Weltjugendtag verbindet Menschen weltweit
Sechs brasilianische Kolpingfreunde zu Gast in der Pfalz – Projekte der Zusammenarbeit
Hochspeyer / Köln. - Die Einladung, zum Weltjugendtag nach Deutschland zu kommen, war für die sechs jungen Brasilianerinnen und Brasilianer aus dem Bundesstaat Ceará / Nordostbrasilien eine große Überraschung. Antonio José Cunha da Silva, Juliana da Silva Goncalves, Edinaldo Felipe de Sousa, Antonia Maria Santos Rodrigues, Ana Meyre Martins Sousa und Manuela Santana Goertz hatten damit nicht gerechnet. Sie selbst konnten sich die Kosten für die Reise und den Aufenthalt in Deutschland nicht leisten. Umso größer ihre Freude, als sie erfuhren, daß der Diözesanverband Speyer ihnen die Begegnung mit Papst Benedikt XVI. in Köln und weitere Begegnungen in der Pfalz vor und nach dem Weltjugendtag ermöglichen wollte.

Die brasilianischen Freunde vor ihrem Abflug nach Deutschland im Kolping-Bildungszentrum Fortaleza.
Die Diözesanleitung des Kolpingwerkes sah im Weltjugendtag 2005 die willkommene Gelegenheit, die freundschaftlichen Bande mit dem Kolpingwerk Brasilien, die über viele Jahre gewachsen sind, zu erneuern und zu vertiefen. "Für uns ist es leicht, nach Brasilien zu kommen. Die meisten Brasilianer haben dagegen nicht die Möglichkeit, auch nur einmal zu uns nach Deutschland zu kommen. Freundschaft ist aber keine Einbahnstraße," sagte Rolf Schäfer, der Diözesanvorsitzende des Kolpingwerkes. In ihrem dreiwöchigen Aufenthalt in der Pfalz und in Köln konnten die jungen Erwachsenen aus Brasilien Landschaft, Geschichte, Kultur und Lebensart der Menschen unseres Landes unmittelbar erleben. Sie erfuhren offene Gastfreundschaft und erlebten spannende Tage, geprägt von vielen Aktivitäten, herzlichen Begegnungen und intensivem Dialog.
Während der "Tage der Begegnung" war die Gruppe in Hochspeyer, in Familien der Pfarrei von Diözesanpräses Pfarrer Andreas König zu Gast, der sich sehr für das Zustandekommen des Besuchs eingesetzt hatte. In der Woche nach Köln war die Gruppe geteilt in Hochspeyer und bei Rolf Schäfer in Oggersheim untergebracht.
Am Kreuzweg zum Annaberg: Die Gruppe mit pfälzer Freunden um DP Andreas König und DV Rolf Schäfer.
Mit einem Empfang durch den Bürgermeister der Verbandsgemeinde Hochspeyer, Walter Rung, begann der Besuch der brasilianischen Freunde. In den nachfolgenden Tagen lernten sie die WM-Stadt Kaiserslautern, den Pfälzer Wald, die Rhein- und Weinpfalz kennen und schätzen. Kulinarische Spezialitäten, französische Lebensart und die Altstadt mit dem großen gotischen Münster beeindruckten die Gäste bei einem Besuch in Straßburg. Mit den deutschen Pilgern beteten die Freunde aus Brasilien auf dem Annaberg um den Frieden der Welt, sie besuchten die Taufkirche der Hl. Edith Stein in Bad Bergzabern. Rolf Schäfer vermittelte einen Werksbesuch in der größten Fabrikationsanlage der Welt, der BASF in Ludwigshafen. Die Kolpingsfamilie Bad Dürkheim lud zu einer original pfälzer Weinprobe ein. Vor dem Rückflug nach Fortaleza konnte die Gruppe noch ein wenig Studentenromantik in Alt-Heidelberg schnuppern.
Pfälzer Weinprobe in Bad Dürkheim.
