Sagen, woraus wir leben,
bekennen, was wir glauben!
Diözesanpräses Pfarrer Andreas König bei Diözesanseniorentag in Rohrbach – Fast 400 Teilnehmer aus der ganzen Diözese
Rohrbach.
Die heilige Messe in der Pfarrkirche St. Konrad zelebrierte Diözesanpräses Pfarrer Andreas König, Hochspeyer, gemeinsam mit dem Präses der Kolpingsfamilie Rohrbach, Pfarrer i.R. Georg Dahl, und dem polnischen Mitbruder Pfarrer Matysiak. Zahlreiche Bannerabordnungen der Kolpingsfamilien gaben dem Gottesdienst festliches Gepräge. Ausgangspunkt seiner Gedanken in der Predigt war für Diözesanpräses König Johannes der Täufer, der große Vorläufer Jesu. Der Prophet habe sich mit seiner ganzen Existenz in den Dienst der Aufgabe gestellt, Vorläufer und Wegbereiter zu sein, sagte der Prediger. Ein zentrales Element seiner Verkündigung sei der gewesen, der nach ihm kam und stärker war als er, Jesus, der Christus, der mit Heiligem Geist und Feuer tauft. Der Täufer habe sich nicht gescheut, auch vor den Mächtigen die Botschaft und den Willen Gottes, gelegen oder ungelegen, zu verkünden. Das Festhalten an der Wahrheit und ihr öffentliches Bekenntnis habe ihn den Kopf gekostet. Auch darin sei er Jesus ein Vorläufer gewesen. In seinem Feststehen im Glauben sei Johannes uns Vorbild. Denn wir müßten sagen, woraus wir leben, und bekennen, was wir glauben!
In seinem Fernsehinterview am 13. August sei Papst Benedikt XVI. gefragt worden, warum er beim Familienkongress in Valencia nicht zu den Problemen von Homo-Ehe, Abtreibung und Empfängnisverhütung gesprochen habe. Der Papst habe darauf geantwortet: "Man kann nicht gleich mit dem Neinsagen daherkommen. Man muß ja erst wissen, was wir überhaupt wollen. Das Christentum, der Katholizismus ist nicht eine Ansammlung von Verboten, sondern eine positive Option. Und die wieder sehen ist ganz wichtig, weil die fast ganz aus dem Blickfeld verschwunden ist. Man hat so viel gehört, was man nicht darf, daß man jetzt sagen muß: Wir haben eine positive Idee." Wir sollten nicht Gebote und Verbote verkünden, die sowie keiner mehr ernst nimmt, so der Diözesanpräses, sondern positiv sagen, was uns bewegt, mit Leben und Kraft erfüllt, dann würden die Christen in der Gesellschaft auch gehört, "denn die Botschaft des Christentums hat ihr Gegenstück in der Sehnsucht der menschlichen Herzen", so Pfarrer König wörtlich.
Der Prediger führte u.a. weiter aus: Das Grundthema des Papstes sei die Wiederentdeckung Gottes, des Gottes mit einem menschlichen Antlitz: Jesus Christus. In Deutschland sei das religiöse Suchen und die Frage nach einer Wirklichkeit, die die unsere überschreitet, wieder größer geworden. Der christliche Glaube biete sich als Antwort an. Es sei schön zu glauben; das Vertrauen und die Freude, die im Gottesglauben einer großen universalen Gemeinschaft ihren Quellgrund haben, seien für den einzelnen fester und sicherer Grund. Für uns im Kolpingwerk bedeute dies: Sich in der Gemeinschaft der Kolpingsfamilie im Glauben stärken, die "Bildung des Herzens" nach dem Vorbild Adolph Kolpings fördern, die Not in der Welt ernstnehmen und Menschen solidarisch helfen, ein menschenwürdiges Leben zu führen. König rief die Zuhörer auf: "Sucht nach Gelegenheiten, Gutes zu tun!"
Der Diözesanpräses griff auch das Wort des Papstes an die jungen Menschen auf, Mut zu haben zu endgültigen Entscheidungen. Das Risiko, sich ein Leben lang zu binden, in der Ehe oder im Priestertum, werde gescheut. Erst solche endgültigen Entscheidungen ermöglichten aber Wachstum und Vorwärtsbewegung. Sie seien ein Sprung ins Endgültige, Voraussetzung für das wirklich Große im Leben. Endgültige Entscheidungen zerstörten nicht Freiheit, sondern gewährten ihr die richtige Richtung für ihre Entfaltung.
Dies sei das neue Selbstverständnis und Selbstbewußtsein der Kirche, faßte Diözesanpräses König zusammen: Nicht mit Geboten und Verboten um sich werfen, sondern positiv aufbauen, Gott wieder entdecken, die Freude am Glauben und am Guten leben, die Bildung des Herzens und den Mut zu endgültigen Entscheidungen fördern und den Aufbau von Gemeinschaften initiieren, die aus diesem Geist leben.

Blick in die Rohrbachhalle.(Foto: Butz)
In der Rohrbachhalle wurden die Gäste durch den Vorsitzenden der Kolpingsfamilie Rohrbach, Heinz Abel, begrüßt. Grußworte an die Senioren richteten der Oberbürgermeister von St. Ingbert, G. Jung, und der Diözesanvorsitzende Rolf Schäfer, Oggersheim. Nach dem Mittagessen fand ein buntes Unterhaltungsprogramm statt: eine Stadtrundfahrt, ein Filmvortrag von Bernhard Bastian über "Pfingsten mit Kolping" in Rohrbach und den Diözesanfamilientag 2004 in Schönau, musikalische Impressionen mit dem Saxophonensemble des Musikvereins Rohrbach und ein gemeinsames Singen.

Diözesanvorsitzender Rolf Schäfer sprach der ausrichtenden Kolpingsfamilie Rohrbach viel Lob und Anerkennung aus. Mit Herz, großer Erfahrung und vielen Helferinnen und Helfern, die die Hauptlast der Arbeit zu tragen hatten, habe die Kolpingsfamilie Großes geleistet und sich um ein lebendiges Kolpingwerk Diözesanverband Speyer verdient gemacht.