Pressemitteilung
Zupackende Solidarität - Kolpings Ideale von zeitloser Aktualität
Kolping-Diözesanversammlung wählt Vorstandschaft neu - Bundessekretär Dr. Hanke entwickelt Perspektiven und Visionen für das Kolpingwerk im 21. Jahrhundert
Kaiserslautern. - Als Weggemeinschaft im Glauben und Handeln, in Bildung und Aktion kennzeichnete
Bundessekretär Dr. Michael Hanke (Köln) vor 160 Delegierten der Diözesanversammlung des Kolpingwerkes in der Diözese Speyer die Kolpingsfamilie. "Dieser Gedanke enthält zuerst und vor allem eine dynamische Perspektive: Handeln ist gefragt, Aktion, Wirken, nicht bloßes Schauen und Betrachten, nicht nur Debattieren oder gar nur Klagen. Gerade das hat das Werk Adolph Kolpings zu allen Zeiten ausgezeichnet, das mutige und tatkräftige Zupacken, die praktische Solidarität mit Menschen in Not, die Ernstnahme der Fragen und Nöte der Zeit." Aber mit dem Handeln allein sei es nicht getan, es gehe nicht um bloßen Aktionismus, sondern um überlegtes Handeln. Einheit von Theorie und Praxis sei ein Stichwort, Idee und Tat ein anderes. Zum einen sei damit das klare eigene Fundament gemeint, der christliche Glaube, der Maßstäbe und Handlungsimpulse liefert, zum anderen die nüchterne und kritische Auseinandersetzung mit der erlebten Wirklichkeit, von wo aus - auf der Basis des weltanschaulichen Fundamentes - konkrete Aufgaben zu formulieren sind, sagte der Referent in seinem Grundsatzreferat im Kolpinghaus Kaiserslautern. Hanke rief zwei Worte Adolph Kolpings in Erinnerung, die nichts an Aktualität angebüßt hätten: "Tun wir nach besten Kräften das Beste, und Gott wird das Gute nie ohne Segen lassen." und "Nichts lehrt eindringlicher, nichts wirkt nachhaltiger als das tägliche Beispiel."
Vom Gesellenverein zum Geselligkeitsverein
Der Bundessekretär zeichnete die Entwicklung des Verbandes seit den 50er Jahren nach: Nach einem rasanten Wachstum, begründet durch die Öffnung der Mitgliedschaft zu allen Alters- und Berufsgruppen sowie die Aufnahme von Frauen, seien seit Mitte der 90er Jahre deutliche Rückgänge bei Mitgliedern und Kolpingsfamilien festzustellen. Unaufhörliche steige der Altersdurchschnitt. Damit verbunden seien auch weitere besorgniserregende Erscheinungen: Immer geringere Teilnahme an den Angeboten der Kolpingsfamilien, immer weniger Bereitschaft zur Verantwortungsübernahme in einem Amt, eine Zunahme der geselligen Veranstaltungen in den örtlichen Gemeinschaften zu Lasten der programmatischen Arbeit.
"Aktuelle Entwicklungen im Kolpingwerk können nicht losgelöst von gesamtgesellschaftlichen Entwicklungen und Veränderungen gesehen werden: Der unaufhaltsam scheinende Prozess der Säkularisation, der die gesellschaftsprägende Kraft des Christentums und dessen Bedeutung für den Einzelnen mehr und mehr verschwinden lässt, die demographische Entwicklung und der Trend zur ‚Erlebnis- bzw. Spaßgesellschaft’, wo ‚man’ alles haben möchte, ohne aber Verantwortung übernehmen zu wollen", meinte u.a. der Referent.
Unsere Zeit sei in vielfacher Weise anders als die Kolpings. Und dennoch habe seine ‚Idee‘ eine zeitlose Gültigkeit oder Aktualität.
Gemeinschaft - Orientierung - Lebenshilfe - Engagement
Auch heute suche und brauche der Mensch Gemeinschaft, den Kreis Gleichgesinnter, wo er sich wohl fühlen kann, wo er sich angenommen und geborgen weiß. Er brauche und suche Orientierung in den Sinnfragen des Lebens und Handlungsimpulse für den Alltag. Er brauche und suche Lebenshilfe in einer immer komplizierter, unüberschaubar werdenden Welt. Unsere Gesellschaft brauche schließlich, um (über-)lebensfähig zu sein, das Engagement vieler Einzelner, getreu der Devise Kolpings, wonach die Welt nur besser werden könne, wenn jeder an seinem Platz das Beste tut.
