„Glauben mit den Händen“

600 Teilnehmer beim Kolping-Diözesantag in Kindsbach und Landstuhl – Bischof Wiesemann zum Leitwort: „UrSprung ins Leben“ – Prominente Referenten in Kundgebung, Foren und Workshops

Kaiserslautern 24.08.2009 / tb. – „Der UrSprung des Lebens ist die Hingabe. Die sich selbst verschenkende Hingabe Gottes an Welt und Mensch“, sagte der Bischof von Speyer, Dr. Karl-Heinz Wiesemann, in der überfüllten Pfarrkirche Heilig Geist, Landstuhl, anlässlich des Diözesantages des Kolpingwerkes, zu dem 600 Kolpingmitglieder aus allen Teilen des Bistums angereist waren. Adolph Kolping sei einer gewesen, der ganz aus dem Ursprung des Lebens glaubte und daraus Vertrauen, Kraft und Mut zu seinem großen Werk bezog. Er sei uns darin Beispiel und Vorbild.

In seiner Predigt führte Bischof Wiesemann u.a. weiter aus: Wir stünden immer wieder vor existenziellen Entscheidungssituationen, die uns Antworten auf die Fragen abnötigten: Aus was heraus handeln wir? Was ist das Konzept unseres Lebens? Als viele Jünger den Herrn verlassen, sei Jesus in eine solche Situation gestellt und werde ganz in seinen Ursprung zurückverwiesen: seinen Vater, von dem er ausgegangen ist. „Er geht in die bergende, vertrauensvolle Liebe des Vaters hinein.“ Jesus lebe ganz aus der lebendigen Beziehung zwischen Vater und Sohn. In dieser Beziehung gewinne er seine Identität, Orientierung, Kraft und Mut für die Verkündung der Frohen Botschaft bis zur Hingabe „für uns“ am Kreuz. Adolph Kolping sei ihm gefolgt, habe sich im Ursprung der Liebe Gottes festgemacht und darin seinen Auftrag gefunden, sich für die Ohnmächtigen und Ausgestoßenen seiner Zeit, den Handwerksgesellen, einzusetzen. Bischof Wiesemann ermunterte die Kolpingmitglieder, in der Spur ihres Gründers sich besonders für die Familie, dem ursprünglichen Ort der Wertebildung, und für soziale Gerechtigkeit in unserer Gesellschaft einzusetzen. Freiheit und Verantwortung, Freiheit und Solidarität seien unverzichtbare Güter für die Gestaltung einer menschlichen Welt. Er rief den Anwesenden zu: „Entdeckt wie Adolph Kolping die Nöte der Zeit und handelt!“

Eigens für diesen Tag hatten Sebastian Heitz (Ludwigshafen) und Christian Knoll (Speyer) ein neues Kolpinglied komponiert, das als Titel das Motto des Diözesantages trägt: „UrSprung ins Leben“. Es wurde von der Band Sanctos vorgetragen und von der Gottesdienstgemeinde mit Begeisterung aufgenommen – und gesungen.

Das Programm des Diözesantages, das besonders das soziale Engagement der Kolpingsfamilien zeigte, begann bereits am Freitagabend mit einem Zeltlager in Kindsbach, das Diözesanpräses Pfarrer Andreas König (Frankenthal) leitete. Den Diözesantag eröffnete am Samstag der Diözesanvorsitzende des Kolpingwerkes, Klaus Butz (Otterbach). Mit hochkarätigen Referenten, unter ihnen der Generalsekretär von Kolping International, Hubert Tintelott, Bundespräses Ottmar Dillenburg und Bundessekretär Ulrich Vollmer (alle Köln), Norbert Thines (Kaiserslautern), die Ärtzin Hiltrud Puff (Mehlbach) und der Vorstandsvorsitzende der AOK Rheinland-Pfalz, Walter Bockemühl (Eisenberg), waren die Foren und Workshops zu verschiedenen Themen besetzt. Sie reichten von „Praktische Solidarität weltweit – die Arbeit des brasilianischen Kolpingwerkes“ über das Forum „Hospiz – Sterben als Weg des Lebens“ bis zum Workshop „Sozial engagiert – heute noch modern?“. Verantwortliche in den Kolpingsfamilien stellten sich der Frage „Kolping wohin?“. Ganz praktisch ging es im Internetworkshop zu, wo Mitglieder sich mit dem „Bau“ einer Homepage für ihre Kolpingsfamilie befassten.

