Von der pfälzischen Herzlichkeit beeindruckt

DV Speyer: Führungskräfte des Kolpingwerkes Brasilien zu Gast in der Pfalz

 

Erst 30 Jahre ist er alt und damit wahrscheinlich der jüngste Vorsitzende eines nationalen Kolpingwerkes weltweit: Wagner Carneiro de Santana, der Präsident des Brasilianischen Kolpingwerkes, des Obra Kolping do Brasil (OKB). Aus Anlass des 40jährigen Jubiläums der Aktion Brasilien weilte er mit weiteren Führungskräften aus Sao Paulo, der Geschäftsführerin Sonja Aparecida Guilherme de Teixeira und Padre Raimundo Aristides, dem stellvertretenden Nationalpräses des OKB, in Deutschland, um an den zentralen Feiern teilzunehmen und wichtige Gespräche über die weitere Zusammenarbeit mit den Verantwortlichen von Kolping International und den Partnerdiözesenverbänden zu führen. 

 

 

40 Jahre Obra Kolping do Brasil. 40 Jahre Freundschaft zwischen Kolping Brasilien und Kolping Deutschland.
Dieses Wandbild ist ein Geschenk der brasilianischen Gäste und hängt im Kolpingbüro Kaiserslautern.

Ehrenamtlich leitet der gelernte Historiker einen Verband mit über 430 Kolpingsfamilien und 23.000 Mitgliedern – Tendenz steigend! - in einem Land, das 23 mal so groß ist wie Deutschland. Seine gesamte Freizeit nimmt Kolping in Anspruch. Immer, wenn es ihm möglich ist, geht er vor Ort und besucht eine Kolpingsfamilie. Die Entfernungen, die er dabei zurückzulegen hat, sind allerdings beträchtlich: Zwischen der südlichsten und der nördlichsten Kolpingsfamilie erstrecken sich mehr als 5.000 km! Mut und Kraft bezieht Santana aus einem tiefen christlichen Glauben; er gehört der Laiengemeinschaft des Teresianischen Karmel an. Die Idee Adolph Kolpings, die Bildung und Förderung des arbeitenden Menschen und der Familie im Geist der Solidarität Jesu, ist fest in ihm verwurzelt. Sie unter den sozialen Bedingungen der gegenwärtigen Zeit, gemeinsam mit vielen anderen, in seinem Heimatland zu verwirklichen, sieht er als große Herausforderung an:

Die hohe Arbeitslosigkeit von 35 % sei das größte Problem Brasiliens. Von großer Not betroffen seien die Menschen in den Favelas, den Elendsvierteln in den Randlagen der Millionenstädte. „Ihnen leisten wir Hilfe zur Selbsthilfe“, sagt er in einem Pressegespräch. Als Beispiele der umfassenden Aktivitäten des OKB nennt er Alphabetisierungskurse, schulische und berufliche Ausbildung junger Menschen - ein Schwerpunkt dabei ist das Handwerk -, die Förderung des produzierenden Gewerbes und der sogenannten kleinen Selbständigen, Wohnungsbauprojekte. Die Familie stärkt der Verband mit seinem Engagement in den Bereichen Sozialfürsorge, Gesundheit, Erziehung, Freizeit, Frauen und Senioren. Ganz wichtig ist das politische Engagement. In einem Land, in dem es über 500.000 Organisationen gibt, die die Zivilgesellschaft Brasiliens gestalten wollen, mischt Kolping kräftig mit. Bereits mehrfach ist der Verband für sein effizientes Sozialengagement ausgezeichnet worden. Die Umgestaltung der Gesellschaft ist für den Präsidenten des OKB aber „ein langer Prozess der kleinen Schritte auf der Grundlage der Soziallehre der Kirche und des Vermächtnisses von Adolph Kolping.“

Wagner hat Herzblut! Präsident Wagner Caneiro de Santana beim 1. FCK auf dem Betzenberg in Kaiserslautern.

