„Ich suche die Armut auf und gehe hin!“

Für Norbert Thines ist soziales Engagement direkter Auftrag von Adolph Kolping

Er ist das soziale Gesicht Kaiserslauterns und der gesamten Region: Norbert Thines. In der Westpfalz kennt den Neunundsechzigjährigen jeder. Klar, er war Präsident des 1. FC Kaiserslautern. Aber sein Name wird heute weit mehr mit beispielhaftem bürgerschaftlichem Engagement verbunden: Er ist Mitgründer und Vorsitzender des Vereins „alt – arm – allein“, der bedürftigen alten Menschen in Stadt und Landkreis Kaiserslautern menschliche Zuwendung und materielle Hilfen anbietet. 60 ehrenamtliche Helfer sind im Einsatz, besuchen die alten Menschen und organisieren die notwendige Hilfe – unbürokratisch, direkt, vertraulich. Eine Spendenaktion in der Vorweihnachtszeit, unterstützt von Stadt, Kirchen und der örtlichen Presse, erbringt alljährlich einen Betrag von rd. 250.000,00 €uro. Die Not nehme zu, die Zahl der Bedürftigen wachse, sagt Thines: „Mancher, der vor einiger Zeit noch gespendet hat, ist jetzt selbst Empfänger der Hilfe geworden.“  Die Aktion ist mittlerweile Vorbild für ähnliche Aktionen in anderen Städten und Kreisen geworden.

                                                                      Nobert Thines im Kolpingbüro vor dem Kolpingportrait von Walter Habdank.

Soziales Engagement - für den vitalen Rentner und Vater von zwei erwachsenen Söhnen ist das ein Thema seines Lebens. Und er bekennt: „Meine Basis, mein Lebenshintergrund ist Kolping. Hier habe ich meine soziale Grundeinstellung erworben.“ Für ihn ist Verantwortung für den Einzelnen und das Gemeinwohl direkter Auftrag von Adolph Kolping. Wo er auch auftritt, in der täglichen Begegnung mit „einfachen“ Menschen oder im Vortrag vor Professoren und Bankern oder im Gespräch mit Ministerpräsident Kurt Beck, nie hält er mit seiner Überzeugung hinterm Berg: Die Öffentlichkeit weiß, dass er ein Kolpingmann ist.

Als Kolpingjugendführer hat der gelernte „Pfaffianer“ die erste Sozialaktion gegründet, die in der Diözese Speyer Schule gemacht hat: die „Aktion Kummerkasten“. Wer Hilfe brauchte, konnte das im Kummerkasten mitteilen. Die Jungkolpinger kümmerten sich dann, sie strichen Wohnungen, kauften für alte Menschen ein und machten andere Besorgungen. Thines wurde früh Vorsitzender seiner Kolpingsfamilie Kaiserslautern-Zentral und blieb dies 30 Jahre. Der heutige Ehrenvorsitzende initiierte in dieser Zeit u.a. die „Aktion Bruderhilfe“, mit der Projekte für Menschen in Kaiserslautern und in der sog. Dritten Welt finanziert wurden. Gemeinsam mit dem 1. FCK organisierte er mit der Kolpingsfamilie Arbeitseinsätze in Weißrussland und Hilfstransporte nach Osteuropa. „Ich will Leute ermutigen, vor der eigenen Haustür was Positives zu tun“, sagt der junggebliebene Rentner. Der Blick für die Not der Menschen hier schärfe auch das Bewusstsein für die Lage der Menschen anderswo, z.B. in Osteuropa und in Asien - und umgekehrt!

                                                                   

                                                   2008: Mit brasilianischen Freunden im Fritz-Walter-Stadion Kaiserslautern: (v.li.n.re.) Josef Heitz, 
                                                   stellv. Diözesanvorsitzender, Rolf Schäfer, Diözesanehrenvorsitzender, Sonia A. Guilherme Teixeira,
                                                   Geschäftsfühererin des Obra Kolping do Brasil (OKB),  Klaus Butz, Diözesanvorsitzender, 
                                                  Elisabeth Schäfer; knieend Padre Raimundo Aristides, stellv. Nationalpräses OKB, und 
                                                  Wagner Carneiro de Santana, Präsident des OKB.

Thines, der in den siebziger Jahren auch hauptamtlicher Diözesansekretär des Kolpingwerkes war, baute als Geschäftsführer des 1. FCK anfangs der achtziger Jahre das Fan-Club-System auf. Die Fanclubs wurden verpflichtet, sich sozial zu betätigen. „Fußball ist mehr als ein Spiel. Fußball verbindet Menschen!“ So engagieren sich Fanclubs in der Behindertenarbeit, für Kindergärten, für alte Menschen. „Die Sympathiewerte für den 1. FCK steigen – und das Stadion ist voll.“ Hier zeigt ein Verein, dass er seine Verantwortung für das Gemeinwohl erkannt hat.

Der Großvater von drei Enkeln, der für sein soziales Engagement viele Auszeichnungen erhalten hat, steckt weiter voller Ideen. Und er kann Menschen begeistern mitzugehen: „Unglaublich viele Freunde machen mit und identifizieren sich mit der Sache“, sagt er zur Aktion „alt – arm – alt“. Er könne dies gar nicht allein leisten; entscheidend sei, dass viele sich anstecken lassen und mitmachen. Was unterscheidet ihn von vielen anderen, die sich ihrer sozialen Verantwortung bewusst sind, aber nicht wissen, wie sie ihr nachkommen können? Thines: „Ich suche die Armut auf und gehe hin!“