In memoriam Dr. Raimund Vatter
Gedenkfeier für den ehemaligen Diözesanpräses des Kolpingwerkes in Heltersberg
Kaiserslautern / Heltersberg. - Mehr als 50 Kolpingmitglieder mit 10 Bannern, unter ihnen der Diözesanehrenpräses des Kolpingwerkes, Prälat Gerhard Fischer, Diözesanvorsitzender Rolf Schäfer und Diözesanpräses Pfr. Andreas König, gedachten auf dem Friedhof Heltersberg des 1977 verstorbenen und dort beigesetzten ehemaligen Diözesanpräses Dr. Raimund Vatter, der am 29. Januar 2004 90 Jahre alt geworden wäre.
Diakon Klaus Peter Hilzensauer, Speyer, Diözesansenior des Kolpingwerkes von 1960 bis 1963, begrüßte die Versammelten, unter ihnen auch Diözesanvorstandsmitglied Bruno Kreitner, Oggersheim, und die ehemaligen Vorstandsmitglieder Theo Heinz Wilhelm, Kindsbach, Hubert Ernst und Walter Bäuml, Kaiserslautern. Sein besonderer Gruß und Dank für ihre Mithilfe galt Pfr. Kast und Bürgermeister Palm, Heltersberg.
Diakon Hilzensauer gestaltete die Liturgie, die die Liebe zum Herrn und Heiland Jesus Christus und den Dank für den hochverehrten Priester Dr. Vatter zum Ausdruck brachte. Dr. Vatter habe "viele von uns auf den Weg gebracht." Aus dem Buch der Weisheit zitierte Hilzensauer die Verse 7 bis 19: "Der Gerechte aber, kommt auch sein Ende früh, geht in Gottes Ruhe ein." Hilzensauer bezog besonders die Vers 10 und 13 auf den Verstorbenen: "Er gefiel Gott und wurde von ihm geliebt" und "Früh vollendet, hat der Gerechte doch ein volles Leben gehabt". Der Diakon schloß: "Das Leben von Dr. Vatter war ein Geschenk für uns alle und die Belohnung der Auserwählten Gottes wurde ihm zuteil". Die Ansprache hielt Thomas Müller, Winnweiler, Diözesansenior von 1963 bis 1972.
Diözesanpräses Andreas König betete mit den Gemeinde das Gebet um Nachfolger, das auf der Rückseite des Sterbebildes von Dr. Vatter abgedruckt ist. Mit dem gemeinsamen Vaterunser schloß Präses König, nicht ohne den Initiatoren der Gedenkfeier, Klaus-Peter Hilzensauer und Thomas Müller, von Herzen Dank zu sagen. Mit dem Kolpinglied und dem Vorbeizug der Banner und Kolpingfreunde am Grab von Dr. Vatter endete die Gedenkfeier.
Thomas Müller zeichnete in seiner Ansprache den Lebensweg von Dr. Vatter nach:
Dr. Raimund Vatter wurde am 29.1.1914 in Heltersberg geboren. Er studierte während der Zeit des Dritten Reiches Theologie und wurde vom 2.7.1939 in Speyer zum Priester geweiht. Er war Studienrat am Altsprachlichen Gymnasium in Kaiserslautern, dem heutigen Albert-Schweitzer-Gymnasium, von 1950 bis 1970. Von 1970 bis 1975 war er Studiendirektor am Staatlichen Studienseminar für das Lehramt an Gymnasien in Kaiserslautern. Von 1957 bis 1970 war er Diözesanpräses des Kolpingwerkes in der Diözese Speyer. Er starb am 29.9.1977 und wurde am 2.10.1977 in Heltersberg begraben.
"Jesus Christus, Gottes Sohn, ist die gewaltigste Wahrheit, die wir besitzen. Froh und glücklich machen, trösten und erfreuen ist im Grunde doch das Glücklichste und Beste, was der Mensch auf dieser Welt ausrichten kann." Diese Worte Adolph Kolpings, so Thomas Müller, sagten das Wesentliche über das Leben und Wirken von Dr. Vatter aus. Er habe mit Leidenschaft, mitreißend und überzeugend, von Jesus Christus und seinem Evangelium gepredigt. Menschen mit der Frohen Botschaft Jesu froh und glücklich zu machen, sie zu trösten und zu erfreuen, dieser Aufforderung Kolpings sei er in seinem Priesteramt und als Diözesanpräses voll gerecht geworden.
