Pressemitteilung
KWD/DVSp/BVKl-L'st - Kl, 28.5.2004 / tb

"Das Christentum ist die Seele Europas"
Internationale Maiandacht des Kolpingwerkes in Otterberg - Generalvikar Szuba zur Aufgabe der Christen in Europa

Otterberg.- "Was will Gott uns Christen in Europa heute sagen? Worauf müssen wir achten? Was ist für eine menschenwürdige Zukunft wichtig?", fragte Domkapitular Josef Damian Szuba, Generalvikar der Diözese Speyer in seiner Predigt aus Anlaß der Internationalen Maiandacht des Kolpingwerkes Bezirksverband Kaiserslautern-Landstuhl in der Zisterzienser-Abteikirche zu Otterberg. Bewußt bezog sich Szuba auf Gedanken des Apostolischen Schreibens "Ecclesia in Europa" von Papst Johannes Paul II., das angesichts der Erweiterung der Europäischen Union auf 25 Mitgliedsstaaten hochaktuell sei. Viele Fragen würden in diesem Dokument angesprochen, die Zeichen der Zeit gedeutet im Licht der christlichen Botschaft. Immer wieder würden in diesem Dokument Worte aus der Offenbarung des Johannes in Verbindung gebracht mit der Situation, in der sich unser Kontinent zur Zeit befindet. Das Schlusskapitel schließlich schaue auf Maria: "Maria, Morgenröte einer neuen Welt. Die Morgenröte kündigt nach langer und dunkler Nacht einen neuen Tag an. Sie ist die Vorbotin der Sonne, die Wärme und Licht bringt. So ist Maria diejenige, die auf Christus hinweist. Er ist das Licht der Welt, die Sonne der Gerechtigkeit. Mit ihm beginnt eine Zivilisation der Liebe", so der Prediger wörtlich.

Rund 900 Gläubige aus dem gesamten Bistum Speyer füllten bis auf den letzten Platz die altehrwürdige Abteikirche. Teilnehmer aus den einzelnen Kolpingsfamilien, Angehörige verschiedener europäischer Nationen, Mitglieder marianischer Vereinigungen und akademischer Korporationen sowie der Paneuropa- Union und der Europaunion waren anwesend, um gemeinsam die Zukunft Europas ins Gebet zu nehmen, aber auch des 750-jährigen Weihejubiläums der Zisterzienser-Kirche zu gedenken. Bezirkspräses Br. Thomas Freidel OFMConv, Kaiserslautern, der die Liturgie leitete, konnte unter den Besuchern den Europaabgeordneten Kurt Lechner, Kaiserslautern, den Abgeordneten des rheinland-pfälzischen Landtages, Walter Altherr, Mittelbrunn, sowie die frühere Vizepräsidentin des Landtages Rheinland-Pfalz, Gisela Büttner, die Vorsitzende der Bischöflichen Stiftung Mutter und Kind, begrüßen. Alle Genannten sind Mitglieder des Kolpingwerkes. Sein besonderer Gruß galt dem Diözesanpräses des Kolpingwerkes in der Diözese Speyer, Pfarrer Andreas König, Hochspeyer.

Generalvikar Szuba führte in seiner Predigt u.a. weiter aus: Das apokalyptische Bild in der Offenbarung des Johannes von der Frau, dem Kind und dem Drachen sei eine Deutung des Christentums und der Kirche in der Geschichte: Maria, Urbild der Kirche, die Jesus als Kind zur Welt bringt, und der Drache, Sinnbild für das Böse, das mächtig wirkt und alles seiner Schreckensherrschaft unterwerfen will. Wie der Drache die Frau verfolge und ihr Kind verschlingen wolle, werde die Kirche durch die Zeiten hindurch bedroht und bekämpft, damit auch Jesus Christus und seine Frohe Botschaft für Welt und Mensch. Nicht nur in fernen Ländern, wo Christen benachteiligt und verfolgt werden, sondern auch bei uns würden die Kirche und das Evangelium auf subtile und raffinierte Weise bekämpft, verspottet und verlacht. "Dieses Monster des Todes, diese Schlange des Verderbens. Wie viele zerstörerische Kräfte und Mächte erleben wir tagtäglich, die uns den Schlaf rauben? Die uns den Boden unter den Füßen wegziehen? Die uns um den Verstand und um den Glauben bringen wollen? Auch heute bangt man um die Existenz der Kirche. Um ihre Zukunft. Werden unsere Kinder und Enkel noch glauben? Bleibt Europa christlich?"

