Politik sucht selbstdenkende Menschen - KOLPING hat sie
Andreas Stellmann ist ein in Verband, Kirche und Politik engagierter Mann
In Böhl-Iggelheim lud der Gemeinderat alle jungen Bürger und Erstwähler zu einer Veranstaltung ein, in der die Parteien sich selbst und ihre Programm vorstellen sollten. Kein einziger Jungwähler kam.
Politik hat keinen guten Ruf unter jungen Menschen. Für einen Demokratie ist das auf Dauer tödlich. Andreas Stellmann will dem entgegensteuern. Als junger Mensch hat er sich begeistern lassen, Staat und Kommune selbstverantwortlich mitzugestalten, seit 25 Jahren ist er im Verbandsgemeinderat Heßheim als Fraktionsvorsitzender tätig, wo er sich um Fragen kümmert wie die dringend notwendige Heßheimer Umgehungsstraße! Kommt sie oder kommt sie nicht? Tag für Tag fahren über 12.000 Fahrzeuge durch die kleine Gemeinde. Für die Bürger eine immense Belastung. Stellmann kämpft dafür, dass sie endlich gebaut wird. Sich mit Straßenbau, Kanal, Abwasser und Energieversorgung einer Gemeinde zu beschäftigen, interessiert nicht jeden, aber es sind Themen, die die Lebensqualität der Menschen ganz wesentlich bestimmen. Die Gemeinde, ihren Lebenswert, aber auch ihre Identität und Lebendigkeit mitzugestalten – für Andreas Stellmann ist das einen Herausforderung.
Bereits mit 20 Jahren wurde er Mitglied im Ortsgemeinderat Heßheim, 1984 schon Vorsitzender der CDU-Fraktion im Verbandsgemeinderat. Mit Fleiß, dem nötigen Wissen und der Unterstützung seiner Ratskollegen schaffte er es schnell, sich Respekt zu verschaffen und als kompetenter Verhandlungspartner im Rat anerkannt zu werden. In diesem Jahr wurde er zum zweitenmal in den Kreistag des Rhein-Pfalz-Kreises gewählt. Dort ist er sozialpolitischer Sprecher seiner Fraktion.
Sich für andere einzusetzen, denen zu helfen, die Hilfe und Unterstützung brauchen, das ist für ihn seit seiner Schulzeit eine Selbstverständlichkeit. Ob in einer politischen Jugendorganisation, als Lehrgangssprecher bei der Bundeswehr oder als Personalratsvorsitzender bei einer kommunalen Verwaltung, immer war und ist er bereit, Verantwortung zu übernehmen.
Die Wurzeln seines Engagement sieht er in einer lebendig erfahrenen Pfarrgemeinde. „In unserer Jugend hatten wir einen sehr engagierten Jugendleiter, der mit uns viel unternommen, aber auch immer darauf hingewiesen hat, das wir nicht alleine auf dieser Welt sind, sondern in Gemeinschaft mit vielen anderen Menschen leben. Auch sei es unsere Pflicht, die Schöpfung Gottes zu bewahren und uns für diese einzusetzen“, sagt der 48jährige Verwaltungsfachwirt, der als Pfarrverbandsgeschäftsführer im kirchlichen Dienst steht. Dies will er auch jungen Menschen weitergeben, sie motivieren, sich ebenfalls im demokratischen Rechtsstaat mit seinem personalen Menschenbild und garantierten Freiheitsrechten einzusetzen. So spricht und diskutiert er besonders gerne mit jungen Menschen.
Aus der Jugend heraus führte sein Weg 1979 zur Kolpingfamilie Heßheim, bei der er in verschiedensten Funktionen (Sachgebietsleiter Gesellschaft und Politik, stellvertretender Vorsitzender, auf Bezirks- und Diözesanebene) bis heute tätig ist. Auch dem Pfarrgemeinderat gehört der nebenamtliche Diakon seit vielen Jahren an.