Dr. Vatter sei ihm von der Schule her als strenger, auf Disziplin achtender Lehrer in Erinnerung gewesen. Als Kolpingpräses habe er ihn aber als einen Geistlichen erlebt, "der uns mit breitem Grinsen unter seine Fittiche nahm und von der ersten Sekunde an spüren ließ, daß er uns liebte, uns annahm, wie wir waren, und uns fortan förderte und - nicht spürbar - leitete. Alle, die ihn gekannt und viele Veranstaltungen mit ihm erlebt haben, können sich noch heute der Faszination seiner Person nicht entziehen; und ich weiß, daß nicht nur ich Dr. Vatter für mein Leben viel zu verdanken habe." Ein Wesenszug Dr. Vatters dürfe nicht zu kurz kommen: sein unverwüstlicher Humor. Er verfügte über einen schier unerschöpflichen Vorrat an Witzen.
Müller nannte markante Ereignisse und zukunftsweisende Entscheidungen aus der Amtszeit Dr. Vatters als Diözesanpräses:
Von 1960 bis 1969 fanden unter seiner Leitung acht Wallfahrten des Kolpingwerkes zu Bruder Klaus nach Sachseln in der Schweiz statt. Er initiierte drei große Diözesanfamilientage, förderte die Wallfahrt zum heiligen Rock in Trier 1959 und zum geöffneten Kolpinggrab in Köln 1960. In seiner Amtszeit nahmen die Kolpingmitglieder in großer Zahl teil am Internationalen Kolpingtag in Köln 1965 und am Kolpingtag in Essen 1968. Nicht zu vergessen das Diözesanmusikfest 1968 in Neustadt. Ein großes Anliegen war ihm die alljährliche Diözesanwallfahrt des Kolpingwerkes nach Bockenheim, die von seinem Vorgänger Oskar Isidor Schlachter 1947 begründet worden ist. Am Vorabend der Wallfahrt fand stets eine Begegnung mit den Mitgliedern der Katholischen Deutschen Studentenverbindung Vasgovia im CV in Landau statt. Vatter wollte damit zu einem besseren Verständnis zwischen der katholischen studierenden und der in Handwerk, Verwaltung und Industrie tätigen Jugend beitragen. Viele Besuche und Vorträge in den örtlichen Kolpingsfamilien dokumentieren den enormen Einsatz Dr. Vatters für das Kolpingwerk.
1961 wurde das katholische Vereinshaus "Neue Eintracht" in Kaiserslautern vom Kolpingwerk erworben und zum heutigen Kolpinghaus um- und ausgebaut. Dies war keine leichte Aufgabe für Dr. Vatter, der auch erster Vorsitzender des Trägervereins Kolpinghaus Kaiserslautern eV wurde. Ebenfalls in seine Amtszeit fiel die Einrichtung eines Diözesansekretariates im Kolpinghaus Kaiserslautern mit der Einstellung eines ersten hauptamtlichen Mitarbeiters: 1965 wurde Walter Bernhard erster Diözesansekretär des Kolpingwerkes. Damit waren wichtige Weichen für die künftige Entwicklung des Kolpingwerkes gestellt, das in den folgenden Jahren unter Diözesanpräses Gerhard Fischer einen ungeahnten Aufschwung nahm: Die Mitgliederzahl wuchs von 1970 bis 1984 von 3.500 auf über 7.800.
Thomas Müller dankte allen Präsides für ihren großen geistlichen Einsatz im Kolpingwerk, namentlich Diözesanpräses Oskar Isidor Schlachter, Präses Alfons Remmele, dem langjährigen Diözesan-Jungkolpingpräses und Bezirkspräses, sowie Prälat Gerhard Fischer, der 32 Jahre lang in der Nachfolge Dr. Vatters das Kolpingwerk geführt und heute Diözesanehrenpräses ist. Müller dankte auch den Laien, die über Jahrzehnte Verantwortung für das Werk Adolph Kolpings in der Diözese ausgeübt haben, namentlich für viele andere Franz Ratter, Diözesanaltsenior von 1948 bis 1961, Theo Vondano, dem späteren Oberbürgermeister von Kaiserslautern, Diözesansenior von 1950 bis 1955, Robert Kaiser, Diözesanaltsenior von 1961 bis 1973 und Diözesanvorsitzender von 1973 bis 1991, Josef Becker, Schumachermeister und Mitglied des Bundestages aus Pirmasens, und Werner Weiß, Lehrer aus Otterbach, der viele Jahre Mitglied des Diözesanvorstandes und 10 Jahre Mitglied des Deutschen Bundestages war und noch kurz vor seinem Tod die Wiedervereinigung unseres Vaterlandes erleben durfte. Sie alle seien Vorbilder für die Verantwortungsträger des Kolpingwerkes heute.
Unsere Bilder zeigen die Kolpinggemeinde, die in Dankbarkeit Dr. Raimund Vatters gedachte, der ihnen über ein Jahrzehnt geistiger und spiritueller Führer im Kolpingwerk der Diözese Speyer war.