„Gott muss drin sein!“

Für Diözesanpräses Andreas König ist Jesus Christus Mitte der Kolpingsfamilie

Gibt es eine eigene Kolping-Spiritualität? Die Spiritualität im Kolpingwerk sei keine Sonder-Spiritualität innerhalb der Kirche, antwortet Pfarrer Andreas König, seit April 2002 Diözesanpräses des Kolpingwerkes im Bistums Speyer. Gleichwohl könne man Elemente für eine Spiritualität benennen, die typisch und prägend für das religiöse Leben in Kolpingsfamilie und Verband sind. Im Gebet um die Heiligsprechung Adolph Kolpings kommen nach Auffassung des geistlichen Leiters des Speyerer Kolpingwerks diese Elemente sehr gut zum Ausdruck:

Zur Zeit setzt sich der 42-jährige, sportliche und noch jugendlich wirkende Geistliche mit Kolpings Texten um „Dr. Fliederstrauch“ auseinander. Es fasziniert ihn, was Kolping hier gemacht hat und wie er es gemacht hat. Der schriftliche Ausdruck dieser für die Menschen seiner Zeit verfassten Geschichten ist zeitbedingt, aber in ihnen spiegeln sich „Metanormen“, zeitlos gültige Wahrheiten, Werte und Wertmaßstäbe wieder. „Hier ist Kolping ganz aktuell!“ Kolping habe das Christentum mit den praktischen Leben verknüpfen wollen! Die Religion sei für ihn geradezu die Seele des gesellschaftlichen Lebens, „gerade so, wie die Seele dem körperlichen Leben Gestalt, Form und lebendigen Ausdruck verleiht“ (in: Rheinische Volksblätter, 1855). Wer die Welt mir religiösen Augen sieht, sehe sie anders. Dann werde manches wichtig, was zuvor unwichtig war, und umgekehrt. Die Werteordnung und Prioriätenliste ändere sich radikal.

Gern und oft ist der engagierte Pfarrer in seiner diözesanweiten Kolpinggemeinde zu Festgottesdiensten, in denen er regelmäßig predigt, zu Wallfahrten, Vorträgen und Besinnungstagen unterwegs. Zweimal im Jahr hält er Exerzitien für Erwachsene, in deren Mittelpunkt Texte der Heiligen Schrift stehen. In diesem Jahr wird er anhand des Buches von Papst Benedikt XVI. Jesus, den menschgewordenen Gottessohn, ins Zentrum seiner Überlegungen stellen. Regelmäßig nimmt Diözesanpräses König an mehreren Kolpinggedenktagen teil. In seinen Ansprachen stellt er sich alljährlich einem anderen Thema um Kolping. Im Jahr 2006 waren es die Martyrer aus dem Kolpingwerk, die ihrem Gewissen gefolgt sind und ihr Leben im Dritten Reich für die Wahrheit des Glaubens gelassen haben. Im gerade vergangenen Jahr war er mit Kolpings Fliederstrauchgeschichten unterwegs und eröffnete dabei den Zuhörern den Zugang zu einem Adolph Kolping, den sie noch nicht kannten, den Geschichten- und Legendenerzähler, der hintergründig immer von seinem Glauben Zeugnis gibt und andere damit anstecken will.

 

Unser Bild zeigt Diözesanpräses Andreas König vor dem Kolping-Holzschnitt von Walter Habdank. In der Hand hält Pfarrer König den Band 10 der Kolpingschriften mit den Geschichten um Dr. Fliederstrauch.

Menschen mit dem Virus des Evangeliums anzünden, das will auch Diözesanpräses König, der ein für Kolping „Spätberufener“, aber mit besonderem Feuer für die Sache Adolph Kolpings unterwegs ist. Kolping hat er praktisch erst als Kaplan in Bad Bergzabern kennen gelernt. Dann fand er auf seiner zweiten Kaplansstelle in der ihm völlig fremden Stadt Kaiserslautern „Anschluss bei Kolping“. Hier wuchs er in die Kolpinggemeinschaft hinein: Besonders gern ging er zum offenen Freitagstreff der Kolpingjugend Kaiserslautern-Zentral und nahm auch an ihren anderen Veranstaltungen, z.B. Zeltlagern, teil. Hier trat er als ordentliches Mitglied am 1. Januar 1993 in die Kolpingsfamilie ein. Seit 1995 ist er Pfarrer in Hochspeyer bei Kaiserslautern und Präses der örtlichen Kolpingsfamilie, an deren Leben er mit Freude teilnimmt.

König stammt aus einer katholischen Familie im vorderpfälzischen Hochdorf bei Ludwigshafen. Schön früh verspürte er den Wunsch, Priester zu werden. Eine Wurzel dieses Wunsches sieht er in der Begegnung mit Jesus Christus in der Eucharistie. Eine zweite in einem langen und nachdenklichen Suchen nach dem Sinn des Lebens. Für ihn gibt es Sinn nur mit Gott. Jeder Moment des Lebens muss von Gott durchdrungen und geprägt sein. Schließlich stellte er sich der Frage: Was will Gott von mir haben? Am Ende eines langen Fragens und Ringens um die eigene Berufung fiel die Entscheidung: Ich will Priester werden!

Für König haben Gebet, Gottesdienst, Spiritualität einen Hohen Stellenwert in Kolpingwerk und Kolpingjugend: „Alles was wir tun, muss gegründet sein im Glauben, muss zentriert sein in der Person Jesus Christus!“ Er sieht als Diözesanpräses seine Aufgabe darin, das geistliche Element in Kolpingsfamilie und Verband hineinzubringen, zu stärken und fruchtbar zu machen. Eine Kolpingsfamilie, in der der Präses einen engen Bezug zur Kolpingsfamilie hat, sei eine Bereicherung und ein Segen auch für die Kirchengemeinde.

Eine Gesellschaft ohne Gott wende sich gegen den Menschen, bedrohe die Menschlichkeit des Menschen, davon ist Diözesanpräses Andreas König zutiefst überzeugt: „Wir haben als Kolpingsfamilie die Aufgabe, Sauerteig des Glaubens in der Gesellschaft zu sein: Gott muss drin sein in der Kolpingsfamilie. Die Kolpingsfamilie aber muß drin sein in der Gesellschaft. Nur so kann sie einen Beitrag leisten, dass Gott in unserer Gesellschaft nicht vergessen wird“.