Landstuhl, 3.3.2005 / kf/tb

"Hingerissen zu Gott"
Landstuhl: Weihbischof Otto Georgens über Madeleine Delbrêl

Madeleine Delbrêl (1904 - 1964) nennt sich mit 15 Jahren "streng atheistisch". Mit 20 Jahren macht sie die Erfahrung eines "überwältigenden Hingerissenseins zu Gott" und gerät in einen Prozeß, den sie die "Explosion des Evangeliums" nennt. Seitdem will sie einzig und allein das Evangelium leben. Über diese "Mystikerin der Straße", die zur "Pionierin des christlichen Glaubens in einer säkularisierten Welt" geworden ist, sprach Weihbischof Otto Georgens aus Speyer in der Zehntenscheune Landstuhl. Er war der Einladung der Kolpingsfamilie gefolgt, um das Leben Madeleine Delbrêls in seiner missionarischen Dimension und Bedeutung für die Menschen von heute darzustellen.

Georgens zeichnete ein differenziertes Bild der Biographie Madeleine Delbrêls, die sich 1933 in Ivry niederläßt und in den armseligen Verhältnissen dieser Arbeiterstadt am Rande von Paris, die vom kämpferischen Atheismus der Kommunisten geprägt war, als Sozialarbeiterin tätig ist. Mit diesen Kommunisten lebt und arbeitet sie, diese Kommunisten liebt sie als ihre Schwestern und Brüder. Ihren Mitchristen in der Pfarrgemeinde St. Peter und Paul öffnet sie die Augen für das Elend der Arbeiterschaft. Sie stirbt unerwartet 1964.

Madeleine Delbrêl sei eng mit dem missionarischen Aufbruch in der französischen Kirche verbunden, so Bischof Georgens. Eine große Nähe habe sie zu den Arbeiterpriestern gehabt, an der Vorbereitung des II. Vatikanischen Konzils als Beraterin einiger Bischöfe mitgewirkt. In ihren Schriften - die bekannteste ist "Der kleine Mönch" - erweise sie sich auch heute als "Mystikerin der Straße" und als Wegweiserin, das Evangelium zu leben.

Madeleine Delbrêl habe den Glauben, der ihr in ihrer Konversion neu geschenkt worden sei, immer als Auftrag verstanden, ihn an andere weiterzugeben, ihn mit anderen zu teilen. Die missionarische Dimension sei das Kennzeichen des Glaubens von Madeleine Delbrêl. Dies habe sie immer wieder über die Grenzen ihres persönlichen Lebensbereiches hinausgetrieben. Nur wer Gott kenne, kenne den Menschen. Um seiner eigenen Menschlichkeit willen, bedürfe der Mensch Gottes. "Wir sind den Menschen das Zeugnis von Gott schuldig", betonte der Bischof, ganz in der Spur Madeleine Delbrêls, die die befreiende Neuheit Gottes bis ins Leiden und gegen die Verzweiflung der Vernunft erfahren habe. Der Referent zitierte die Mystikerin: "Mission heißt, an dem Ort, wo wir stehen, das Werk Christi tun. Kirche sind wir nur, Heil bis an die Enden der Erde verbreiten wir nur, wenn wir am Heil der Menschen arbeiten, in deren Mitte wir leben. Und wir arbeiten an diesem Heil nur, wir sind dafür nur durchlässig, wenn wir in ihrer Mitte unveränderlich und unvermischt Kirche sind."

Diplomtheologe Thomas Bettinger dankte dem Referenten im Namen der Kolpingsfamilie für das beeindruckende und mit Leidenschaft vorgetragene Glaubenszeugnis; er habe "Geschmack auf das Evangelium gemacht". Als Dank überreichte er Weihbischof Otto Georgens die Biographie eines anderen Glaubenszeugen, der ähnlich in seiner Zeit wie Madeleine Delbrêl in der ihren Gott zu den Menschen gebracht und ihnen in seiner Person die Menschenfreundlichkeit Gottes gezeigt habe: Adolph Kolping.

Literatur: www.madeleine-delbrel-buchversand.de