"Mit den Händen glauben 
ist die Seele des Kolpingwerkes"

Kolping-Diözesanwallfahrt in Bockenheim
Festreferent: Pe. Paulo Link, Sao Paulo

Bockenheim.- Mehr als 400 Kolpingmitglieder mit über 40 Bannern waren gekommen, um in der eucharistischen Prozession durch die Weinberge und der anschließenden Meßfeier vor der Heiligenkapelle ihren Glauben vor- und miteinander zu bezeugen. Pe. Paulo Link (Sao Paulo), Nationalpräses des Brasilianischen Kolpingwerkes, trug die Monstranz. Die Wallfahrt wurde eröffnet mit einer Statio am Grab des langjährigen Diözesanpräses Oskar Isidor Schlachter aus Anlaß seines 100. Geburtstages.

Diözesanvorsitzender Rolf Schäfer legt am Grab von DP Oskar Isidor Schlachter ein Blumengebinde nieder.

Diözesanpräses König würdigte in seiner Predigt den Amtsvorgänger Schlachter, der dem Kolpingwerk diese Wallfahrt als bleibendes Geschenk hinterlassen habe. 22 Jahre, von 1935 bis 1957, habe er das Kolpingwerk als geistlicher Leiter geführt. Wir müßten der Vergangenheit gedenken, um die Gegenwart zu verstehen und für die Zukunft zu lernen. Diözesanpräses Schlachter habe ein Beispiel gegeben im Durchhalten in schwieriger Zeit, im tatkräftigen Aufbau unter günstigen Umständen und auch im rechtzeitigen Aufgeben des Amts, als seine Kräfte nachließen. Unter dem menschen- und kirchenfeindlichen Regime des Nationalsozialismus, die kirchliche Verbandsarbeit unmöglich machte, ermutigte er die Mitglieder, treu zu bleiben im Glauben, Kontakte zu pflegen und im Kleinen immer wieder die Ideale Adolph Kolpings wachzuhalten und zu leben. Nach dem Krieg habe Isidor Schlachter eine großartige Aufbauarbeit geleistet. In keinem Jahrzehnt seien so viele Kolpingsfamilien in der Diözese gegründet worden wie in den Jahren 1946 bis 1955. Schlachters Tagesarbeit habe oft 16 bis 20 Stunden umfaßt. So sei es kein Wunder gewesen, daß sein angegriffener Gesundheitszustand ihn nach 22 Jahren zwang, das Amt niederzulegen und in jüngere Hände zu geben. Diözesanpräses Schlachter sei uns auch heute Beispiel, mit Mut und Kraft in schweren Zeiten an unseren Überzeugungen festzuhalten, den Aufbau im Kleinen wie im Großen zu wagen, und immer in der Spur Kolpings das zu tun, was möglich ist. Dann werde KOLPING Zukunft haben.

Von links nach rechts: Pfr. Dahl, St. Ingbert-Rohrbach, ZP Pe. Paulo Link, Sao Paulo, 
DP Pfr. Andreas König, Hochspeyer, Pfr. Ociepka, Quirnheim.

Die Kollekte erbrachte einen Erlös in Höhe von Euro 1.000,- für die "Aktion Brasilien". In Anschluß an die Eucharistiefeier überreichte Diözesanvorsitzender Rolf Schäfer im Namen des Kolpingwerkes an den 1. Vorsitzenden des Kuratoriums Stiftung Heiligenkirche, Elmar Peters, eine Spende in Höhe von Euro 1.000,- für die Renovierung der Kapelle in den Weinbergen.

DV Rolf Schäfer überreicht Elmar Peters, Bockenheim, eine Spende für die Renovierung der Heiligenkirche.

In der vollbesetzten Festhalle "Emichsburg" konnte Rolf Schäfer zur Kundgebung neben dem Festreferenten Pe. Paulo auch Sonia und José Guilherme Teixeira vom brasilianischen Nationalverband herzlich begrüßen, die mit Volksliedern ihres Landes unter dem Beifall der Zuhörer das Referat umrahmten.

Sonia und José Guilherme Teixeira, Obra Kolping do Brasil, Sao Paulo, und Pe. Paulo 
in der Festhalle "Emichsburg" während der Kundgebung.

