"Der Ball ist rund"
18. Literarischer Abend der Kolpingsfamilie Erfenbach

Erfenbach. Die Fußballweltmeisterschaft ist zu Ende, die Begeisterung für das Spiel mit der Lederkugel ist geblieben. Zumindest in Erfenbach. Dort hatte die Kolpingsfamilie zum 18. Literarischen Abend auf die "Kleinkunstbühne" des Pfarrheims geladen. Unter dem Motto "Der Ball ist rund" oder "Fußball ist unser Leben" agierten die Akteure mit fußballerischer Leidenschaft, spannten den Bogen von den Anfängen des Mannschaftssports über das Fußballidol Fritz Walter bis hin zum Betzefan, setzten sich humorvoll mit dem Regelwerk der Sportart auseinander, ließen bekannte Autoren über die Glücksspieler des Rasens zu Wort kommen und parodierten Fangesänge.

Bekanntlich ist Fußball eine ernste Angelegenheit. So stimmten Georg Brehm, Franz Henrich, Barbara Schneider und Norbert Herbrand gemeinsam die Nationalhymne an, und alle standen auf und sangen mit. Erinnerungen an unvergessliches sommerliches Fußball-Feeling in Lauterns überfüllten Straßen wurden wach. Fußballfieber auch im Pfarrsaal: Vor einem Rasenfeld samt Betze- und Deutschlandfahne als Bühnenrequisiten liefen Georg Brehm als Schiedsrichter im schwarzen Dress mit kurzer Hose und seine Teamkollegen im gelb-grünen Trikot während einer Spielzeit mit Verlängerung zur Hochform auf. Zur Unterhaltung des Publikums landeten sie gezielte Flanken und bombige Volltreffer. Verbale Lockerungsübungen aus der Feder bekannter Komiker wie "Wenn 44 Beine rasen ohne Ziel, nennt man das Rasen Rasenspiel" oder "Wer Waden hat, braucht für den Sport nicht zu sorgen" gehörten dazu wie Anekdoten aus der Gemeinderatssitzung einer bayerischen Provinz von anno dazumal, wo bornierte Geister dem Fußballspiel als "Verderbtheit der Zeit" die rote Karte zeigten. Lapidare Statements über das Fußballspiel wie "Der Gegner stört!" drückt Jean Paul Sartre philosophisch aus: "Es kompliziert sich alles durch die Anwesenheit der gegnerischen Mannschaft."

Die Akteure v.l.n.r.: Barbara Schneider, Georg Brehm, Norbert Herbrand und Franz Henrich.

"Geh doch fort!", unterstrich Georg Brehm in der Rolle von Heinz Becker, dem saarländischen Spießer und Besserwisser, mit einer abweisenden Armbewegung, die Idee von Ehefrau Hilde, auf dem Rasen der Spielfeldmitte Tulpen zu pflanzen. "Der muss doch kurz gemäht werden. Aber besser noch, der Klinsmann würde seine Spieler kurz halten." Amüsant der Dialog, warum der Ball erst ins Tor muss, wenn der Tormann ihn doch wieder raus schießt. Ebenso die Szene mit dem schlitzohrigen Geistlichen Don Camillo und Peppone, dem roten italienischen Bürgermeister, die beide den Schiedsrichter bestechen, damit ihre Mannschaften gewinnen sollen.

Zu einem Highlight avancierte der Auftritt von Dekan Ewald Sonntag auf der Bühne als Testperson. Er wolle nicht von ihm wissen, wie viel Löcher das Tornetz habe, flachste Georg Brehm. Wie aus dem Effeff nannte der Pfarrer von Erfenbach dagegen die Aufstellung der deutschen WM-Elf von 1954. Reporter Herbert Zimmermann und seiner Reportage vom Endspiel Deutschland gegen Ungarn ebenbürtig, ließ er die Zuschauer noch einmal an dem Wunder von Bern teilhaben. "Aus! Aus! Aus! Das Spiel ist aus! Deutschland ist Weltmeister. Schlägt Ungarn mit drei zu zwo Toren im Finale in Bern", parodierte der profunde Fußballkenner die letzten Spielsekunden.

Bei so viel Erhellendem um die schönste Sache der Welt, durfte der Gesang nicht fehlen. Im Outfit eines Tormanns sang Norbert Herbrand das bekannte Lied vom "Theodor, der steht bei uns im Fußballtor". Am Klavier begleitet wurde er von Christoph Immetsberger. Lokalpatriotismus versprühten die Akteure, als sie gemeinsam Fangesänge anstimmten: "Wir ziehen den Bayern die Lederhosen aus", "Steht auf, wenn ihr Lauterer seid" und "Der FCK wird siegen alle Jahre wieder, wie ist das wunderschön". Was konnte den Besuchern nach solch sportlichen Darbietungen rund um den Fußballspaß besser munden als ein leckerer Fitnessteller aus der Kolpingküche. Den ließen sie sich an mit Kunstrasenstücken und kleinen Fußbällen dekorierten Tischen schmecken. (Joachim Schwitalla)