Am Samstagabend fand eine Prozession zum Kreuz auf dem Hörnchenberg statt. Die Predigt hielt Bundespräses Dillenburg. Er sagte u.a.: Jesus habe sich ohne Wenn und Aber den Armen, Kranken, Blinden und Zerschlagenen zugewandt (Lukas 4, 176-20). „Dieser Spur ist Kolping zu seiner Zeit gefolgt.“ Er habe sich anrühren lassen von den Sorgen und Nöten der Menschen und alles ihm Mögliche für sie getan. Weil Menschen sich von Adolph Kolping immer wieder hätten anstecken und in seine Nachfolge hineinnehmen lassen, sei das Kolpingwerk heute weltweit an den sozialen Brennpunkten als Hoffnungsträger präsent und zeige „Solidarität mit den Blinden, Armen, Gefangenen und Zerschlagenen. Mit Worten, wenn es darum geht, in Richtung der Entscheidungsträger in Politik und Kirche klar Stellung zu beziehen, und in Taten vor Ort und weltweit, damit wir den Verlorenen von heute die Liebe Gottes in so vielen Bereichen des Lebens näher bringen und mit ihnen zusammen Wege in die Zukunft gehen.“ Das Leitwort des brasilianischen Kolpingwerkes könne auch Leitwort für unser Engagement hier und heute sein: „Glauben mit den Händen“.

Ein buntes Programm präsentierten im Anschluss Klaus Butz und Annette Schwab (Hettenleidelheim): Neben dem von Funk und Fernsehen bekannten Bauchredner Patrick Martin (Pegnitz) machten Verbandsmitglieder ein lebendiges Programm. Die musikalische Gestaltung besorgte „Sacro Pep“ aus Hettenleidelheim. Der mitreisende Höhepunkt war der Showtanz der Twisters aus Schifferstadt. Den Tag beendete die Kolpingjugend mit einer Jugendparty.

Nach dem Pontifikalamt am Sonntag in Landstuhl traf sich die Kolpingjugend zu einem Gespräch mit Bischof Wiesemann. Auf dem Lothar-Sander-Platz vor der Stadthalle wurde eine Verbandsmesse durchgeführt, bei der die Kolpingsfamilien, Einrichtungen des Verbandes und Partnerunternehmen ihre soziale Arbeit und Produkte präsentierten. Dazu spielte das Kolpingblasorchester Kaiserslautern ein Frühschoppenkonzert. Die Mallersdorfer Schwestern informierten über ihre Ordensgemeinschaft und den Gründer Paul Josef Nardini, der mit Adolph Kolping Patron des Diözesantages war. Die Kolpingjugend bot Information über ihr Engagement vor Ort, im Verband und BDKJ sowie Unterhaltung mit Kistenstapeln, Riesenkicker und Hüpfburg. Dem Gespräch mit der Kolpingjugend und interessierten jungen Menschen stellte sich der Diözesanjugendseelsorger Stefan Mühl (Speyer) und Jugendreferent Bernhard Wieser (St. Ingbert).

Mit dem Eintrag in das Goldene Buch erwies die Stadt Landstuhl dem Kolpingwerk eine außerordentliche Ehre: Bürgermeister Klaus Grumer, selbst Kolpingmitglied, lud Bischof Wiesemann und Bundespräses Dillenburg zur Unterschrift ein. Grumer sagte, es sei eine Auszeichnung für die Stadt Landstuhl, dass der Diözesantag in ihren Mauern stattfinde. Gerne habe er mit seinen Mitarbeitern das Gelingen dieser Großveranstaltung unterstützt. Grumer betonte die hervorragende Zusammenarbeit der Stadt mit der Kolpingsfamilie. Er dankte ihr für die soziale Arbeit, die sonst die Kommunen tragen müssten. Vorsitzender Butz dankte Grumer mit herzlichen Worten: Ohne die bereitwillige und großzügige Unterstützung der Stadt Landstuhl wäre vieles nicht möglich gewesen.

„Wenn wir an Gott denken, denken wir an Tanz, an Bewegung“, sagte Bruder Paulus Terwitte in seinem Grundsatzreferat, ein Wort des Heiligen Franziskus aufgreifend. „Dieser Tanz, diese Bewegung nennen wir die Dreifaltigkeit.“ Gott sei in sich ein leidenschaftliches Liebesspiel, ein Glutofen der Liebe. Und dieser Gott, der pures, lebendiges Leben sei, springe aus sich heraus und schaffe die Welt. Dies sei der „UrSprung ins Leben“: Gott springe in die Welt hinein, erfülle sie mit seinem Leben. Und wie er Beziehung in sich selbst sei, suche er auch in der Welt denjenigen, mit dem er in Beziehung treten könne, der „von seiner Art“, sein „Abbild“ sei: Er schaffe den Menschen, gehe auf ihn zu. Die Schaffung von Welt und Mensch sei ein Liebesakt Gottes. Und für diesen Menschen sei er, wie er Mose im Dornbusch offenbare: „Ich bin der `Ich bin für euch da´“.

