Beim Sonntag geht es um die Menschlichkeit
Kolping: Schutz des Sonntags beginnt am Samstag
Kaiserslautern. Vor einer "maßlosen Liberalisierung des Ladenschluss" warnt das Kolpingwerk im Bistum Speyer. Für das Kolpingwerk beginne der Schutz des Sonntags bereits am Samstagnachmittag, erklärten Diözesanvorsitzender Rolf Schäfer, Oggersheim, und Diözesanpräses Pfarrer Andreas König, Hochspeyer. Deshalb fordere das Kolpingwerk einen in allen Bundesländern verbindlichen und einheitlichen Ladenschluss von samstags 18 Uhr bis montags 6 Uhr.
Mit dem Inkrafttreten der Föderalismus-Reform seien nunmehr die Bundesländer für die Ladenöffnungszeiten zuständig. Was bisher bundeseinheitlich geregelt war, könne künftig in den Ländern erlaubt und ausprobiert werden. Eine Vielzahl von Bundesländern habe bereits angekündigt, die bisherigen Regelungen zu lockern. Das Kolpingwerk im Bistum Speyer begrüße daher die Haltung des saarländischen Ministerpräsidenten Peter Müller, der keinen "Handlungsbedarf" sehe. Das Kolpingwerk, das sich in Fragen der Familienpolitik und für den Schutz des Sonntages seit Jahren engagiere, erwarte auch von der rheinland-pfälzischen Landesregierung keine Lockerung des Ladenschlusses an Samstagen.
Übereinstimmend fordern Schäfer und König von beiden Bundesländern klare Grenzen für die Ladenöffnung am Wochenende. Hier könnten beide Bundesländer mit "gutem Beispiel vorangehen" und die seither gültige 20-Uhr-Grenze auf 18 Uhr reduzieren. "Was nutzt der Ladenschluss am Sonntag, wenn am Samstag die Geschäfte bis Mitternacht aufbleiben können. Damit wird für Familien der Schutz des Sonntags zur reinen Farce", kritisiert Schäfer.
Auch ökonomische Gründe können aus Sicht des Kolpingwerkes nicht zur Liberalisierung der Ladenöffnungszeiten angeführt werden. Die Erfahrung mit der Ladenschluss-Lockerung während der Fußballweltmeisterschaft habe deutlich gezeigt, dass erweiterte Öffnungszeiten kein zusätzliches Geschäft brächten. Selbst der Einzelhandel sei in dieser Frage zwiespältig: Für viele große Fachgeschäfte rechneten sich die Personalkosten bei ausbleibendem Umsatz-Plus nicht. Das Kolpingwerk wehre sich nach wie vor gegen die verbreitete Mentalität einer "Rund-um-die-Uhr-Gesellschaft" und setze bewusst seine Philosophie von "familienfreundlicher Arbeitszeiten" zugunsten einer familienfreundlichen Gesellschaft dagegen.
Diözesanpräses König wies besonders auf die religiöse Dimension des Sonntags hin. Der Sonntag sei für die Christen ein Geschenk Gottes und Hinweis darauf, daß der Mensch sich nicht an die Welt verlieren dürfe, daß er sich immer wieder darauf besinnen müsse, worauf es eigentlich ankommt, was der tragende Urgrund seiner Existenz ist. Der Sonntag sei "Feier des befreiten Daseins", er wolle den Menschen freisetzen aus der Gebundenheit an Arbeit und Erwerb, aus der Last und Beschwernis des Alltags. Er sei leibliches und seelisches Aufatmen und zugleich vorausschauende und hoffnungsvolle Vorausfeier der eigenen Vollendung in Gott. Eine Gesellschaft, die den Sonntag scheinbar ökonomischen Zwängen opfere, liefere den Menschen an eine Wirtschaft aus, in der der Profit über dem Menschen stehe. Sie opfere den Sonntag als Entfaltungsraum des Heiligen mit seiner heilenden und befreienden Kraft und damit ein wesentliches Stück Menschlichkeit. Sie zerstöre darüber hinaus ein Stück demokratischer Kultur, deren Fundament nicht das Prinzip der Gewinnmaximierung, sondern die Menschenwürde und ihre Unantastbarkeit sei.

Das Kolpingwerk Diözesanverband Speyer unterstütze daher mit Nachdruck die geplanten Aktivitäten des Verbandes zum Schutz des Sonntags in ganz Deutschland. Es solle deutlich gemacht werden, dass Ladenöffnungszeiten und ein geschützter Tag in der Woche eine zentrale soziale Bedeutung haben für Familien, Freundeskreise, Nachbarschaften, Vereine und Verbände – ja für alle Menschen in Deutschland. Für Schäfer und König sollten an den Sonntagen die Kirchenglocken den Ton angeben und nicht das Klingeln der Ladenkassen. Das Kolpingwerk unterstützt die Unterschriftenaktion des Bonifatiuswerkes "Sonntags nie!" und ruft seine Mitglieder auf sich daran zu beteiligen. Information im Internet: www.bonifatiuswerk.de.