"Der Mensch ist, was er isst"
KolpingForum Erfenbach

Erfenbach. Die Ernährung hat einen entscheidenden Einfluss auf das Wohlbefinden und die Gesundheit des Menschen. Doch Skandale um verdorbene Lebensmittel, Streitigkeiten um Kennzeichnungspflichten, negative Schlagzeilen über strittige Zusatz-, Ergänzungs- und Farbstoffe in Lebensmitteln und Ungereimtheiten über die Herkunft und die Erzeugung von Nahrungsmitteln verunsichern den Verbraucher und werfen Fragen auf. "Der Mensch ist, was er isst!" lautete die Forumsveranstaltung der Kolpingfamilie Erfenbach, die Fachleuten Plattform bot, über die Thematik zu informieren und zu diskutieren.

Unter der Leitung von Klaus Butz, Vorstandsmitglied des Kolpingwerkes Diözesanverband Speyer, informierten und diskutierten im gut besetzten Pfarrzentrum die Diabetesberaterin Karin Rose, Professor Dr. Dr. med. Dieter Schrenk von der TU Kaiserslautern, Fachbereich Lebensmittelchemie, und Christian Deisenroth, Vertriebsleiter Obst/Gemüse der Firma Wasgau.

(v.l.n.r.)Christian Deisenroth (Vertriebsleiter Firma Wasgau), Klaus Butz (Diözesanvorstand des Kolpingwerkes), Karin Rose (Ernährungsberaterin), 
Prof. Dr. Dr. med. Dieter Schrenk (Universität Kaiserslautern) 

(Foto: M. Schwarz)

Karin Rose diagnostizierte einen ursächlichen Zusammenhang zwischen Ernährung und Gesundheit. Die Diabetesberaterin, die es hauptsächlich mit chronisch Kranken zu tun hat, sieht die Ursache von Diabetes in einer falschen Lebensweise: "Wir essen zu viel, zu süß und zu fett, konsumieren zu viel Alkohol und haben zu wenig Bewegung." Das führe zu Übergewicht und in der Folge zu Diabetes Typ 2. In der Bundesrepublik wären acht Millionen Menschen an Diabetes erkrankt, die Dunkelziffer sei wahrscheinlich genauso hoch. Wenn sich am Essverhalten nichts Grundlegendes ändere, müsse man weltweit von einer Diabetes-Epidemie sprechen. Wie Butz vertrat Rose die Auffassung, dass 70 Prozent aller Erkrankungen auf falsche Ernährung zurück zu führen seien, und empfahl als Vorbeugemaßnahmen eine Überprüfung und eventuelle Korrektur des Ernährungsverhaltens. Den häufigsten Erkrankungen, Herz-Kreislauf, Krebs, Diabetes, könne man mit einer ausgewogenen, gesunden Ernährung - viel Obst, Gemüse, Salat, maßvollen Gebrauch von ungesättigten und mehrfach ungesättigten Fetten - sowie Bewegung und Sport (mindestens 30 Minuten Gehen am Tag) vorbeugen. Ernährungsphysiologisch seien drei Mahlzeiten am Tag ausreichend und sinnvoll.

Christian Deisenroth, der für ein in Deutschland bedeutendes Unternehmen den Part des Händlers übernommen hatte, verbürgte sich für die kontrollierten Angebote seiner Firma. Unabhängige Institute überprüften die Lebensmittel der Firma Wasgau. Man präferiere gerade in der Obst- und Gemüsesparte Produkte aus der Region und stehe für deren Frische. Der Spagat zwischen Profit und Gesundheit, zwischen Produzent, Händler und Verbraucher, sei nicht einfach. Wasgau-Firmenphilosophie sei eine auf einem Vertrauensverhältnis basierende ehrliche und faire Kostenkalkulation unter dem Aspekt größtmöglicher Qualität.

"Mein Part ist die Sicherheit der Lebensmittel", umschrieb Professor Dieter Schrenk seinen Arbeitsbereich bei der Technischen Universität Kaiserslautern, Fachrichtung Lebensmittelchemie. Er vertrat die Auffassung, dass die Lebensmittel nicht so belastet, ungesund und vergammelt seien, wie reißerische Schlagzeilen und Reportagen glaubhaft machen wollten. Die technologische, fabrikmäßige Herstellung von Lebensmitteln sei weit verbreitet und meist von hoher Qualität. Das Lebensmittel- und Futtermittelgesetz regele die Beschaffenheit von Geschmacks-, Farb- und Aromastoffen. Diese müssten auch auf der Verpackung aufgelistet sein. Auch gentechnisch veränderte Lebensmittel unterlägen der Deklarationspflicht. Er wisse aber auch von unterschwellig gentechnisch manipulierten Lebensmitteln. So werde zum Beispiel in Bier oder Käse gentechnisch veränderte Bakterien und Hefen eingesetzt. Er halte die Diskussion um die Gentechnik "ideologisch stark überfrachtet" und die Gentechnik selbst weitgehend für ungefährlich. Er erachte es aber als sinnvoll, dass Gesetze regelnd eingreifen. Schrenk plädierte allerdings auch dafür, gentechnisch veränderte Produkte auf den Prüfstand zu nehmen, und setzte sich für eine Überwachung durch Experten ein. Zwar gäbe es beim Verzehr von gentechnisch manipulierten Lebensmitteln immer ein Restrisiko, doch halte er das für äußerst gering. Es sei irrig anzunehmen, dass in der Ernährung allein die Garantie für ein langes Leben und hohes Alter liege.

Moderator Klaus Butz forderte mit seinen oft provozierenden Einwürfen und Fragestellungen die Diskutanten heraus und gab damit Anlass für eine rege Auseinandersetzung zwischen Besuchern und Podium. Kolpingvorsitzender Franz Henrich dankte den Podiumsteilnehmern mit einem kleinen Präsent. (gbr)