"Familie - Auslauf- oder Zukunftsmodell?" 
Bundespräses Alois Schröder beim Bezirksbildungstag in St. Ingbert

St. Ingbert. - Mehr als 130 Mitglieder des Kolpingwerkes Bezirksverband Saarpfalz nahmen am Bezirksbildungstag in St. Ingbert teil, den die örtliche Kolpingsfamilie ausrichtete. Prominenter Referent der Kundgebung war Bundespräses Alois Schröder, Köln, der das Kolping-Mega-Thema "Familie - Auslauf- oder Zukunftsmodell?" behandelte.

Für das Kolpingwerk gehöre Ehe und Familie zum Kern seines eigenen Selbstverständnisses, sagte der Referent. Dabei grenze sich das Kolpingwerk eindeutig von Definitionen ab, wie etwa: "Familie ist dort, wo Kinder sind." Im Leitbild des Kolpingwerkes Deutschland heiße es unmißverständlich: "KOLPING versteht Familie als eine auf Dauer angelegte Lebens-, Verantwortungs- und Wirtschaftsgemeinschaft von Frau und Mann mit ihren Kindern. Dieser Begriff von Familie schließt alleinerziehende Mütter und Väter mit ein. Nach unserem Verständnis ist die vor Gott und den Menschen geschlossene Ehe die beste Voraussetzung für das Gelingen von Familie." (Zf. 80)

Dieser Position stimmten grundsätzlich viele Menschen zu, auch wenn sie in diesem Ideal eine persönliche Überforderung sehen. Die Familie habe nach wie vor gerade in der Gesellschaft einen hohen Stellenwert. Zwei Drittel aller Jugendlichen zwischen 12 und 25 Jahren hätten den Wunsch, später eine eigene Familie zu gründen. Berufliche Karriere und Familie seinen zwei zentrale, gleichberechtigte Zielvorstellungen für die Lebensführung.

"Bei allen Defiziten und Krisenerscheinungen von Ehe und Familie gibt es zu ihnen keine echte Alternative, wenn es um ihre Bedeutung für das Zusammenleben von Menschen und für das gesellschaftliche Ganze geht", so Bundespräses Schröder wörtlich.

Familie - Ort der Menschwerdung

"Familie ist ein Ort der Menschwerdung des Menschen." In ihr könnten grundlegende Erfahrungen wie Annahme, Geborgenheit und Urvertrauen gemacht werden. Soziales Verhalten, Verantwortung, Toleranz, Bereitschaft zu Konflikt und Versöhnung könnten hier eingeübt und gelebt werden. Familie sei der wichtigste Ort zur Vermittlung von Werten.

Familie - Ort der Christwerdung

"Familie ist ein Ort der Christwerdung", sagte der Redner. Die Eltern seien durch ihre religiöse Überzeugung, noch mehr durch ihr Vorbild und Beispiel, die ersten Glaubenszeugen für ihre Kinder. "Menschliche Grunderfahrungen im liebenden Umgang von Eltern und Kindern sind unverzichtbare Voraussetzung für den Glauben an Gott als einem sorgenden Vater und einer liebenden Mutter." Falle die Familie als Ort der Glaubensvermittlung aus, werde der Prozeß der Christwerdung erschwert oder verhindert.

Familie - Muster für menschliches Zusammenleben

"Familie ist ein Muster für menschliches und gesellschaftliches Zusammenleben, ein Lern- und Einübungsfeld für gesellschaftliches und soziales Engagement," führte Bundespräses Schröder seinen Gedankengang fort. Sie sei auch eine Art Seismograph für gesellschaftliche Zustände, Spiegelbild positiver und negativer Prozesse im gesellschaftlichen Bereich. Familie und Gesellschaft stünden in einer unmittelbaren Wechselbeziehung. Schröder zitierte Adolph Kolping: "Bleibt die Familie gesund, dann kann eine kranke Gesellschaft immer wieder gesunden. Ist aber die Familie krank, dann ist die Gesellschaft in ihrer Gesamtheit gefährdert." Angesichts vielfältiger Krankheitssymptome im menschlichen und gesellschaftlichen Zusammenleben sollten die Familien darin bestärkt werden, eine Art Therapie- und Reha-Zentren zur Vorbeugung oder Heilung von Leiden und Erkrankungen sein. Wegen ihrer großen Bedeutung für eine soziale und menschliche Gesellschaft brauche die Familie eine noch intensivere Lobbyarbeit. Das Kolpingwerk sehe sich hier in der Pflicht. Die sozialen, finanziellen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen müßten so gestaltet sein, daß Kinder nicht mehr das Armutsrisiko Nummer 1 sind. Der Sorge um ein familienfreundlicheres Klima dürfe sich niemand entziehen, dem eine gesunde Gesellschaft am herzen liege. Hier habe die Kolpingsfamilie eine große Aufgabe.

Bundespräses Schröder beschloß sein mit großem Beifall aufgenommenes Referat: "Der zu Recht im Grundgesetz verankerte besondere Schutz von Ehe und Familie ist und bleibt Chance und Herausforderung für die Gestaltung einer sozialeren und humaneren Gesellschaft!"