die Kolpingsfamilie könne hier vieles tun, z.B. einem Enkel einen Opa geben, der mit ihm gemeinsam die Welt erobert.

Was will er selbst zur Zukunft der Kolpingsfamilie beitragen? Ein Beispiel will er geben als gläubiger Mensch, als (Kolping-)Freund und Familienvater. Die Menschen dort abholen, wo sie sind, sie mitnehmen und Ihnen zeigen, was ihm wichtig ist. Zeit will er für seine Kinder haben, sehen wie sie aufwachsen und sie auf ihrem Weg in und durch das „Leben“ begleiten und unterstützen. Mit fünf anderen Kolpingfrauen und –männern hat er sich vor einiger Zeit zum Moderator ausbilden lassen. Mit den Vorständen der Kolpingsfamilien will er in „Denkfabriken“ mit neuen Weisen des Kommunizierens Kreativität anregen und Ideen entwickeln. Totschlagsargumente haben hier keinen Platz! Aber: Er will nicht nur neue Wege, Erfordernisse diskutieren, sondern sie auch gehen, ausprobieren und leben. Hier denkt er will Adolph Kolping: „Mit bloßen Worten wird nimmer und nirgendwo was Rechtes ausgerichtet. Die Tat muss endlich überall den Ausschlag geben.“