"Viele wollen nicht, dass die Armen eine Chance bekommen"
Kolpingwerk unterstützt die Arbeit von Pater Franklin und Bischof Gali Bali in Indien
Kaiserslautern. Seit mehr als 30 Jahren unterstützt die Initiative "Indienhilfe" aus dem Bistum Speyer die Projekte des indischen Ordensmannes Pater Franklin Rodrigues für die Ärmsten der Armen. Bis Ende März hielt sich der 65-Jährige im Bistum Speyer auf, um in Pfarreien und Verbänden, Schulen und Kindergärten über die Situation in seiner Heimat zu berichten. Dabei besuchte er auch das Kolpingwerk in Kaiserslautern.
1975 wurde die "Indienhilfe" ins Leben gerufen. Heute läuft die Initiative bistumsweit und erzielt jährlich 80.000 bis 100.000 Euro für den guten Zweck. Den Kontakt zum Kolpingwerk hat Diözesanpräses Pfarrer Andreas König hergestellt, dessen Pfarrei in Hochspeyer schon lange Pater Franklins Arbeit unterstützt. König hat auch P. Franklin in Indien besucht. Er überreichte ihm Namen des Kolpingwerkes eine Spende.
"Als wir unsere Arbeit aufnahmen, konnte fast niemand lesen. Jetzt sind es rund 80 Prozent. Es ist ein Wunder", erzählt der Pater über seine Arbeit in der Region Nagar Haveli, die gut 200 Kilometer von der Hauptstadt Bombay entfernt liegt. Die Ordensmänner bauten Schulen und Waisenheime auf, sorgten für medizinische Betreuung. "Viele Eltern hatten kein Interesse an Bildung für ihre Kinder. Deshalb gaben wir ihnen Reis, damit sie die Kinder in die Schule ließen."
"Hilfe zur Selbsthilfe"
"Hilfe zur Selbsthilfe" - das war von Anfang an das Konzept der "Indienhilfe". Es entspricht damit auch den Grundsätzen der Entwicklungszusammenarbeit, wie sie das Internationale Kolpingwerk auf der Basis von Adolph Kolpings Idee und Arbeit im Katholischen Gesellenverein formuliert hat. "Die Kinder sollen eine solide Ausbildung erhalten, damit sie später mit ihren Familien selbständig leben können", betont Pater Franklin. Einige der früheren Schützlinge arbeiten mittlerweile als Ärzte und Lehrer, wurden Priester und Nonnen. "Ein ehemaliges Waisenkind leitet sogar eine Klinik in Khanwel, der Hauptstadt der Region", berichtet der Ordensmann stolz. 1985 konnte sich die "Indienhilfe" aus Nagar Haveli zurückziehen, da die Projekte auf eigenen Füßen standen.
Als neuen Einsatzort wählte sich Pater Franklin Bhopal, die Stadt, mit deren Namen viele Menschen weltweit noch immer einen der verheerendsten Chemie-Unfälle der Geschichte verbinden. Die Katastrophe im Dezember 1984 kostete Tausende das Leben, mehr als 100.000 Menschen wurde in der Folgezeit chronisch krank. "Wir begannen mit einer Krankenstation für die Ärmsten der Armen", so der Angehörige des Ordens des heiligen Franz Xaver. Hinzu kam eine "mobile" Klinik, ein Jeep, mit dem es möglich wurde, auch in den entlegensten Gegenden Sprechstunden abzuhalten. Dank der Unterstützung der "Indienhilfe" war es möglich, ein eigenes Dorf für Lepra-Kranke in Bhopal zu finanzieren. Auch sorgten die Patres mit Hilfe der Regierung dafür, dass 135 Familien aus der Leibeigenschaft entlassen wurden und nun gemeinsam in einem Dorf leben. "Wenn die Kinder heiraten, möchten die Eltern ein großes Fest organisieren. Häufig leihen sie sich Geld von Großgrundbesitzern und müssen dann in Steinbrüchen als Leibeigene arbeiten", erklärt Pater Franklin. Gerade dieses Engagement führte dazu, dass die Ordensmänner immer wieder in ihrer Arbeit behindert werden, sich persönlichen Angriffen ausgesetzt sehen. "Viele wollen nicht, dass die Armen eine Chance bekommen."
Bildung – der Weg aus Not und Unterdrückung
Dennoch wächst seit Jahren die Zahl der Kinder, die in den Internaten und Schulen der Patres betreut werden. Allein im vergangenen Jahr kamen 650 neue Jungen und Mädchen hinzu. Es sind die Kinder von Leibeigenen, von Lepra-Kranken, von Müllsammlern, Straßenkinder und Waisenkinder, für die die "Indienhilfe" den gesamten Unterhalt übernimmt. In vielen Fällen wird zudem ein Universitätsstudium finanziert. "Gerade studieren wieder zwei Mädchen, deren Eltern Lepra hatten, Medizin", sagt Pater Franklin. Herzlich dankte er für die großzüguge finanzielle und menschliche Hilfe durch die Pfarrgemeinde Hochspeyer und das Kolpingwerk der Diözese Speyer.
Kolping in Guntur
Weiter in Kontakt steht das Kolpingwerk ebenfalls mit Bischof Gali Bali von der Diözese Guntur in Indien (Bundesstaat Andra Pradesh), der in seinem Bistum ein großes Kolping-Berufsbildungszentrum hat, dessen Arbeit er "einen Segen für die Kirche" nennt. Bischof Gali Bali besuchte im Herbst vergangenen Jahres Diözesanpräses König und führte mit ihm und Mitgliedern des Diözesanvorstandes ein intensives Gespräch. Auch er erhielt zur Förderung seiner pastoralen Arbeit eine Spende des Kolpingwerkes.
Diözesanpräses König und P. Rodrigues Franklin im
Diözesansekretariat in Kaiserslautern.