Tag des sozialen Engagements
Gemeinsam mit Hochspeyerer Jugendlichen gestaltete eine Gruppe der brasilianischen Gäste am "Tag des sozialen Engagements" die Wand des Treppenaufgangs zur Hochspeyerer Kirche: Sie malte als Symbol völkerverbindendender Freundschaft die brasilianische und deutsche Nationalfahne, verbunden mit dem Weltjugendstagslogo. Eine zweite Gruppe dekorierte einen Umzugswagen mit Motiven, die ebenfalls die deutsch-brasilianische Partnerschaft darstellten. Die Kolpingjugend Hochspeyer hatte bereits im Zeltlager zuvor in einem Brasilien-Workshop Bilder und Spruchbänder für den Festwagen hergestellt. Am Sonntag vor der Abreise nach Köln erlebten die Brasilianer eine echte Pfälzer Kerwe, an der sie auf "ihrer" Kerwerolle temperamentvoll mitfeierten.
Der Treppenaufgang zur
Pfarrkirche St. Laurentius in Hochspeyer
nach der Malaktion am "Tag des sozialen Engagements".
An Mariä Himmelfahrt nahmen die Gäste mit ihren deutschen Freunden am Aussendungsgottesdienst mit Bischof Dr. Anton Schlembach im Speyerer Domgarten teil. Von dort ging es zum Weltjugendtag nach Köln, wo sie gemeinsam mit der Jugendgruppe um Diözesanpräses König bei Pfarrer Michael Cziba, Diözesanpräses des Kolpingwerkes Köln, zu Gast waren. Neben den Veranstaltungen des Weltjugendtages und der Begegung mit Papst Benedikt XVI. auf dem Marienfeld bei Kerpen konnte die Gruppe das Geburtshaus Adolph Kolpings besuchen und an Veranstaltungen des Internationalen Kolpingwerkes teilnehmen.
Auf dem Marienfeld bei Kerpen am Sonntagmorgen vor dem Gottesdienst mit Papst Benedikt XVI.
Deutsch-brasilianische Begegnungen
Eine besondere Bedeutung kamen den beiden deutsch-brasilianischen Begegnungsabenden in Hochspeyer und Niederkirchen bei Deidesheim zu, an denen fast 200 Personen teilnahmen: Freunde aus 15 Kolpingsfamilien suchten die Begegnung mit den Gästen aus Lateinamerika. Die Brasilianer berichteten über sich, das Leben im Nordosten Brasiliens, der zu den ärmsten Regionen Lateinamerikas gehört und seit Jahren von einer großen Dürre heimgesucht wird. In Wort, Bild und Musik erzählten sie über die Arbeit des Kolpingswerkes und seine aktuellen Entwicklungsprojekte in ihrer Region. Sie verkauften auch Produkte, die in Kolpingbetrieben von Ceará hergestellt werden.
Drei neue Projekte
Der Leiter der Gruppe, Antonio José Cunha da Silva, ist hauptamtlicher Projektreferent und Koordinationsberater der Jugend im Nordosten und arbeitet im Regionalbüro in Fortaleza. Mit ihm wurden die strukturellen, personellen und finanziellen Rahmenbedingungen für drei Projekte erörtert, deren Realisierung für die Jahre 2004 bis 2007 vorgesehen ist:
1. Campo de trabalho - Workcamp der Kolpingjugend im Sommer 2006 in Teresina / Bundesstaat Piauí: Erweiterung es Kolping-Bildungszentrums Luis Unzueta. Teilnahme: sechs bis acht junge Erwachsene aus der Diözese Speyer.
2. Bau eines "Centro de Cidadania" (Bürgerzentrums) für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene in der Gemeinde Joao Paulo II (Segundo), dessen Finanzierung Verbandsbürgermeister und Kolpingmitglied Walter Rung sicherstellen will und dessen Ausbau mit einem Arbeitseinsatz Erwachsener aus der Diözese Speyer um Walter Rung 2007 erfolgen soll. Juliana da Silva Goncalves und Edinaldo Felipe de Sousa aus Joao Paulo II berichteten über ihre Gemeinde, die soziale Not und das geplante Bürgerzentrum, das v.a. der schulischen und beruflichen Bildung junger Menschen dienen soll. Eine Kolpingsfamilie ist im Aufbau: Am 8. Dezember 2005, dem Geburtstag Adolph Kolpings, wird die Comunidade Kolping Joao Paulo II gegründet.
