Klares Votum für das Leben
Erfenbach. Das 4. KolpingForum der Kolpingsfamilie Erfenbach befasste sich mit der aktuellen Diskussion um Sterbehilfe und Patientenverfügungen. In einer hochkarätig besetzten Podiumsveranstaltung hatte die Kolpingsfamilie im katholischen Pfarrzentrum Erfenbach zum Gespräch über den aktuellen Stand der Debatte unter dem Motto "Ars Moriendi - Die Kunst zu sterben" eingeladen. Die Aktualität dieses Themas dokumentierte sich durch einen regen und teilweise auch kontrovers geführten Meinungsaustausch bei der gut besuchten Veranstaltung. Der mittlerweile schon zur Tradition gewordenen Praxis der Kolpingsfamilie Erfenbach, brandaktuelle Themen aufzugreifen und den Zuhörern fundierte Argumente und Anstöße zur Beurteilung und zum Nachdenken zu liefern, wurde ein weiteres Mal ein Höhepunkt hinzugefügt.
Der Vorsitzende der Kolpingsfamilie, Franz Henrich, betonte in seiner Begrüßung den Bezug zum christlichen Glauben, der schon immer Trost, Hoffnung und Zuversicht für ein menschenwürdiges Leben gegeben habe. Bevor die Podiumsteilnehmer in einem Statement Position zur Sterbehilfe bezogen, hatte der Moderator der Veranstaltung, Matthias Schwarz, den interdisziplinären Anspruch der Erörterung herausgestellt. In seiner Einführung hatte er die derzeitige Gesetzeslage in den europäischen Nachbarländern skizziert und die in der aktuellen Debatte wichtigen Differenzierungen von aktiver, passiver und indirekter Sterbehilfe beleuchtet.

Von links nach rechts:
Krankenhausseelsorger Heribert Kampschröer, Hospizschwester Gudrun Brehm,
Moderator Matthias Schwarz, Dr. med. Angela Monreal-Weid, Rechtsanwältin
Rebecca Haase. (Foto: G. Brehm)
Eine eindeutige Position bezog die Ärztin des Westpfalzklinikums Kaiserslautern, Dr. med. Angela Monreal-Weid, die in ihrer Stellungnahme die so genannte Garantenpflicht der Ärzte in den Mittelpunkt stellte. Mit dieser Sorgfalts- und Fürsorgepflicht der Ärzte, das Leben der anvertrauten Patienten zu erhalten, stoße die Patientenautonomie an ihre Grenzen. Ausgehend von den Grundsätzen der Bundesärztekammer zur ärztlichen Sterbebegleitung betonte sie, das Ziel medizinischen Handelns sei, die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass Patienten auf die Verlässlichkeit der ärztlichen Begleitung vertrauen dürften.
Das grundgesetzlich verankerte Selbstbestimmungsrecht eines Patienten war Ausgangspunkt für die Darstellung der Rechtsanwältin Rebecca Haase aus Reichenbach. Dass diese Patientenautonomie auch schon vor Eintritt einer Krankheit schriftlich festgelegt werden könne und in einer Patientenverfügung dokumentiert werden solle, stellte die Referentin anhand aktueller Fälle aus der derzeitigen Rechtssprechungspraxis dar, wobei sie auch auf die bestehende Rechtsunsicherheit einging und für einen Regelungsbedarf durch den Gesetzgeber plädierte.
Die äußerst grundlegenden moraltheologischen und ethischen Rahmenbedingungen nahm der Pastoralreferent Heribert Kampschröer von der Krankenhausseelsorge in Kaiserlautern ins Blickfeld. Das absolute Tötungsverbot auch für krankes und behindertes Leben war Inhalt seines Statements, wobei er nicht nur die kirchlich-theologischen Argumente gegen aktive Sterbehilfe anführte, sondern auch die allgemeinen philosophischen Verantwortungskriterien, die gegen eine direkte Euthanasie sprechen, fokussierte. Interessanterweise unterschied er dabei penibel zwischen der von ihm befürworteten Lebensverlängerung und der von ihm abzulehnenden Sterbeverlängerung.
Dass Tod und Sterben als Teil des menschlichen Lebens zu begreifen sind, referierte die Hospizschwester Gudrun Brehm vom Ambulanten Hospiz Kusel-Ramstein-Landstuhl. Aus der Praxis der Pflege und Begleitung am Lebensende votierte sie für eine ganzheitliche Sicht des sterbenden Menschen in seinen körperlichen, sozialen, psychischen und spirituellen Bezügen. Nicht dem Leben mehr Tage, sondern den Tagen mehr Leben hinzuzufügen, sei das Anliegen der aus der Palliativmedizin entstandenen Hospizbewegung. Als Axiom zum adäquaten Verständnis der Sterbehilfe nannte sie die Orientierung nicht an den Defiziten, sondern an der Persönlichkeit der Patienten.
Die anschließende lebhafte Diskussion aus dem Publikum brachte auch teilweise konträre Sichtweisen zu Tage. In seinem Schlusswort konnte Moderator Matthias Schwarz aber den Konsens festhalten, dass eine aktive Sterbehilfe der inhumane und falsche Weg sei. Neben dem Ausbau der Hospizarbeit und der Palliativmedizin war man sich einig, dass eine Fort- und Weiterbildung der Fachleute notwendig sei. Mit einem Plädoyer dafür, Tod und Sterben nicht zu tabuisieren, sondern sich mit dem eigenen Tod und Sterben auseinanderzusetzen und seine persönlichen Vorstellungen und Wertmaßstäbe im öffentlichen Raum zu bezeugen, endete das vierte Forum der Kolpingsfamilie Erfenbach. (ms)