Den Verlorenen die Liebe Gottes zusagen!
Otterberg: Internationale
Maiandacht mit Ottmar Dillenburg, stellvertretender Bundespräses des
Kolpingwerkes
Otterberg. – „Das ist unser Auftrag: seine Botschaft zu hören, sie weiterzusagen und dorthin zu gehen, wo er war, mit ihm, mit Jesus Christus auf dem Weg zu sein“, sagte Pfarrer Ottmar Dillenburg (Koblenz), Diözesanpräses des Kolpingwerkes Diözesanverband Trier und stellvertretender Bundespräses des Kolpingwerkes Deutschland, in seiner Predigt bei der internationalen Maiandacht des Kolpingwerkes in der Zisterzienserabteikirche zu Otterberg. „Als Christen gehören wir dahin, wo sich Menschen ausgegrenzt, an den Rand geschoben fühlen.“ Der Prediger nannte als Beispiele Jugendliche, die materiell oft zu viel haben, aber keinen Menschen, der sich wirklich um sie zu kümmert. Arbeitslose, die nach dutzenden Frustrationen jede Hoffnung aufgeben haben. Und die Ärmsten der Armen, Mütter und Väter, die nicht wissen, was sie ihren Kindern heute zu essen geben sollen. „Jesus braucht uns als glaubwürdige, erkennbare Christen, um heute Gottes Liebe allen Menschen sichtbar zu machen.“

Der neue Diözesanvorsitzende Klaus Butz mit dem Diözesanbanner beim Einzug in der Abteikirche.
Mehr als 600 Gläubige verschiedener Nationen, Mitglieder des Kolpingwerkes und anderer katholischer Organisationen waren auf Einladung des Kolping-Bezirksverbandes Kaiserslautern-Landstuhl nach Otterberg gekommen, um für den Frieden in der Welt und ein auf der Basis des christlichen Glaubens und seiner Werte geeintes Europa zu beten, unter ihnen der Europaabgeordnete Kurt Lechner (Kaiserslautern) und die ehemalige Vizepräsidentin des rheinland-pfälzischen Landtages, Gisela Büttner (Kaiserslautern). Das Kolpingwerk war durch die Vorsitzenden der Diözesanverbände Mainz und Speyer, Toni Brunold (Alzey) und Klaus Butz (Otterbach), und Diözesanpräses Pfarrer Andreas König (Hochspeyer) vertreten. Die Liturgie der Andacht leitete der neue Bezirkspräses, Pfarrer Jörg Stengel (Weilerbach).

