Jung, attraktiv und bei Kolping engagiert
Annette Schwab hat KOLPING zum Gegenstand ihrer Diplomarbeit gemacht
Warum schreibt eine junge,
attraktive Frau eine Diplomarbeit über Kolping? Intensiv hat Annette Schwab aus
der Kolpingsfamilie
Hettenleidelheim daran gearbeitet, mehrmals hat sie im
Kölner Kolpingarchiv recherchiert und kam dem Gesellenvater „auf die Spur“. Und
so heißt die Arbeit denn auch: „Auf den Spuren Adolph Kolpings. Die
Ursprungsidee des Kolpingwerkes und sein heutiges Selbstverständnis mit besonderem Bezug auf Kinder- und Jugendarbeit.“
Die Entwicklung des Verbandes seit Adolph Kolping habe sie interessiert, sagt die fünfundzwanzigjährige verheiratete Studentin der Pädagogik. Sie wollte wissen, was Kolping heute im Vergleich zu damals ist und ausmacht. Ihre Frage war: „Kann ich mich mit dem, was Kolping getan hat und was daraus geworden ist, identifizieren?“ Nach der Arbeit kann sie gut begründet sagen: „Ja, ich erkenne mich im Kolpingwerk wieder.“

Annette
Schwab mit ihrem Bruder Martin Garst
beim Studium der fertiggestellten Diplomarbeit.
Annette ist in eine echte „Kolpings-Familie“ hineingeboren: Eltern und Geschwister
sind in der Kolpingsfamilie Hettenleidelheim
aktiv. Mit 13 wird sie Kolpingmitglied, Gruppen- und Jugendleiterin. Seit 2002
ist sie im Diözesanleitungsteam der Kolpingjugend, dem „DLT“, und im Vorstand
des Diözesanverbandes. Seit 2004 ist sie mitverantwortlich, seit 2006 allein verantwortlich
für Inhalt und Durchführung der Schulungskurse für GruppenleiterInnen
der Kolpingjugend. Sie tut dies mit einem gesunden Selbstvertrauen, mit
Leitungskompetenz und pädadogischem Geschick.
Wichtig ist ihr die
Fundierung und Orientierung im christlichen Glauben. Da ist ihr Adolph Kolping
in seinem kraftvollen Tatchristentum Vorbild. Seine Willensstärke, etwas
bewegen zu wollen, imponiert ihr. Aber Kolping hat es nicht alleine geschafft.
Er suchte Menschen und konnte sie gewinnen, Menschen, die er in ihrem Wert und
ihrer Würde anerkannte. In der Diplomarbeit beschreibt sie, wie Kolping sie bestärkte
in dem, was sie konnten und taten, sie motivierte, aus ihrem Leben im Vertrauen
auf Gott etwas zu machen! Auch heute springt dieser Funke auf Menschen über,
sich in seiner Spur zu bewegen und zu engagieren für eine gerechtere Welt. Zu
diesen Menschen gehört Annette Schwab.
Verband in seiner Eigenart, Funktion
und Arbeitsweise lernt sie auf der Diözesanebene kennen. Sie blickt nun „über den
Kirchturm hinaus“ auf die Vielfalt des Verbandes, auf das bunte Ganze, das das
Kolpingwerk darstellt. Erst jetzt erlebt sie, was Kolping wirklich bedeutet und
- ist fasziniert.
Auf dem Bundestreffen der
Kolpingjugend 1995 in Osnabrück erfährt sie, wie man mit wildfremden Leuten auf
einer Wellenlänge sein und Gemeinschaft leben kann. Den Austausch mit vielen
gleich gesinnten Leuten, auch über Ländergrenzen hinweg, sucht sie seitdem
immer wieder: „Menschen über Ozeane hinweg zu verbinden, das kann nur ein Verband.
Und: Wo man Kolpingleute trifft, fühlt man sich zu Hause und – es ist nie langweilig.“
Sie hat es erlebt. 2002 in Brasilien!
„Das war Wahnsinn!“ Da hat sie mit fünf weiteren jungen Erwachsenen an einem Workcamp des Diözesanverbandes in Cacimbas
im Nordosten Brasiliens teilgenommen. Die Gruppe hat gemeinsam mit den
Mitgliedern der „Comunidade Kolping“ Cacimbas, neun Wasserzisternen gebaut, die den Menschen
dort das Überleben sichern helfen. Sie hat dabei großartige, aber auch
erschreckende Erfahrungen gemacht in der Begegnung mit radikaler Armut.
Begeistert spricht sie über
diese vier Wochen im brasilianischen Hinterland, fernab von der Welt: „Wir
haben uns dort nicht fremd gefühlt!“ Ohne westeuropäische Ansprüche und Standards
zu leben, war befreiend gut. Die Menschen in Cacimbas
sind sehr arm, aber, so erzählt Annette, glücklich und zufrieden. „Sie haben
uns umarmt!“ berichtet Annette mit bewegter Stimme. „Sie haben ihr Leben mit
uns und wir unser Leben mit ihnen geteilt. Wir haben gemeinsam unseren Glauben
miteinander geteilt. Wir haben ihnen gezeigt, dass sie nicht vergessen sind und
es eine Solidarität über Ozeane hinweg gibt. Dafür waren sie dankbar, dafür
waren wir dankbar.“
Annette ist erwachsener
geworden, sensibler für Menschen, für das Leben, für das Glück. Gelernt hat
sie, aufmerksam zu sein für das, worauf es im Leben wirklich ankommt.
Wie es weiter geht? Annette
Schwab setzt sich dafür ein, dass auch andere junge Menschen diese Erfahrung
machen dürfen.
Annette sieht alles, was sie
im Kolpingwerk bisher erfahren und gemacht hat, als eine Qualifikation für
ihren Beruf als Pädagogin an. Sie hat ihre im Ehrenamt erworbene Erfahrung
gewissermaßen professionalisiert, wie z.B. in ihrer Diplomarbeit, in der sie
sich exemplarisch mit Kolping auseinandergesetzt sowie Methoden dargestellt
hat, spielerisch Kindern und Jugendlichen Adolph Kolping und sein Werk nahe zu
bringen.
Kolping arbeitet also nicht
nur mit den Stärken, z.B. den beruflichen Kompetenzen seiner Mitglieder. Es
gilt auch umgekehrt: Das Ehrenamt im Kolpingwerk qualifiziert für den Beruf. Es
gibt immer mehr Menschen in Führungspositionen unserer Gesellschaft, die um
diese Bedeutung des Ehrenamts wissen und – den Ehrenamtsnachweis des
Kolpingwerkes zu schätzen wissen.