Dabei liege eine ganz besondere Chance Kolpingscher Verbandsarbeit in der Nutzung tatsächlicher Vielfalt: Die weitestgehende Offenheit hinsichtlich der Mitgliedschaft in den Kolpingsfamilien, wo Jung und Alt, Männer und Frauen aus allen Berufen und sozialen Schichten zusammenwirken, sei eine Chance. "Wo hat der Einzelne denn die Gelegenheit, in echter familienhafter Gemeinschaft Menschen mit den unterschiedlichsten Lebenssituationen, Interessen und Bedürfnissen kennen zu lernen, mit ihnen in einen fruchtbaren Dialog zu treten und gemeinsam an aktuellen Aufgaben und Herausforderungen zu arbeiten, wenn nicht in der Weggemeinschaft Kolping?"
Weggemeinschaft
Weggemeinschaft - das bedeute gemeinschaftliches Unterwegssein mit einem gemeinsamen Ziel. Das bedeute aber, aufeinander einzugehen, jeden einzelnen in seinen Möglichkeiten und Fähigkeiten ernst zu nehmen, ihn so anzunehmen, wie er ist und ihm gegebenenfalls Hilfestellung zu leisten. Ziel und Richtung seien im Grundsatz klar. Weggemeinschaft verlange und ermögliche zugleich Kreativität und Vielfalt. Da könne es durchaus verschiedene Bemühungen geben, den besseren Weg zu finden. Wichtig sei weiter das Durchhaltevermögen, dass nicht gleich die Flinte ins Korn geworfen wird, wenn das Ziel einmal aus den Augen gerät. Wichtig sei zudem, dass alle Kräfte mobilisiert werden, um gemeinsam Hindernisse zu überwinden.
Gemeinsam unterwegs sein - da bleibe es nicht aus, dass es Ermüdungserscheinungen gibt. Da bleibt es auch nicht aus, dass nach Wegweisern Ausschau gehalten wird. Hier seien Beispiele gefragt, also Menschen, die immer wieder ermuntern und mitreißen können, die vorangehen, die wegweisend sind, die in der Zielrichtung nicht unsicher werden, auch wenn das Ziel vielleicht verborgen oder nicht sofort sichtbar ist.
"Zukunftswerkstatt"
Es bedürfe vielfältiger Bemühungen aller Verantwortlichen, um tatsächlich voranzukommen, wobei es garantiert keine ‚Patentrezepte’ gebe, die man mal eben von ‚oben’ abrufen kann, sondern wo jede Kolpingsfamilie ihren je eigenen Weg suchen und finden müsse! Ein hilfreicher Weg sei eine Vorstandsklausur, das methodische Mittel die Durchführung einer "Zukunftswerkstatt". Mit ihr könne erarbeitet werden
"Diesen Mut, der in Überzeugung gründet, müssen wir uns gemeinsam wünschen, auf ihn hin müssen wir auf allen Ebenen der Verbandsarbeit unsere Kräfte konzentrieren", schloß Dr. Hanke sein fast einstündiges Grundsatzreferat unter dem Beifall der Delegierten.
Entwicklungszusammenarbeit
Diözesanvorsitzender Rolf Schäfer führte in den Geschäftsbericht für das Jahr 2003 ein. Schäfer blickte auf die Diözesanversammlung 2003 zurück, in der Bundespräses Alois Schröder die Rede von Gott als öffentliche Angelegenheit und Aufgabe des Kolpingwerkes kennzeichnete. Er verwies u.a. auf das große Engagement des Diözesanverbandes und seiner Kolpingsfamilien im Bereich der Eine-Welt-Arbeit. Aus dem Bereich des Diözesanverbandes Speyer konnten mit weit über € 80.000,- Projekte der internationalen Entwicklungszusammenarbeit mit Schwerpunkt Brasilien gefördert werden.
