Adolph Kolping – ein Prophet und Provokateur
Kerngedanken aus dem Vortrag von
Bundespräses Msgr. Alois Schröder am
22.06.2008
Adolph Kolping ist kein
Seliger, der sich für den hohen Sockel eignet, so dass man lediglich zu ihm
aufschauen und ihn bewundern könnte oder müsste. Vielmehr provoziert er durch
sein Glaubens- und Lebensbeispiel zu persönlicher Stellungnahme und
Auseinandersetzung.
Konsequent und eindeutig in
seiner Treue zum Papst und zur Kirche geht er neue und ungewohnte Wege in
seiner priesterlichen und pastoralen Arbeit. Tief verwurzelt im Vertrauen auf
Gott und erfüllt vom Geist des Evangeliums ergreift er die Option für die Armen
seiner Zeit. Zu diesen gehörten vor allem auch die wandernden
Handwerksgesellen. Gegen den Widerstand und das Unverständnis aus den eigenen
Reihen macht er den Dienst im und am Katholischen Gesellenverein zu seiner
Lebensaufgabe.
Die Maxime seines Handelns
lautet: „Tätige Liebe heilt alle Wunden, bloße Worte mehren nur den Schmerz!“ Adolph
Kolping hält den Christen und den Kirchen den Spiegel vor, weil sie angesichts
der Arbeiterfrage, der großen Sozialen Frage des 19. Jahrhunderts, weitgehend
apathisch und untätig bleiben. Die Trennung von religiösem und
irdisch-sozialem, von sakralem und profanem Leben brandmarkt er als die „große
allgemeine Versündigung an der Gesellschaft“. Adolph Kolping warnt vor der
Gefahr eines kirchlichen Getto-Denkens und damit vor der Gefahr eines
eklatanten Verrats am missionarischen und diakonischen Auftrag der Kirche. Für
ihn steht die Glaubwürdigkeit der Kirche auf dem Spiel.
Adolph Kolping wird zum
sozialen Gewissen der Kirche in seiner und in unserer Zeit. Seine Seelsorge ist
in der Verkündigung des Wortes Gottes und in der Feier der Sakramente gegründet
und bekommt Hand und Fuß in der tätigen Liebe und im sozialen Engagement. Durch
sein publizistisches Wirken trägt er christliche Wahrheiten und
Wertvorstellungen in die Öffentlichkeit. Sein Credo lautet: „Das Christentum
ist nicht bloß für die Kirche und die Betkammern, sondern für das ganze Leben.“
Adolph Kolping hat wie ein Prophet die Zeichen seiner Zeit erkannt und wurde
durch sein weltoffenes Tun als Priester und Sozialreformer zu einer kritischen
Anfrage für die Kirche. Seine neue Form von Seelsorge provoziert und ermutigt
uns zu einer zeitgemäßeren Pastoral und Inkulturation des christlichen
Glaubens.
Msgr. Alois Schröder
Bundespräses