3. Die Campanha bomba popular - Die Kampagne zur Einführung einer Volkspumpe im semi-árido, dem Halbtrockengebiet des Nordostens. Grund: Seit Jahren regnet es im Nordosten Brasiliens immer weniger. Das Zisternenprojekt stößt damit an seine Grenzen. Zur Ergänzung sind dringend Pumpen notwendig, um die Menschen in im sertao, dem Trockengebiet, mit Wasser zu versorgen und ihnen einen Lebensraum in ihrer Heimatregion zu sichern. Eine in Afrika bereits erprobte Handwasserpumpe wird nun in Brasilien gebaut. 50.000 Bohrlöcher bestehen bereits; aus ihnen soll mit Hilfe der Volkspumpe Wasser geschöpft werden können. Kolping hat sich zunächst verpflichtet, 50 Pumpen zu finanzieren und zu errichten. Die Einrichtung von Zisternen und Wasserpumpen wird mit einer "Wasserpädagogik" verbunden sein, die das Kolpingwerk vor Ort in seinen Kolpingsfamilien durchführen will. Die Kampagne will dieses Anliegen in die Öffentlichkeit tragen und Spender für die "Bomba popular" gewinnen.
Brasilienreferent Martin Rüber, Köln, beim Testen der "Bomba popular".
Arbeit in Ceará
Antônia Maria Santos Rodrigues aus Limoeiro do Norte und Manuela Santana Goertz aus Fortaleza informierten über die Arbeit der Kolpingjugend in Ceará. Manuela sorgte auch während des Aufenthaltes als Dolmetscherin für das gegenseitige Verständnis. Ana Meyre Martins Sousa von der Comunidade Estudantes berichtete über die Frauenarbeit des Kolpingwerkes. Sie hatte ein Frauenprojekt, das vom "Weltgebetstag der Frauen" finanziert worden ist, betreut, das als vorbildlich gilt: In Baturité, im Hinterland von Fortaleza hat sie Frauen zu Näherinnen und Schneiderinnen ausgebildet (Stoffwaren: Foto- und Laptoptaschen, Schuluniformen etc.). Sie haben damit eine Chance, z.T. in Kolping eigenen Betrieben, ihren Lebensunterhalt und den ihrer Familien zu verdienen.
KOLPING verbindet
Der Besuch in Deutschland führte Menschen der Nord- und Südhalbkugel über Ozeane hinweg freundschaftlich zusammen: Person, Idee und Werk Adolph Kolpings verbinden über alle kulturellen, sprachlichen und sozialen Unterschiede hinweg. Der Weltjugendtag bot darüber hinaus eine weitere Möglichkeit: Gemeinsam in Gebet, Wort und Tat den einen Glauben zu bekennen, Jesus Christus als den Gekreuzigten und Auferstandenen, den Heiland der Welt. Hierfür wurde zum Symbol die gemeinsame Errichtung eines 12 m hohen Holzkreuzes auf dem Zeltlagerplatz in Waldleiningen. "Es ist das einzige christliche Symbol außerhalb der Kirche und des Friedhofs," sagte Diözesanpräses König. Für alle hier zeltenden Jugendlichen wird es unübersehbares Segenszeichen der menschenfreundlichen Liebe Gottes sein.
Das Zeltlagerkreuz in Waldleiningen.
Besondere Worte des Dankes sind an Bürgermeister Walter Rung, Franz Josef Böhm, den Kolpingsfamilien Hochspeyer, Bad Dürkheim und Niederkirchen, den Mitgliedern des Arbeitskreises Eine Welt sowie vielen weiteren Freunden zu sagen, die trotz Ferien- und Urlaubszeit mit großem Engagement und überwältigender Gastfreundschaft den Aufenthalt für unsere brasilianischen Gäste in Deutschland zu einem unvergeßlichen Erlebnis gemacht haben. Antonio sagte, sie würden Bilder menschlicher Wärme und herzlicher Freude mit nach Brasilien nehmen. Mit "vielen Umarmungen" verabschiedeten sie sich von ihren Freunden aus Deutschland: "Auf ein baldiges Wiedersehen in Brasilien".
Kaiserslautern, den 6.9.2005 / tb