Der Papst spreche in seinem Schreiben von einem geistig geeinten Europa, das nicht nur Wirtschaftsgemeinschaft, sondern vor allem Wertegemeinschaft ist. Er verweise auf das gemeinsame geistige Erbe des Kontinents, auf die Kultur des christlichen Abendlandes, von der die Otterberger Abteikirche seit 750 Jahren Zeugnis gibt. "Zukunft ist Herkunft. Nur wenn wir unsere Wurzeln kennen, können wir die Zukunft gestalten. Nur wenn wir wissen, woher wir kommen, kennen wir die Richtung, die wir einschlagen müssen, um ans Ziel zu kommen." Dies bedeute für Europa das Bewahren seiner geistigen Ursprünge, des gemeinsamen christlichen Glaubens, der Grenzen überwindet und Völker verbindet. Menschen wie Berhard von Clairveaux hätten dies in der Geschichte gezeigt. Auch Adolph Kolping und das Kolpingwerk hätten auf ihre Weise Anteil an dieser europäischen Einigungsbewegung aus christlichem Geist.

Der Mensch sei nicht das Maß aller Dinge. Nur wenn er über sich etwas Unverfügbares anerkennt, bleibe er menschlich. Dies gelte gerade heute, wo der Schutz des Lebens am Anfang und Ende immer mehr in Frage gestellt wird. Im Blick auf die Diskussion um einen Gottesbezug in der Präambel des Europäischen Verfassungsvertrages erinnerte der Generalvikar an das Wort von Theodor Heuss, Europa sei auf drei Berge gegründet, auf den Areopag in Athen, den Kapitol in Rom und den Golgothafelsen in Jerusalem. "Die griechische und lateinische Kultur sind entscheidende Bausteine. Aber vor allem auch die jüdisch-christliche Tradition. Das zu verleugnen, das zu ignorieren, heißt den Ast absägen, auf dem wir sitzen. Das Christentum ist die Seele Europas", betonte Szuba. Er zitierte ein Wort von Papst Johannes Paul II.: Es gelte "neue Wege einzuschlagen, die in das ‘Europa des Geistes’ einmünden, um aus ihm ein wirkliches ‘gemeinsames Haus’ zu machen, in dem Lebensfreude herrscht."

Domkapitular Szuba schloß mit den Worten: "Ist diese altehrwürdige Klosterkirche heute abend nicht wie ein Bild des neuen Europas? So bunt wie wir heute hier zusammenkommen, aus vielen Ländern und Nationen, als Christen und Europäer, wenn wir in unserer jeweiligen Muttersprache beten und singen, wenn wir einstimmig die Muttersprache der Kirche - das Latein - verwenden, wenn wir gemeinsam Gottesdienst feiern und dabei auf Maria schauen, die Morgenröte einer neuen Welt, ja, dann leisten wir für die geistige Einheit Europas, für eine menschenwürdige Gesellschaft einen großen und wertvollen Dienst. Dann geben wir hier und heute eindrucksvoll Zeugnis für die Zukunft der Kirche in Europa."

Die musikalische und gesangliche Gestaltung erfolgte durch das Kolpingblasorchester Kaiserslautern unter der Leitung von Frank Wissmann sowie die Kirchenchöre von Hochspeyer und Thaleischweiler unter der Leitung von Kirchenmusikdirektor Raimund Mattern; Organist war Klemens Heß, Hochspeyer.

Die Kollekte erbrachte einen Betrag in Höhe von € 1.421,-, der dem Aufbau eines Kolpingwerkes Togo, der Finanzierung seiner Entwicklungsprojekte und der Einrichtung von Kolping-Bildungszentren zur Verfügung gestellt wird.