Pfr. Ottmar Dillenburg, der
stellvertretende Bundespräses des Kolpingwerkes Deutschland
bei seiner Predigt. Im Hintergrund: Diözesanpräses Pfr. Andreas König.
Pfarrer Dillenburg nahm das Tagesevangelium
zum Ausgangspunkt: Die Pharisäer nehmen Anstoß an Jesus, der „mit Zöllnern und
Sündern aß“ (Mk 2, 13-17). Für sie sei klar, „einer, der sich mit Zöllnern und Sündern
abgibt, kann kein Prophet sein, kann nichts mit Gott zu tun haben. Zöllner, die
andere ausbeuten, um auf ihre Kosten reich zu werden, sind aus der Gesellschaft
ausgestoßen; mit Ehebrecherinnen und Dirnen wollen sie, die Frommen, nichts zu
tun haben. Das sind Sünder, und der Umgang mit ihnen macht unrein. Mit denen
darf man sich nicht abgeben. Nachsicht oder gar Mitleid und Erbarmen sind hier
fehl am Platz. Von solchen Leuten muss man abrücken, um nicht selbst vom
Krankheitskeim der Sünde angesteckt zu werden“, so der Prediger wörtlich.
Doch Jesus
stelle sich eindeutig auf die Seite derer, die von den selbstgerechten Frommen
ausgestoßen und verachtet werden. Er setze sich mit diesen an einen Tisch. „Und
Tischgemeinschaft bedeutet: Wer mit den anderen am Tisch sitzt, solidarisiert
sich mit ihnen, stellt sich mit ihnen auf die gleiche Stufe.“ Jesus - in „schlechter
Gesellschaft“!
Jesus wolle durch sein provokantes Verhaltern in die Gedankenwelt der Frommen eindringen und sie aufbrechen. Er denke anders als „die Frommen“. Er nehme Maß am Willen des Vaters, der ihn gesandt hat, „damit ich den Armen die gute Botschaft bringe, ... den Gefangenen die Entlassung verkünde, … die Zerschlagenen in Freiheit setze ..." (Lk 4, 18f). Und gerade in dieser Sorge für die Randgruppen, die Ausgestoßenen erweise sich Jesus als der Gesandte Gottes, der gekommen ist, um den Verlorenen Gottes Liebe zuzusagen. „Gott gibt niemanden verloren, auch nicht den Steuereinnehmer, der sich selbst bereichert, auch nicht die Dirne, die verzweifelt Liebe sucht“, so Dillenburg. Gerade mit ihnen erkläre er sich solidarisch, ihnen spreche er die Liebe Gottes zu, weil nicht die Gesunden, sondern die Kranken den Arzt brauchen (Mk 2, 17). „In Jesu Nachfolge“, schloß der Prediger, „haben wir Christen den Auftrag, uns `mit an den Tisch zu setzen´, uns die Sorgen und Nöte der Menschen zu eigen zu machen, konkret zu helfen und denen eine Stimme zu geben, die keine Stimme haben.“ Es könne dann auch uns passieren, dass Mitmenschen fragten: "Wie könnt ihr euch mit solchen abgeben und mit ihnen essen?"

(v.l.n.r.)
Diakon Claudio Ribeiro Caetano von der Portugiesischen gemeinde,
Diözesanpräses König,
stellv. Bundespräses Dillenburg, Bezirkspräses Pfr. Jörg Stengel und Pfr.
Gregor Glapa, Otterberg.
Musikalisch wurde die Marienfeier vom
Kolpingblasorchester Erfenbach unter der Leitung von Wilfried Bernarth,
gesanglich durch die Kirchenchöre aus Hochspeyer und Thaleischweiler unter der
Leitung von Kirchenmusikdirektor i.R. Raimund Mattern (Kaiserslautern) gestaltet.
Organist war Klemens Heß (Hochspeyer).
Der Erlös der Kollekte in Höhe von 1.000
Euro kommt einem Arbeitseinsatz des Kolpingwerkes in Brasilien zugute: Eine
Gruppe erwachsener Kolpingmitglieder um Verbandsbürgermeister Walter Rung
(Hochspeyer) wird im Herbst in Esperantina / Bundesstaat Tocantins ein Sozial-
und Bildungszentrum bauen. Der Einsatz findet in einer Region Brasiliens statt,
die von großer Armut gezeichnet ist. Das Kolpingwerk will dort Menschen
Lebensperspektiven durch Bildung, Weiterbildung, Freizeitgestaltung,
Familienbetreuung und Arbeitsmöglichkeiten bieten. Dem Bau eines Kolpinghauses
kommt dabei eine Schlüsselrolle zu. Die deutsche Gruppe wird während des
Aufenthaltes in Esperantina unter einfachen Bedingungen mit der Bevölkerung leben,
beten und arbeiten.
Das
Kolpingwerk zählt in der Diözese Speyer 7.000 Mitglieder in 70 örtlichen
Gemeinschaften, den Kolpingsfamilien. 1.100 Mitglieder sind unter 30 Jahre alt
und gehören der Kolpingjugend an. In Deutschland hat der Verband, der sich auf
den Seligen Adolph Kolping und seine Katholischen Gesellenvereine zurückführt,
265.000 Mitglieder in 2.700 Kolpingsfamilien. Weltweit zählt das Kolpingwerk
über 500.000 Mitglieder in 60 Ländern auf allen Kontinenten. Sein Wahlspruch
lautet: „Verantwortlich leben – Solidarisch handeln.“ (tb)