+ Fritz Eberhardt
Winnweiler.
Fritz Eberhard, ein schon zu Lebenszeiten Legende gewordener Kolpingmann, ist am 22. Januar 2004 in Winnweiler verstorben. Er stand im 97. Lebensjahr.Fritz Eberhard, geboren am 22. Juni 1907, trat am
2.10.1924 in den Katholischen Gesellenverein Winnweiler ein. Am 23.1.1927 wurde er Ausschußmitglied und am 22.8.1928 zum Schriftführer gewählt. Er war Senior des Gesellenvereins vom 6.1.1929 bis 10.10.1932, Diözesansenior vom 18.9.1932 bis 12.9.1936, Altsenior der Kolpingsfamilie Winnweiler vom 24.3.1968 bis 5.5.1972. Seit August 1968 bis zum 31.12.1996 war er Kassenwart und vom September 1967 bis zum 31.12.1996 Schriftführer seiner Kolpingsfamilie.
Fritz Eberhardt wurde am 26.1.1969 mit dem Diözesanehrenzeichen des Kolpingwerkes und am 20.1.1991 mit der Pirminius-Plakette durch Bischof Dr. Anton Schlembach ausgezeichnet. Am 26.9.1999 ernannte ihn seine Kolpingsfamilie Winnweiler zum Ehrenmitglied.
Die Urkunde zur Verleihung des Diözesanehrenzeichens 1969 hat den folgenden Wortlaut: "Diese Ehrung wird ihm zuteil für seine Verdienste, die er sich durch mannhaftes Eintreten für die Belange des Kolpingwerkes in der Diözese Speyer in der schweren Zeit der Unterdrückung durch den Nationalsozialismus erworben hat." Bald nach der Machtergreifung Adolph Hitlers versuchten die Nazis ihre politischen Gegner einzuschüchtern. Fritz Eberhardt ließ sich nicht einschüchtern. Er organisierte und leitete verantwortlich den Sonderzug des DV Speyer, mit dem 600 Kolpingmitglieder zum II. Internationalen Gesellentag im Juli 1933 nach München fuhren. Die SA knüppelte die Gesellen so zusammen, daß der Gesellentag abgebrochen werden mußte. Viele Teilnehmer verloren nach der Rückkehr aus München ihren Arbeitsplatz, darunter auch Heinrich Wagner aus Winnweiler. In Fritz Eberhardt hatten sich die braunen Horden getäuscht. Er organisierte im Juli 1934 eine Wallfahrt nach Köln. 400 Teilnehmer legten vor dem Kolpinggrab in der Minoritenkirche öffentlich ein Bekenntnis zu Jesus Christus, zur Kirche und zu den Idealen Adolph Kolpings ab.
Auch in der Pfarrgemeinde war Fritz Eberhardt eine Institution. Keiner kannte die Pfarrei so gut wie er. "Vieles erledigte er für mich in der Pfarrei und ging manchmal zwei- bis dreimal zu einem Haus, bis er die Bewohner erreichte", erinnert sich Pfarrer Specht. Eberhardt sammelte bei allen katholischen Familien Geld für die Anschaffung von Meßgewändern, er nahm jedes Jahr die Bestellungen für den "Herz-Jesu"-Kalender auf und lieferte ihn auch aus. Legendär sind seine Leistungen für Organisation und Durchführung des jährlichen Fronleichnamsfestes. Er fühlte sich verantwortlich für die Ausschmückung des Prozessionsweges und kümmerte sich um das Schlagen und Aufstellen der jungen Birken in den Straßen Winnweilers.
Der alte Kolpinggruß "Treu Kolping!" war Eberhardt mehr als nur ein Gruß. Diese zwei Worte waren im ein Credo, ständiges Versprechen, seinen Auftrag in Kolpingwerk und Kirche zu verwirklichen. Darin ist er auch den Kolpingschwestern und -brüdern von heute ein großes Vorbild.
Die Kolpingsfamilie und Bannerabordnungen aus dem Diözesanverband, an ihrer Spitze der Diözesanvorsitzende Rolf Schäfer, gaben Fritz Eberhardt das letzte Geleit. Diözesanpräses Pfarrer Andreas König leitete die Beerdigungsliturgie und das Sterbeamt. Thomas Müller, der Vorsitzende der Kolpingsfamilie Winnweiler, hielt die Trauerrede. Er stellte fest: "Fritz Eberhardt hat sich um Kolpingwerk und Kirche verdient gemacht" und rief ihm ein letztes "Treu Kolping!" zu.