„Menschlich ein großartiges Erlebnis"

HOCHSPEYER/WEILERBACH: Kolpingbrüder helfen beim Bau eines Bildungshauses in Nordbrasilien


Sechs Kolpingbrüder haben im nordbrasilianischen Esperantina ein Bildungshaus gebaut. In Deutschland gesammelte Spenden machten das Vorhaben möglich. Partner der Aktion war das brasilianische Kolpingwerk „Obra Kolping do Brasil".

Dreieinhalb Wochen arbeitete die Gruppe - Christoph Rung, Manuel Heß, Hans-Jürgen Renger, Jörg Stengel, Walter Rung und Ulrich Müller - in Esperantina, eine Woche besuchte sie anschließend Salvador de Bahia und Rio de Janeiro. „Mehr als zufrieden bis begeistert" zeigen sich drei von ihnen im Gespräch mit der RHEINPFALZ über ihren ehrenamtlichen Einsatz in Südamerika.

Delegationsleiter Walter Rung, hauptberuflich Bürgermeister der VG Hochspeyer, Hans-Jürgen Renger, Vorsitzender der Kolpingfamilie Hochspeyer, und Weilerbachs Pfarrer Jörg Stengel erzählen, wie Beton mit einer Schaufel gemischt, gerade Verschalungen aus krummen Brettern gebaut und aus einem Ziehbrunnen Wasser aus acht Metern Tiefe geholt wurde.

„Ein ländliches Gebiet mit so wenig Infrastruktur habe ich noch nicht kennen gelernt", sagt Rung. Trotzdem schwingt Respekt vor der Improvisationskunst der Brasilianer in seinen Worten mit. Mit primitivsten technischen Mitteln dauerhafte Bauwerke hinstellen zu können, sei schon bewundernswert. „Zum Teil waren sogar die Werkzeuge selbst gebastelt. Ein Fuchsschwanz war vorhanden, aber keine Flex, kein Bolzenschneider, kein Meter!"

Mitgebracht hatten die Kolpingbrüder zwei Bohrmaschinen und eine Handkreissäge, alles strombetrieben. Aber woher die Elektrizität nehmen? Von einem Nachbarhaus wurde schließlich Haushaltsstrom besorgt. Zum Vermessen der Vertikale gab es nur das Senkel und für die Horizontale eine Schnur. Die mitgebrachte Wasserwaage war eine Sensation. „Ständig hatten wir Zuschauer aller Altersklassen an der Baustelle, manchmal über 30 Personen." Ohne Hebezeug und mit einer wackligen viersprossigen Leiter ging es in die in Höhe. „Je weiter nach oben, je mehr verlangsamte sich der Prozess", erinnert sich Stengel.

Stürze für Fenster und Türen sowie die Eckpfeiler, aus Beton gegossen, lösten Erstaunen aus. „So baut man dort nicht." Bauleiter auf brasilianischer Seite war Antonio, ein zuverlässiger Mann, der den Bau mit der ,alten" Truppe zu Ende führen wird. Unter europäischen Verhältnissen hätte man in der veranschlagten Zeit die Arbeit wohl vollendet, meint das Trio. Doch als die Deutschen abreisten, fehlt noch das Dach.

Das Haus erhält einen Saal, eine Toilette und eine Küche. Die trockene Hitze von annähernd 40 Grad ließ die Männer mittags, wenn die Sonne senkrecht am Himmel stand, im Schatten in Hängematten ruhen. Untergebracht waren sie im Pfarrhaus. Wasser war knapp, aber die Fröhlichkeit, die Fürsorglichkeit und Lebendigkeit der Brasilianer habe alles wettgemacht. „Menschlich war das ein großartiges Erlebnis", betont Stengel und verrät, dass er mit dieser Reise zum ersten Mal den europäischen Kontinent verlassen habe.

Die vielen und teils auch fremden Früchte hatten es Renger angetan. Er hielt sie im Bild fest und sagt: „Verhungern kann man dort nicht." Die Ameisen waren da schon eher lästig.

Mit „TüV geprüft und DIN 67691" (Hochspeyers Postleitzahl) hinterließen die sechs Helfer ihren Stempel im brasilianischen Beton.

Ein schöner Nebeneffekt war die Taufe von 20 Indianerkindern und die Gottesdienste, die Stengel mit Händen und Füßen und dank einiger portugiesischer Wortbrocken abhalten konnte. (ibr)