Würde der Arbeit wurzelt in Würde des Menschen

Kaiserslautern: Gesellentag der Handwerkskammer der Pfalz mit P. Professor Friedhelm Hengsbach SJ als Gastreferent

Die Würde der Arbeit und die Würde des Menschen standen im Mittelpunkt des diesjährigen Gesellentages der Handwerkskammer der Pfalz, zu dem als Gastreferent Professor Friedhelm Hengsbach von der Philosophisch-Theologischen Hochschule St. Georgen in Frankfurt gewonnen werden konnte.

Hengsbach, der zu den prominentesten Vertretern der christlichen Soziallehre gehört und seit 1992 das Oswald von Nell-Breuning-Institut für Wirtschafts- und Gesellschaftsethik leitet, stellte seinen Vortrag vor fast 50 interessierten Zuhörern unter die Überschrift: "Die Würde der Arbeit wurzelt in der Würde des Menschen". Hengsbach begründete seinen Arbeitsbegriff mit einem Rückblick auf die Stellung der Arbeit in der Menschheitsgeschichte. Während in der Antike Handwerk, Handel und Gewerbe noch als "niedrig und schmutzig" angesehen worden seien, habe die menschliche Arbeit erst mit dem Aufkommen des Christentums eine "Aufwertung" erfahren. Diese Bejahung der Arbeit durch das Christentum habe sich durch das Mittelalter bis in Neuzeit fortgesetzt und den Begriff der Arbeit geprägt.

Auf der Grundlage seiner zweiten These, "Wie die Gesellschaft so die Arbeit", begründete Hengsbach die Stellung der Arbeit in demokratischen Gesellschaften. Mit der demokratischen verbürgten "Würde des Menschen" sei die "Würde der Arbeit" identisch, und jede Entwertung der Arbeit führe zu einem Verlust an Menschenwürde. Deshalb, so der Professor, sei Arbeitslosigkeit in demokratischen Gesellschaften ein Problem, dessen Bekämpfung an erster Stelle stehen müsse. Oberstes Ziel der Politik müsse deshalb sein, eine Gesellschaft zu verwirklichen, in der alle Menschen eine ihren Talenten und Fähigkeiten angemessene Arbeit oder Ausbildung finden.

Zuvor hatte Präsident Walter Dech auf die besondere Rolle der Arbeit im Handwerk hingewiesen. Die Arbeitsverhältnisse im kleinbetrieblichen Handwerk seien in der Regel weniger anonym als in der Industrie und die Arbeitsabläufe ganzheitlicher. Deshalb seien die fachlichen und menschlichen Qualifikationen der Arbeitnehmer im Handwerker von großer Bedeutung und sei die Integration des Arbeitnehmers in den Arbeitsprozess höher als in anderen Wirtschaftsbereichen.

Vizepräsident Michael Lehnert, der zu der Veranstaltung eingeladen hatte, kritisierte die schlechten Rahmenbedingungen für das Handwerk, von denen auch die Arbeitnehmer betroffen seien. Die Konkurrenz aus den osteuropäischen EU-Beitrittsländern, der Druck auf die Löhne, fehlende Ausbildungsplätze und die immer geringer werdende Bereitschaft, ältere Arbeitnehmer zu beschäftigen, widersprächen der Menschenwürde. Politik und Gewerkschaften seien deshalb aufgefordert, sich für die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit, für Ausbildungsplätze und für die Erhaltung von Handwerksbetrieben einzusetzen. (hwk, 31.08.2006)