"Christus - Gottes Friedenszeichen für alle Menschen"
Internationale Maiandacht des Kolpingwerkes in Otterberg - Friedensgebet 60 Jahre nach Ende des II. Weltkrieges
Otterberg.- "60 Jahre nach Ende des II. Weltkrieges gilt unser betendes Gedenken den Millionen von Menschen die als Soldaten, Zivilpersonen, als Flüchtlinge oder Vertriebene Opfer der Gewalt wurden", sagte Diakon Br. Thomas Freidel OFMConv, Kaiserslautern, in seiner Predigt aus Anlaß der Internationalen Maiandacht des Kolpingwerkes Bezirksverband Kaiserslautern-Landstuhl in der Zisterzienser-Abteikirche zu Otterberg. Frieden beginne nicht einfach, wenn die Waffen schweigen. Die Christen wüßten auch um die ständige Gefährdung des Friedens in unserer Welt. "Wir kennen den Unfrieden auch in uns selbst, wir wissen, daß wahrer und dauerhafter Frieden nicht einfach durch Gesetze und Verordnungen entsteht. Wenn wir auf Gott hören und auf Maria schauen, dann sind wir auf dem richtigen Weg. Denn sie hat uns Christus geboren, Gottes Friedenszeichen für alle Menschen dieser Welt. Sie ermutigt uns, selbst Wege des Friedens zu gehen."
Rund 800 Gläubige aus dem gesamten Bistum Speyer füllten die altehrwürdige Abteikirche. Teilnehmer aus den einzelnen Kolpingsfamilien, Angehörige verschiedener europäischer Nationen, Mitglieder marianischer Vereinigungen und akademischer Korporationen sowie der Paneuropa-Union und der Europaunion waren anwesend, um gemeinsam für die Frieden in Europa und in der ganzen Welt zu beten.

Mitglieder der Polnischen Gemeinde mit dem Bild der Schwarzen Madonna von Tschenstochau.
Bezirkspräses Br. Thomas, der auch die Liturgie leitete, konnte unter den Besuchern den stellvertretenden Bundesvorsitzenden und Landesvorsitzenden der CDU Deutschlands, Dr. Christoph Böhr, Trier, den Europaabgeordneten Kurt Lechner, Kaiserslautern, den Abgeordneten des rheinland-pfälzischen Landtages, Walter Altherr, Mittelbrunn, sowie die frühere Vizepräsidentin des Landtages Rheinland-Pfalz, Gisela Büttner, die Vorsitzende der Bischöflichen Stiftung Mutter und Kind, begrüßen. Sein besonderer Gruß galt dem Diözesanpräses des Kolpingwerkes in der Diözese Speyer, Pfarrer Andreas König, Hochspeyer, sowie den anwesenden Präsides der Kolpingsfamilien.

Dr. Walter Altherr MdL, Mittelbrunn, Kurt Lechner MdEP, Kaiserslautern, Dr. Christoph Böhr MdL, Trier.
Im Evangelium von der Begegnung der schwangeren Frauen Elisabeth und Maria, so der Prediger weiter, träfen zwei Menschen in einer außerordentlichen und problematischen Lebenssituation aufeinander. Elisabeth, die trotz ihres Alters ein Kind erwarten darf, und Maria, die - unehelich - ein Kind "vom Heiligen Geist" in ihrem Schoß trägt. Beide Frauen begegneten sich, um sich gegenseitig Mut zu machen und zu stärken. Begegnung, getragen von Verständnis, Hilfsbereitschaft und Liebe, sei der erste Schritt zum Frieden. Nur solche Begegnung ermögliche wahres Leben und wahren Frieden. "Elisabeth versteht sofort die Bedeutung dieser Begegnung, sie grüßt mit Freude die Mutter des Messias, als die sie Maria erkennt. Und auch Maria findet Worte der Freude, des Lobes und des Dankes über das Wirken Gottes in ihrem Leben", so Bruder Thomas wörtlich. Diese Begegnung sei eben keine Krisensitzung, wo die Frauen über die Last ihres Schicksals klagten, "wo man Kritik übt an der ‚bösen Welt‘ und vor allem über diejenigen schimpft, die nicht da sind." Der Diakon forderte seine Zuhörer auf, sich die beiden Frauen zum Leitbild für ihre Begegnungen zu nehmen. "Wie oft treffen wir uns in unserer Kirche, um zu klagen und zu kritisieren, über die Strukturen und Verhältnisse, und jetzt mit besonderer Hingabe über das Geld, das nicht mehr da ist." Hier aber geschehe anderes. Die beiden Frauen sähen die Welt und ihr Leben in einem anderen Licht. Mit den Augen des Glaubens sähen sie, daß Gott große Dinge mit ihnen vorhat. Sie ließen sich von Gott berühren und stellten sich ihm zur Verfügung. So werde die Begegnung der beiden zum Segen, zur Quelle des Friedens.

Im Lobgesang des Magnificat bekenne Maria, wie sie Gott erfahren hat, und wie der wahre Friede aussieht, der von Gott kommt. "Gott erwählt die Kleinen und Unscheinbaren. Er schaut gerade auf diejenigen, die sonst übersehen werden. Maria, diese einfache junge Frau, ohne besondere Qualifikation vor den Augen der Gesellschaft - in den Augen Gottes ist sie genau die Richtige." Denn Gott sehe nicht auf Ansehen und gesellschaftliche Stellung, er suche Menschen, die bereit sind, auf ihn zu hören und in Treue und Einfachheit Werkzeuge seines Friedens zu sein. Die Niedrigkeit vor Gott bedeute dabei die Größe des Menschen, denn "in der Bindung an Gott kann diese menschliche Würde und Größe überhaupt erst wachsen, reifen, sich entfalten." Im Hören auf Gott, in der Bereitschaft, sich an ihn zu binden und ihm zu dienen, erkenne Maria Gottes Friedens- und Freiheitspolitik: Er vollbringe machtvolle Taten, zerstreue die Hochmütigen, stürze die Mächtigen vom Thron, erhöhe die Niedrigen. Gott stelle menschliche Rangordnungen auf den Kopf. Jetzt herrsche der wahre Friede, weil jedem Menschen Gerechtigkeit widerfährt, "weil jeder Mensch wichtig und wertvoll ist, gerade der, der klein und schwach ist, und sich selbst nicht helfen kann."
Diese revolutionäre Botschaft verkünde die kleine Frau aus dem Volk Israel. Sie habe nicht studiert, aber alles verstanden: "Wahrer und dauerhaft gefestigter Friede wird erst dann herrschen, wenn das Reich Gottes in dieser Welt Gestalt annimmt, wenn immer mehr Menschen sich ergreifen lassen von der Hand Gottes und sich von ihm formen lassen zu Boten des Friedens", schloß der Prediger.
Die musikalische und gesangliche Gestaltung erfolgte durch das Kolpingblasorchester Erfenbach sowie die Kirchenchöre von Hochspeyer und Thaleischweiler unter der Leitung von Kirchenmusikdirektor Raimund Mattern; Organist war Klemens Heß, Hochspeyer. Die Kollekte erbrachte einen Betrag in Höhe von 1.319,28 Euro zugunsten der Bildungs- und Sozialarbeit des Brasilianischen Kolpingwerkes.
Bilder von Reiner Voss, View