„Vertrauen ist das Entscheidende!“

Br. Thomas Freidel OFMConv, Kaiserslautern, beim Bezirkstag des Kolpingwerkes in Landstuhl – Kolpingsfamilien als Keimzellen des Vertrauens

Landstuhl. – „Muss ich von einem Menschen, den ich liebe, alles wissen, wie auch er von mir? Wie auch immer die Antwort auf diese Frage ausfällt, behalte diesen Antwort für dich, sonst müsste darauf die nächste Frage folgen: Und was verheimlichst du mir?“, fragte Br. Thomas Freidel OFM Conv, Bezirkspräses des Kolpingwerkes Kaiserslautern-Landstuhl, in seiner Predigt zum Bezirkstag in der Pfarrkirche St. Markus, Landstuhl. Über 80 Mitglieder aus acht Kolpingsfamilien waren in die Sickingenstadt gekommen, um in familiärer Weise einander zu begegnen, gemeinsam den Glauben voreinander zu bekennen und miteinander zu feiern.

Die Geschichte in der Genesis von den zwei Liebenden im Garten Eden und „ihrem Sündenfall“ führe uns nicht zurück in die graue Vorzeit, so der Franziskaner weiter, sie zeige uns vielmehr einen Blick auf den Grund des menschlichen Herzens, sie erzähle uns unsere eigene Geschichte.

Diakon Br. Thomas Freidel OFMConv 
bei seiner Predigt in der Pfarrkirche St. Markus, Landstuhl-Atzel.

Sündenfall heiße, sein wollen wie Gott. Gott habe Regeln aufgestellt, aber dem Menschen die Freiheit gelassen. Gott sei kein Gesetzgeber mit der Willkür des Bundesfinanzministers. Er verbiete eigentlich gar nicht, er habe vielmehr den Menschen ganz nüchtern gesagt: „Wenn du von diesem Baum isst, musst du sterben. Von diesem Baum zu essen, ist tödlich für die Liebe. Grenzen überschreiten, ist tödlich.“ Der Mensch jedoch frage: „Warum soll ich nicht essen von diesem Baum? Wer sollte mir das verbieten, außer diesem Gott, der nur Angst davor hat, dass ich ihm seinen Platz streitig mache?“ Das Ergebnis sei bekannt. Das Kernproblem der Geschichte vom Sündenfall sei: An die Stelle vertrauter Nähe ist das Misstrauen getreten. Die Menschen hätten entdeckt, dass sie nackt sind – und sie schieben einander die Schuld zu. „Selbstherrlichkeit, die nicht vertrauen kann, die alles probiert haben muss, alles selbst wissen muss, diese angemaßte Selbstherrlichkeit ist die – Ursünde.“

„Wie ist es bei uns, in unseren Familien, Pfarreien, Kolpinggemeinschaften?“, fragte Br. Thomas weiter. „Wir tun viel und planen viel. Wir engagieren uns, suchen auch, uns weiterzubilden. Alles gut und richtig. Aber was ist Entscheidende?“ Das Entscheidende sei, dass Vertrauen wachse! Dass unsere Kolpingsfamilien zu Keimzellen des Vertrauens würden.

Zwischen den Bannern das Zeichen unserer Erlösung durch den Auferstandenen Herrn: 
die brennende Osterkerze.

Leben und Tod würden den Menschen im Garten Eden zur Wahl vorgestellt. Doch sie lebten auch nach der Vertreibung von dort weiter. Was sei hier mit dem Sterben gemeint? Wer nicht vertrauen könne, werde nicht lieben können, wer nicht lieben könne und nicht geliebt werde, der sei eigentlich schon tot, auch wenn er physisch noch herumlaufe. Natürlich könne ich so irgendwie existieren, aber: „Ist das wirklich Leben?“

„Müssen Liebende alles wissen voneinander?“, fragte noch einmal der Bezirkspräses. Wo durch wachsendes Vertrauen Liebe entstehen könne, erübrige sich diese Frage. Br. Thomas rief die Zuhörer auf, wieder neu den Weg des Vertrauens zu wagen, der allein zur Liebe führe. Gott mache uns dazu Mut.

 

Bezirkspräses Br. Thomas und Pfarrer Michael Kühn, Landstuhl, der die Messfeier leitete.

In den Mittelpunkt seines spirituellen Impulses im Pfarrheim St. Markus stellte Pfarrer Michael Kühn, Landstuhl, den Gedanken des Fastens als ein Festmachen in Gott: „Wie aber machen wir unser Leben in Gott fest? Indem wir an das Evangelium glauben und einander lieben!“, so der Referent wörtlich. Wie viel Zeit nehme Gott in unserem Alltag ein, Zeit, um uns festzumachen in Gott? Gottes Wort, seine Botschaft, Nähe, Hilfe und Kraft seien Halteseile Gottes, die mich nicht binden, sondern frei machen! Wer sich an Gott festmache, „hebt ab“ in die Höhe, Weite und die Sinnhaftigkeit des Lebens. Wer sich an Gott festmache, verinnerliche das Lebensmodell Jesu, der verändere sich, werde ein anderer Mensch.

Adolph Kolping habe gezeigt, wie spannend ein Leben mit Gott ist, seine Idee und sein Werk seien Übertragungen der Botschaft Jesu in das Hier und Heute.

Blick in den Saal des Pfarrheims St. Markus, Landstuhl.

Diözesanreferent Thomas Bettinger informierte über aktuelle Ereignisse, Maßnahmen und Projekte des Diözesanverbandes. Br. Thomas gab seinen Abschied von Kaiserslautern bekannt, sein Orden habe ihn für eine andere Aufgabe abberufen. Er dankte den Kolpingsfamilien für die gute Zeit in den vergangenen gemeinsamen Jahren mit einem von Herzen kommenden „Treu Kolping!“ (tb)