Kirche und Politik
Der Diözesanvorsitzende erinnerte weiter an wichtige Daten des Jahres 2003: Die Diözesanwallfahrt in Bockenheim mit Generalpräses Axel Werner (Köln) und die Diözesanehrung. Die seit 1947 bestehende traditionelle Wallfahrt verbinde zwei für Kolping typische Momente: Kirche und Politik. Der Appell von Generalpräses Werner zum Engagement für Ehe und Familie in unserer Gesellschaft habe nachhaltige Reaktionen auch aus Kreisen der Politik erfahren. Die Vorsitzenden- und Präsideskonferenz, seit langem erstmals wieder durchgeführt, habe eine große Resonanz gefunden; sie solle künftig zum regelmäßigen Beratungsort aller verbandlichen Themen neben der Diözesanversammlung werden. Achtzehn Persönlichkeiten der örtlichen Kolpinggemeinschaften habe der Diözesanverband mit der Diözesanehrenurkunde für ihr ehrenamtliches Engagement auszeichnen können. Kolping lebe vom ehrenamtlichen Einsatz seiner Mitglieder und mache Mut zum Mitmachen in Kolpingwerk, Kirche und Gesellschaft. Schäfer wies auf die Kommunalwahlen am 13. Juni hin. Viele Mitglieder des Verbandes kandidierten erneut für die Gemeindeparlamente. Am 15. Oktober werde das Kolpingwerk die Mandatsträger zu einem Kommunalpolitischen Empfang laden, um die Bedeutung des durchaus nicht selbstverständlichen ehrenamtlichen Engagements in der Demokratie öffentlich hervorzuheben.
Neuer Diözesanvorstand
Die Neuwahlen zum Diözesanvorstand erbrachten folgendes Resultat: Im Amt des Diözesanvorsitzenden wurde Rolf Schäfer (Oggersheim) bestätigt, zur stellvertretenden Diözesanvorsitzenden erneut Gisela Schroth (Dirmstein) gewählt. Als weitere Vorstandsmitglieder wurden in das Leitungsorgan des Kolpingwerkes im Bistum Speyer berufen: Bernd Bastian (Rohrbach), Elke Boudgoust (Oggersheim), Klaus Butz (Otterbach), Josef Heitz (Ludwigshafen-Pfingstweide), Bruno Kreitner (Oggersheim) und Peter Nissen (Limburgerhof).
Als Vertreter der Kolpingjugend gehören dem Diözesanvorstand an: Annette Garst (Hettenleidelheim), Jeanette Kuether (St. Martin), Simone Schäfer (Weilerbach), Marika Schiefner (Kaiserslautern) und Stefan Stähly (Niederkirchen). Beratende Mitglieder im Vorstand sind Bildungsreferent Thomas Bettinger (Landstuhl) und Geschäftsführerin Friedel Adam (Kaiserslautern). Weiter gehören mit Sitz und Stimme dem Vorstand an Diözesanpräses Pfarrer Andreas König (Hochspeyer), der nicht zur Wahl stand, und Diözesanehrenpräses Prälat Gerhard Fischer (Speyer). Diözesanvorsitzender Rolf Schäfer dankte den ausgeschiedenen Mitgliedern Hannelore Krawutschke (Mutterstadt), Kurt Krawutschke (Ludwigshafen) und Theo Franz Magin (Schifferstadt) für ihr langjähriges Engagement. Gemeinsam mit Diözesanpräses König überreichte er ihnen als Präsent die ersten beiden Bände der großen Geschichte des Kolpingwerkes von Bundessekretär Dr. Michael Hanke. Eva und Martin Kummermehr (Bockenheim), Bernd Bastian und Thomas Kleres (Homburg) wurden als Mitglieder des Diözesanleitungsteams bereits im Rahmen der
Diözesankonferenz der Kolpingjugend verabschiedet.
Neben dem Diözesanvorsitzenden Rolf Schäfer und Diözesanpräses Andreas König vertreten folgende Delegierte das Kolpingwerk Diözesanverband Speyer bei der Bundesversammlung des Kolpingwerkes Deutschland in Osnabrück vom 28.-31. Oktober 2004: Thomas Bettinger, Elke Boudgoust, Friedel Adam, Martin Brilla (Speyer), Bruno Kreitner, Gisela Schroth, Simone Schäfer, Klaus Butz, Annette Garst, Josef Heitz und Jeanette Kuether. Als Ersatzdelegierte wurden gewählt: Stefan Stähly, Bernd Bastian, Peter Nissen und Marika Schiefner. Als Kassenprüfer wurde Matthias Raab (Beindersheim) berufen.
Der Vorstand des Kolping-Bildungswerkes wird auf seiner konstituierenden Sitzung am 15. Juni satzungsgemäß gewählt: Es kandidieren erneut als Vorsitzender Josef Heitz, als stellvertretende Vorsitzende Rolf Schäfer und Gisela Schroth. Dem Verein "Aktion für das Leben e.V." stehen künftig vor: Diözesanpräses König, der wiedergewählt wurde, als erster Vorsitzender und Elke Boudgoust als zweite Vorsitzende. Mit dem Kolpinglied endete die ordentliche Diözesanversammlung 2004.