Sich als Christ politisch, parteipolitisch zu engagieren, hat für ihn seine Wurzeln in dem Satz von Adolph Kolping: „Hier wird es also darauf ankommen, das Christentum dem Geiste und der Praxis nach ins wirkliche gesellschaftliche Leben hineinzutragen. Denn das ist gewiss, heutzutage ist es mehr wie je wahrscheinlich nicht genug, das man auf der Kanzel, das Christentum theoretisch predigt, …“. Den Fokus auf die Interessen der Jüngsten in unseren Gemeinden, der Senioren, aber auch der sozial Schwachen zu richten, verbindet er mit diesem Satz. Den Stellenwert der Kirche immer wieder neu ins Bewusstsein der Verantwortlichen in den verschiedensten Gremien zu holen, sieht er gleichfalls als eine Aufgabe eines engagierten Christen an. Das soziale Engagement der Kirche, ihr „soziales Gesicht“, werde in vielen Bereichen der Gesellschaft nicht mehr wirklich wahrgenommen bzw. als Selbstverständlichkeit angesehen. Zwei Beispiele zeigten, wie gedankenlos manche Entscheidungsträger vorgehen: Einerseits sei die Verwaltung zuständig für die Einhaltung des Gesetzes zum Schutz der Sonn- und Feiertage, andererseits werde am Karfreitagnachmittag, 15.00 Uhr, zu einer Ausstellungseröffnung eingeladen. Oder: Für viel Geld werde ein Gemeinschaftshaus gebaut, aber an die behinderten Menschen denke niemand. Engagierte Christen seien deshalb auf allen Ebenen gefordert. Es genüge nicht, davon ist Stellmann überzeugt, nur mahnend den Finger zu heben, sich selbst einzusetzen, sei heute mehr denn je unerlässlich.
Seit 2008 gehört der verheiratete Familienvater dem Diözesanvorstand des Kolpingwerkes an. Er verantwortet dort das Tätigkeitsfeld Gesellschaft und Politik. Er will in dieser Funktion den Verband stärker „politisieren“, die Mitglieder – jung und alt – neu zur politischen Tätigkeit herausfordern. Er sieht eine grundsätzliche Aufgabe des Kolpingwerkes darin, politisches Bewusstsein zu schaffen, zu eigenständigem politischem Denken und zum Engagement in der Politik, in Parteien, Gremien und Bürgerinitiativen zu motivieren.
Adolph Kolping habe in seiner Zeit mit der Gründung des Katholischen Gesellenvereins uns ein Vorbild gegeben. „Damit dieser Sozialverband in der Gesellschaft anerkannt und weiterwirken kann, braucht er aber auch Fürsprecher, die immer wieder auf die Notwendigkeit dieses Verbandes hinweisen, die ihn in vielfältiger Weise unterstützen und ins Gedächtnis der Verantwortlichen auf den verschiedensten Ebenen bringen. Nur so kann er sich weiterhin u.a. für die Benachteiligten in unserer Gesellschaft einsetzen“, meint Stellmann. Die Leitsätze: „Wir prägen als katholischer Sozialverband die Gesellschaft mit“ und „Wir leben verantwortlich und handeln solidarisch“ sind für ihn deshalb keine Schlagworte. Stellmann lebt diese Leitsätze, unterstützt von seiner Ehefrau, die ihn in vielfältiger Weise unterstützt oder ihm zu Hause den Rücken freihält.
CDU-Landesvorsitzender Christian Baldauf (ganz re.) im Gespräch mit Andreas Stellmann, 2. Beigeordneten Dr. Michael Hack (2. von re.), CDU-Ortsvorsitzenden Silke Fink und Klaus Butz, Diözesanvorsitzender Speyer.
Viele Kolpingmitglieder im Bistum Speyer engagieren sich wie Andreas Stellmann in der Politik. Bei den Kommunalwahlen im Juni haben erneut viele, wohl einige hundert, Sitze in den Kommunalparlamenten – in Ortsbeirat, Gemeinde-, Stadt- oder Verbandsgemeinderat, in Kreistag oder Bezirkstag – errungen, mancher Kolpingbruder wurde Landrat, manche Kolpingschwester Bürgermeisterin. Um dieses grundlegende demokratische Engagement von Mitgliedern eines katholischen Verbandes in der Öffentlichkeit deutlich zu machen, wird das Kolpingwerk Diözesanverband Speyer „seine“ Mandatsträger zu einem Kommunalpolitischen Empfang am Freitag, dem 27. November, im Katholischen Pfarrheim von Heßheim einladen. Das Grundsatzreferat wird der Landesvorsitzende der CDU Rheinland-Pfalz, Christian Baldauf, Frankenthal, ganz nahe bei Heßheim, halten.