„Es ist keine Zeit zu jammern, sondern es ist Zeit zu handeln“

50 Jahre Kolpingsfamilie in Hauenstein

Hauenstein. - Die Idee, in Hauenstein eine Kolpingsfamilie zu gründen, wurde bei einem „Grumbeerebrode“ am 13. Oktober 1957 geboren. Die jungen Männer wollten ihren Entschluss nicht auf die lange Bank schieben und gründeten schon am 10. Dezember desselben Jahres die Kolpingsfamilie Hauenstein.

In Anwesenheit von Dr. Raimund Vatter, Diözesanpräses der Kolpingsfamilie, Pfarrer Dr. Aloys Schirmer und Prälat Georg Sommer wurde im Gasthaus „Zum Ochsen“ von den 27 Gründungsmitgliedern Waldemar Seibel zum ersten Senior gewählt. Das Amt des Altseniors übernahm Willi Kerner. Helmut Wengert wurde zum Schriftführer gewählt und Bruno Spehr zum Kassierer. Als Präses fungierte Kaplan Karl Krill. Der junge Verein bemühte sich unmittelbar nach seiner Gründung gleich um ein Banner. Am 8. Juni 1958 wurde es in der Christ-Königs-Kirche geweiht. Die Bannerweihe wurde mit einem Festumzug gefeiert, bei dem 18 Kolpingsfamilien aus der Pfalz und dem Saarland mit Abordnungen vertreten waren.

Somit war aus einer Gemeinschaft gleichgesinnter junger Männer, die sich zum Kartenspielen, Diskutieren und vielen anderen Unternehmungen trafen, ein christlicher Verein geworden. Präses Krill führte die ehemaligen „Wilden Gesellen“ an die Aufgaben heran, die dem Christen in der Welt damals wie heute gestellt sind. Krill konnte am 50. Jubiläum, das die Kolpingsfamilie mit Festgottesdienst und Feierstunde nun begehen konnte, aus gesundheitlichen Gründen nicht teilnehmen. In Gedanken sei er dabei, versicherte er in einer Grußbotschaft.

Eine andere, Kirche und Menschen prägende Gestalt war in seiner Kaplanszeit von 1965 bis 1968 Präses der jungen Kolpingsfamilie: der langjährige Diözesanpräses und heutige Domkapitular Prälat Gerhard Fischer.

Genau wie vor 50 Jahren strebt die Kolpingsfamilie Hauenstein heute danach, sich in allen Bereichen menschlichen Lebens christlich und weltoffen zu verhalten. Für ihre Mitglieder war und ist es eine Selbstverständlichkeit, immer wieder im Sinne der Kolpingidee ihre Arbeitskraft für das Gemeinwohl einzubringen. Sie halfen z.B. beim Anlegen und der Pflege der Außenanlagen der Friedenskirche und des Karmelklosters. Im Jahr 1970 entfernten sie als Vorarbeit den alten Innenputz in der Katharinenkapelle. Gerne an ihrer Seite arbeitete - im „Blaumann“! - der ehemalige Pfarrer von Hauenstein und Präses der Kolpingsfamilie, Pfarrer Otto Ernst. Heute noch wird die Geschichte von dem jungen Mann erzählt, der die vor der Kapelle arbeitenden Männer nach dem Pfarrer fragte. Diese schickten ihn in die Kapelle, die er mit den Worten „Da ist kein Pfarrer, da sind nur Arbeiter!“ gleich wieder verließ.

Immer mehr Frauen begleiteten vor 25 Jahren ihre Männer zu den Treffen in geselliger Runde und zu den Bildungsabenden. Seit dem Jahr 1966 konnten Frauen Mitglieder im Kolpingwerk werden. 1982 traten Agnes Engel, Gertrud Keller, Erika Kühlmeyer, Vroni Naser und Agathe Streb der Kolpingsfamilie bei. Sie wurden in der Feierstunde zum 50. Jubiläum zusammen mit Roger Busch für ihre 25jährige Mitgliedschaft geehrt. Gilbert Becker, Theo Busch, Karl Hasselwander, Willibald Hauch, Josef Köstner, Martin Heiner, Otto Memmer, Alois Stöbener und Hugo Vögler sind die überlebenden Gründungsmitglieder. Sie wurden nun mit Ehrennadel und Urkunde für ein halbes Jahrhundert Treue zu Adolph Kolping und seinem Werk geehrt.

 

Unser Bild zeigt v.r.n.l.: Pfarrer Gerhard Kästel, Gilbert Becker, Martin Heiner, Alois Stöbener, Willibald Hauck, Otto Memmer, Theo Busch, Karl Hasselwander, Josef Köster, Hugo Vögeler und die 1. Vorsitzende Ruth Köstner. (Foto: Meyer)

Begonnen hatte der runde Geburtstag mit einem Festgottesdienst in der Christ-Königs-Kirche, bei dem Bannerabordnungen befreundeter Kolpingfamilien einzogen und der Kirchenchor für musikalische Fixpunkte sorgte. Zur Feierstunde im Pfarrheim, die musikalisch von Rafael, Tobias und Annette Braun gestaltet wurde, konnte die Vorsitzende Ruth Köstner viele Vertreter von Hauensteiner Vereinen begrüßen, die damit der Kolpingsfamilie ihre Wertschätzung bekundeten. Köstner, die der Kolpingfamilie Hauenstein seit 13 Jahren vorsteht, musste sich im Vorfeld überlegen, wen sie bitten könnte, die Festrede zu halten. Schnell hatte sie im jüngsten Vereinsmitglied, Pfarrer i. R. Hermann Kuntz, einen engagierten Mitstreiter gefunden, der das Amt gerne übernahm. In vielen Arbeitsstunden hatte er zusammen mit Heinrich Martin und Stefan Lorenz die alten Unterlagen studiert. So „ganz nebenbei“ erstand dabei die Festschrift und Chronik „Es ist keine Zeit zu jammern, sondern es ist Zeit zu handeln“. Diesen Ausspruch von Adolph Kolping hat die Hauensteiner Kolpingsfamilie im Jubiläumsjahr auf ihre Fahne geschrieben. Für seine Festrede hatte Pfarrer Kunz errechnet, dass sich die Kolpingsfamilie in den letzten 50 Jahren an zirka 1.500 Abenden getroffen hat. Nicht mitgerechnet hatte er Ausflüge, gesellige Beisammensein und gesellschaftliche Verpflichtungen.

Verbandsbürgermeister Ulrich Lauth und Ortsbeigeordneter Alfred Busch versicherten für die politische Gemeinde, dass sie die geleistete Arbeit der Kolpingsfamilie hoch schätzen und boten weiterhin ihre Unterstützung für das segensreiche Wirken der Kolpingemeinschaft an. Wüßten sie doch, dass manche Arbeit „einfach so“ erledigt werde, ohne dies an die große Glocke zu hängen, aber das Geldsäckel der Gemeinde schone. Patrick Stöbener, langjähriges Mitglied der Kolpingsfamilie und Diözesanvorsitzender des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ), dankte der Kolpingsfamilie für ihr kirchliches und soziales Engagement. (mom)