Wichtiger Denkanstoß in der Rentendiskussion
Katholische Verbände bringen ihr Rentenmodell ins Gespräch mit politischen Verantwortlichen

Speyer. Ihr gemeinsames Rentenmodell für ein familienfreundliches und solidarisches System der Alterssicherung brachten die katholischen Verbände, Familienbund, Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd), Katholische Arbeitnehmer-Bewegung (KAB) und Kolpingwerk, in Speyer ins Gespräch mit den Bundestagsabgeordneten Professor Dr. Maria Böhmer (CDU) und Heinz Schmitt (SPD). Bei der gut besuchten Veranstaltung im Ägidienhaus diskutierten die Teilnehmer die neuen Ansätze des Modells, das als neues Element die Einführung einer Sockelrente vorsieht.

Das Podium: (von links nach rechts) Moderator Thomas Sartingen, Katholische Erwachsenenbildung Speyer, 
Prof. Dr. Maria Böhmer MdB (CDU), Frankenthal, Petra Erbrath, kfd Trier, und Heinz Schmitt MdB (SPD), Landau.

Die Sockelrente soll gemäß dem Vorschlag der katholischen Verbände eine am jeweiligen Existenzminimum der Sozialhilfe orientierte, von Erwerbsarbeitszeiten unabhängige Mindestsicherung (derzeit 410 Euro) gewährleisten. Sie ist durch Beträge aus allen steuerpflichtigen Einkünften zu finanzieren (derzeit in Höhe von 5,5 Prozent bis zur Beitragsbemessungsgrenze). Darauf baut die Arbeitnehmerpflichtversicherung auf, welche die wesentlichen Elemente der gesetzlichen Rentenversicherung - unter paritätischer Finanzierung durch Beiträge vom Bruttolohn in Höhe von 11,5 Prozent - beibehält. Die dritte Stufe sieht eine betriebliche und private Altersvorsorge vor, die durch deutliche Senkung der Lohnnebenkosten auf- und ausgebaut werden kann.

Blick ins Plenum: Engagierte Diskussion.

Frau Böhmer begrüßte in ihrer Stellungnahme, dass das Modell der katholischen Verbände deutliche familienfreundliche (Erhöhung der Zeiten der Kindererziehung) sowie frauenpolitische Komponenten im Hinblick auf eine eigenständige Alterssicherung der Frauen durch die Sockelrente vorsieht. Positiv sei zudem, dass es unterbrochene Erwerbsbiographien in den Blick nehme und eine Senkung der Lohnnebenkosten vorsehe. Die Chance für die politische Umsetzung des Modells und einen etwaigen Umstieg könne sie sich allerdings erst vorstellen, wenn an konkreten Fallbeispielen ausgerichtete Modellrechnungen vorliegen, aus denen hervorgehe, dass das vorgeschlagene Modell das beste sei.

Heinz Schmitt wertete das vorgestellte Modell als einen wichtigen Denkanstoß für die künftige Diskussion über die Reform der gesetzlichen Rentenversicherung. Weniger an dem Modell gefalle ihm der teilweise Wegfall der paritätischen Finanzierung. Die gesetzliche Rentenversicherung muss nach seiner Auffassung als wichtigster Träger zur Lebenssicherung im Alter ausgestaltet werden. In dem neuen Element der Sockelrente sieht er Ansätze der in seiner Partei diskutierten Bürgerversicherung. (mk)

Bilder: U. Schüwer.