„Hier lebt sie:
Familienhafte Gemeinschaft!“
In Ramsen entsteht aus dem Familienzeltlager
ein Familienkreis
„Als Sechsjährige erlebte ich den Beginn des Familienzeltlagers der Kolpingfamilie Ramsen“, sagt Bettina Schach. Die junge Lehrerin ist verheiratet und Mutter von drei Kindern. „Für uns Kinder war es damals toll, dass man den ganzen Tag draußen gemeinsam mit anderen Kindern spielen konnte, da brauchte es gar nicht viel Programm.“ Sie verweilten an Bächen, die Zeit stand still beim Staudammbauen, Holzsammeln für das Lagerfeuer und Ballspielen. Aufregend war natürlich auch das Leben in den großen Mannschaftszelten.

Bettina Schach mit ihrer Familie.
Auch als Teenager war Bettina mit von
der Partie. In diesem Alter hatte das Zeltlager wieder andere Reize. Man verbrachte
viele Nächte am Lagerfeuer, tauschte sich mit den anderen Mädchen im Zelt rege
aus, spielte stundenlang Gesellschaftsspiele oder lieferte sich an der
mitgebrachten Tischtennisplatte endlose Matches.
Das erste Familienzeltlager fand 1983
statt. Die Kolpingsfamilie entschied sich dazu, nach
dem sie fünf Jahre lang ein Jugendzeltlager organisiert hatte, weil sie keine
Jugendleiter mehr fand. Es war auf Anhieb ein großer Erfolg. 70 bis 90
Personen, vom Kleinkind bis zum Opa nahmen teil. Und heute? Heute fahren die
damaligen Kinder mit ihren Kindern mit. Bettina Schach gehört zu ihnen.
Wie funktioniert das Familienzeltlager?
Die Kolpingsfamilie sorgt für den Transport aller
Gerätschaften und stellt das Küchenzelt mit allen Einrichtungen, die über die vielen
Jahre angeschafft wurden, denn „die Speisekarte klingt wie zu Hause bei Mutti,“
sagt Wolfgang Rörig, der Vorsitzende der Kolpingsfamilie Ramsen, der schon
1983 als Vorsitzender das Familienzeltlager mit aus der Taufe gehoben hat.
Mittelpunkt des Lagers ist das Aufenthaltszelt mit Sitzgelegenheiten für ca. 90
Personen. Die Teilnehmer müssen für ihre eigene Zeltunterkunft sorgen. Es wird
in jedem Jahr möglichst ein anderer Zeltplatz gesucht, was nicht immer gelingt.
Die Küche wird von einem Stammpersonal besetzt, mit jeweiliger Hilfe aus dem
Lager. Die Aufräum- und Spülarbeit wird abwechselnd von den Teilnehmern erledigt.
Bis heute wird das Lagerprogramm von der Kolpingsfamilie und den Teilnehmern organisiert. Kleinere Ausflüge zu Museen in der Umgebung, Betriebsbesichtigungen, Wanderungen - auch bei Nacht -, Schatzsuchen und Wettspiele, Begegnungen mit anderen Gruppen und Spiele aller Art bieten ein vielfältiges Programm in der einwöchigen Freizeit. Feste Tradition ist das Stockbrotessen am Lagerfeuer und ein Singeabend mit Gitarrenbegleitung mit dem Bürgermeister der Verbandsgemeinde Eisenberg, der Ramsen angehört.

Stockbrotessen
im Familienzeltlager.
Als Bettina Schach nach Jahren des Studiums und der Ausbildung mit
der eigenen Familie wieder in Ramsen wohnte, erinnerte
sie sich an die erlebnisreichen Zeltlagertage ihrer Kindheit und entschied sich,
wieder daran teilzunehmen. Schnell begeisterten sich auch befreundete Familien
mit kleineren Kindern für die Idee. „So kommen auch meine drei Kinder (eins,
fünf und acht Jahre alt) seit drei Jahren in den Genuss einer solchen Freizeit,
in der es keine Fernseher und Computer gibt, sondern das Miteinanderspielen
im Mittelpunkt steht, und die Kinder ihr Programm weitestgehend selbst
gestalten.“ Dabei ist es kaum wichtig, ob der Zielort weit von der Heimat
entfernt liegt oder sensationelle Freizeitangebote bietet. Den Kindern genügt
ein Stück Wiese und der Wald als Anregung für ihre Spiele.
Als Mutter genießt Bettina natürlich die Vollpension, kleinere Küchendienste erledigt sie aber in der Gemeinschaft gern. „Da sich oft auch spontan freiwillige Babysitter für die kleineren Kinder finden, kommt man sogar in den Genuss von einigen Liegestuhlstunden oder man nutzt auch mal die Zeit zum Spielen.“ Gespräche, die sonst nur an Kindergartentüren schnell im Vorbeigehen geführt werden können, haben hier mehr Raum.

Der
neue Familienkreis der Kolpingsfamilie Ramsen.
Als Vorsitzender Wolfgang Rörig im letzten Zeltlager die Gründung eines
Familienkreises anregte, waren viele der jungen Familien interessiert. So wird der
Kontakt auch unter dem Jahr gepflegt und die Familien zu gemeinsamen Unternehmungen
angeregt. So wurden Anfang des Jahres verschiedene Angebote für junge Familien
festgelegt. Bei der ersten gemeinsamen Veranstaltung des Familienkreises, eine
moderne Schatzsuche namens „Letterbox“, nahmen 48
Personen aus 13 Familien begeistert teil. Ein Grillfest, eine Fahrt zum Barfußpfad
und ein Kinonachmittag stehen noch auf dem Programm. Bereits jetzt konnte die
Kol-pingsfamilie aus dem Familienkreis sieben
Familien (d.s. 29 Neumitglieder!), aufnehmen. „Wir sehen hier einen Teil
unserer Zukunft“, betont der Vorsitzende, der sich in der Spur Adolph Kolpings sieht: „Familienhafte Gemeinschaft – in Ramsen wird sie gelebt!“
Fotos:
KF Ramsen / W. Rörig.