Mit einem Gottesdienst in der Wallfahrtskirche zu Oggersheim, zelebriert von Diözesanpräses Pfarrer Andreas König, begann die viertägige Reise der brasilianischen Gäste durch das Bistum Speyer. Begleitet wurden sie von Rolf Schäfer, dem Ehrenvorsitzenden des Speyerer Kolpingwerkes, bei dem sie auch für ihre Zeit in der Pfalz wohnten. Besuche in den Kolpingsfamilien Oggersheim, Deidesheim und Kaiserslautern-Zentral schlossen sich an. Klaus Butz, der Diözesanvorsitzende, begrüßte die Freunde von Übersee zu einem „Fairen Frühstück“ in der Geschäftsstelle des Kolpingwerkes in Kaiserslautern. Ein intensiver Gedankenaustausch mit dem Diözesanvorstand über die weitere Zusammenarbeit, an dem auch der Brasilienreferent von Kolping International, Martin Rüber aus Köln, teilnahm, bildete die Mitte der deutsch-brasilianischen Begegnung. Eine Höhepunkt dürfte die Besichtigung des WM-Stadions Betzenberg für die Gäste gewesen sein. Die Führung übernahm der ehemalige Präsident des 1. FCK und langjährige Vorsitzende der Kolpingsfamilie Kaiserslautern-Zentral, Norbert Thines, persönlich. Im Gespräch mit Thines, der in der westpfälzischen Region für sein soziales Engagement bekannt ist, erfuhren die Gäste auch von der wachsenden Armut in Deutschland. Die notwendigen Übersetzungsdienste übernahmen Pastoralreferent Claudio Caetano und Mitglieder der portugiesischen Gemeinde in Kaiserslautern sowie die Deutsch-Brasilianerin Elisabeth Dunsbach aus Landstuhl.

Die brasilianischen Gäste im Fritz-Walter-Stadion Kaiserslautern. Von links nach rechts (stehend): 
Josef Heitz, Ludwigshafen-Pfingstweide, stellv. Diözesanvorsitzender, Rolf Schäfer, Oggersheim, Diözesanehrenvorsitzender, 
Sonja A. Guilherme Teixeira, Klaus Butz, Diözesanvorsitzender, Elisabeth Schäfer, Oggersheim, und Norbert Thines. 
Knieend von links nach rechts: Padre Raimundo und Präsident Santana. 

Alle drei brasilianischen Freunde zeigten sich sehr beeindruckt von der Herzlichkeit der gastgebenden Kolpingsfamilien. Diese Herzlichkeit werteten sie als Zeichen freundschaftlicher Verbundenheit zwischen der Pfalz und Brasilien, die nun noch fester und tiefer geworden sei: „Die Zusammenarbeit zwischen brasilianischem und deutschem Kolpingwerk trägt Früchte.“

Deutsch-Brasilianische Begegnung bei der Kolpingsfamilie Kaiserslautern-Zentral. 
Johannes Scholz, 2. Vorsitzender der Kolpingsfamilie (dritter von links), Hans-Georg Mader, Vorsitzender (vierter von links), es folgen Sonja Teixeira, Norbert Thines, Pfarrer Edmund Janson, Elisabeth und Rolf Schäfer, Oggersheim, und Padre Raimundo.

Das Kolpingwerk Brasilien besteht aus 432 Kolpingsfamilien mit insgesamt 23.080 Mitgliedern; 69 Kolpinggemeinschaften sind im Aufbau. Es ist in 21 Bundesstaaten Brasiliens, in 203 Gemeinden, 90 Diözesen und 253 Pfarreien vertreten (Stand: 1.1.2008). Sitz des Verbandes ist Sao Paulo. Zielsetzung des Verbandes ist die Bildung und Förderung des arbeitenden Menschen und der Familie auf der Grundlage des christlichen Menschenbildes. Alle Initiativen und Aktivitäten des Kolpingwerkes sind so gestaltet, dass sie von den örtlichen Gemeinschaften getragen werden, die sich als Selbsthilfegruppen vor Ort in Verbindung mit den regionalen und nationalen Verbandsgremien entfalten. Das Kolpingwerk baut auf die Initiative des Einzelnen, besteht auf der Autonomie der örtlichen Gruppen und fördert den freien Spielraum der aus dem Volk heraus entstehenden Organisationen der Zivilgesellschaft. Das Obra Kolping do Brasil ist anerkannte Nichtregierungsorganisation (NGO) und hat mehrfach Auszeichnungen für besondere Effizienz im sozialen Bereich erhalten.