Pe. Paulo Links Referat stand unter dem Thema: "Solidarisch leben - verantwortlich handeln: KOLPING weltweit im Dienst an den Menschen". Er führte u.a. aus: "Mit den Händen glauben, ist die Seele des Kolpingwerkes." Dies bedeute: Wo christlicher Glaube praktiziert wird, wo die religiöse Praxis und die Arbeit des Alltags von Freizeit und Kultur begleitet sind, dort sind die Voraussetzungen gegeben, die "kleine Welt", welche die Familie darstellt, zu gestalten und für eine bessere "große Welt", die "Gesellschaft" heißt, zu kämpfen und sich einzusetzen. In der Kombination von religiös-sozialer Bewußtseinsbildung, in der Übernahme konkreter praktischer Tätigkeiten und kreativer Freizeitgestaltung liege die Originalität der sozialen Methode Adolph Kolpings, die auf die ganzheitliche Ausbildung des Menschen ausgerichtet ist. Die Maximen des Kolpingwerkes hießen: "Sei ein überzeugter Christ! Leiste Tüchtiges in deinem Beruf! Sei immer um die Freizeit besorgt! Sei verantwortungsvoll als Familienvater, Familienmutter, Familienmitglied! Sei ein guter Staatsbürger!" Konkretes Ziel des Verbandes sei die Förderung der Arbeit durch berufliche Aus- und Weiterbildung, Arbeitsplatzbeschaffung und -sicherung, durch Mithilfe bei der Selbstorganisation des arbeitenden Menschen nach innen (Zugehörigkeit zu einer Kolpingsfamilie) und nach außen (Befähigung zum Engagement in Gremien, Gewerkschaften und Parteien). Pe. Paulo betonte, er habe in seinem pastoralen Leben als Priester im Werk und in der Bewegung Adolph Kolpings ein echte Hilfe erfahren dürfen, um Menschen für das Sozialapostolat und ein praktisches Christentum zusammenzuführen und zu motivieren.

Adolph Kolping habe immer wieder Grenzen überschritten, um seinen Glauben und seine Lebensideale anderen zu vermitteln. Er habe den Mut gehabt, initiativ zu werden, nicht die Welt mit Kritik und Wehleidigkeit zu überschütten, sondern auf die Betroffenen zuzugehen, sie einzuladen und mitzuarbeiten, sich zu organisieren, um gemeinsam zu Lösungen zu kommen. "Wer mutig ist, macht auch anderen Menschen Mut, und erfahrene Solidarität steckt an. Die Menschen, die Hilfe erfahren, leben auf; sie werden 'gewürdigt'. Sie bekommen Vertrauen zu sich selbst. Sie werden aktiv. Es ist die Hilfe zur Selbsthilfe. Um selbst zurecht zu kommen, helfe ich anderen. Es ereignet nicht das Wunder der Nächstenliebe."

Es sei eines der beglückendsten Momente für ihn, mitzuerleben, wie neue Gemeinschaften entstehen und wie Gemeinschaften, die den Mann auf der Straße, den Jugendlichen, den einfachen Arbeiter ansprechen, ihn auffordern, Verantwortung zu übernehmen mit dem Ziel, dem Menschen in einem Bereich der vital ist, eben in der Welt der Arbeit, zur Seite zu stehen. Das Kolpingwerk in Brasilien sei eine "Bewegung der kleinen Leute und kleinen Dinge", die in der Gesellschaft mithilft, die Welt von unten aufzubauen. Das Obra Kolping do Brasil mit seinen mehr als 370 Kolpingsfamilien und fast 30.000 Mitgliedern habe in den vergangenen 30 Jahren 500.000 Menschen eine berufliche Ausbildung geben können und 50.000 kleine Selbständige gefördert. Diesen Menschen sei ermöglicht worden, ein eigenständiges Leben in Würde zu führen. Nur mit vielfacher finanzieller und persönlicher Unterstützung durch die Kolpingmitglieder aus Deutschland habe dies geschehen können. Pe. Paulo dankte herzlich dem Kolpingwerk der Diözese Speyer, insbesondere dem Diözesanvorsitzenden Rolf Schäfer, für die langjährige und kontinuierliche Hilfe beim Aufbau des Verbandes und der Realisierung vieler Projekte der Entwicklungszusammenarbeit.

Das Kolpingwerk sei heute herausgefordert wie noch nie in seiner Geschichte. Es habe die einmalige Chance des Aufbruchs in Brasilien und Deutschland. Mit seinem Ideal, den christlichen Glauben in die Lebenswelt der Menschen zu führen, und durch seine - auch über die Kontinente - verbindenden Strukturen, werde vielen Menschen die Teilnahme am Umgestaltungsprozeß der Gesellschaft nach den Prinzipien sozialer Gerechtigkeit ermöglicht. Vor allem durch die Mitglieder, die in den Gemeinschaften vor Ort beheimatet sind und sich in ihren Kommunen engagieren, habe das Kolpingwerk die einzigartige Möglichkeit, bei der Lösung der Sozialen Frage von heute einen entscheidenden Beitrag zu leisten.

Blick in die Festhalle "Emichsburg".

Diözesanpräses König dankte Pe. Paulo Link für sein leidenschaftliches Wort zur Aufgabenstellung des Kolpingwerkes weltweit. Er dankte der Kolpingsfamilie Bockenheim für die ausgezeichnete Organisation, der Kolpingkapelle Ramsen für die hervorragende musikalische Gestaltung. Mit dem Kolpinglied endete die Kundgebung.