Br. Paulus führte u.a. weiter aus:  Gott ströme aus sich heraus auf uns zu. In Jesus Christus sei er Mensch geworden. In Leben, Leiden und Sterben Christi habe er seine grenzenlose Liebe zu den Menschen erwiesen, seine Treue, die uns in der Auferstehung Christi in das göttliche  Leben hineinnehme. Das Leben, das Gott uns schenke, müssten wir weitergeben in der Welt. Auch wir müssten den Sprung hinein in das Leben wagen, und diese Welt, die Gott liebe, mitgestalten. „Wenn Gott Freude hat an der Schöpfung und den Menschen, dann ist er auch Handwerker“, meinte Br. Paulus. Gott habe die Handarbeit, die in unserer Gesellschaft so entwertet sei, „vergöttlicht“ durch seine Menschwerdung in einem Menschen, der Handwerker ist. Auch darin habe er sein Ja zur Schöpfung gesagt. So seien auch wir aufgerufen, Welt und menschliche Gesellschaft mitzugestalten als „Handwerker“ in der Arbeit, in der Politik, dort wo die Menschen sind: „Diese Welt ist aus Gott entsprungen, dass sie ein Abbild seines Glanzes ist. An ihr wollen wir mitgestalten!“

Thomas Sartingen, Leiter der Katholischen Erwachsenenbildung Diözese Speyer leitete das anschließende Podiumsgespräch mit Persönlichkeiten aus Gesellschaft, Kirche und Verband über den Auftrag des Kolpingwerkes in der Welt von heute. Besonders herzlich begrüßte er die Gäste aus Brasilien. Vertreter des Obra Kolping do Brasil waren aus Sao Paulo angereist, an ihrer Spitze Geschäftsführerin Sonia Aparecida Guilherme Teixeira. Norbert Thines, Kolping-Urgestein aus Kaiserslautern, ermunterte die Kolpingmitglieder, sensibel zu werden für die menschliche Not vor der eigenen Haustür. Bischof Wiesemann rief die katholischen Verbände auf, ihre positive Hoffnungskraft in der Gemeinschaft der Kirche lebendig werden zu lassen. Zu den Kolpingsfamilien sagte er: „Ich bin froh und stolz, euch zu haben.“

Sr. Teresa Zukic aus Pegnitz in Franken ermunterte zum Aufbruch, zum „UrSprung in den Alltag des Lebens“. Fünf Schritte hierzu gab sie den Kolpingmitgliedern und ihren Gästen auf den Weg: 1) Lebe in Freundschaft mit dir selbst 2) Werde eine lebendige Bibel 3) Lobe täglich Gott in Gebet und Lied 4) Tue Ungewöhnliches gegen die Gewohnheit 5) Lasse deine Wunden heilen und werde ganz. „Diese Schritte machen uns christlich, helfen uns zu leben und das Leben mit anderen zu teilen.“

Der Diözesanvorsitzende Klaus Butz dankte allen Mitwirkenden und Referenten für ihren Beitrag zum Gelingen dieses Tages, den Kolpingsfamilien Kindsbach und Landstuhl, den Musikern der Kolpingorchester Kindsbach, Kaiserslautern und Erfenbach, der Gruppen Sanctos und Sacro Pep, der Stadt Landstuhl und der Gemeinde Kindsbach, den katholischen Pfarreien Heilig Geist und Mariä Heimsuchung sowie dem Diözesanvorstand und dem Kolpingbüro: „Nur weil viele in einem fast zweijährigen Vorbereitungsprozess mit Begeisterung und Leidenschaft mitgearbeitet haben, konnte dieser Diözesantag gelingen“, sagte Butz, sichtlich bewegt. Norbert Thines sprach für viele, als er formulierte: „Von diesem Tag geht eine Aufbruchstimmung aus. Später wird man einmal sagen: Der Diözesantag 2009 war ein Meilenstein auf dem Weg des Kolpingwerkes in die Zukunft!“

Das Kolpingwerk zählt in der Diözese Speyer 6.800 Mitglieder in 68 örtlichen Gemeinschaften, den Kolpingsfamilien. 1.100 Mitglieder sind unter 30 Jahre alt und gehören der Kolpingjugend an. In Deutschland hat der Verband, der sich auf den Seligen Adolph Kolping und seine Katholischen Gesellenvereine zurückführt, 265.000 Mitglieder in 2.700 Kolpingsfamilien. Weltweit zählt das Kolpingwerk 500.000 Mitglieder in 60 Ländern auf allen Kontinenten. Sein Wahlspruch lautet: „Verantwortlich leben – Solidarisch handeln.“