Pressemitteilung
KWD/DVSp – 23.5.2003 / tb
"KOLPING - ein unverzichtbares Stück lebendiger Kirche in der Welt" –
Kolping-Bundespräses Schröder fordert vor der Kolping-Diözesanversammlung "Offensive für religiöse Bildung"
Kaiserslautern. - "Der Glaube an den dreifaltigen Gott führt uns mitten ins Leben der Menschen und in die Geschichte und Gegenwart der Welt. Er leitet uns an, die Erde zu lieben, weil sie die Schöpfung Gottes ist. Er macht Mut, uns für eine bessere und menschlichere Welt einzusetzen, weil sie durch Jesus erlöst wurde. Er schenkt uns Hoffung auf eine gute Zukunft, weil auch in unserer Zeit Gottes Geist am Werk ist und alles der Vollendung zuführt", führte Alois Schröder, Bundespräses des Kolpingwerkes Deutschland, Köln, bei seinem Grundsatzreferat vor den 150 Delegierten des Kolpingwerkes Deutschland Diözesanverband Speyer aus. Die Mandatsträger/innen von 72 Kolpingsfamilien mit mehr als 7400 Mitgliedern waren zur jährlichen Mitgliederversammlung in das Kolpinghaus Kaiserslautern gekommen, um die Regularien eines demokratisch-katholischen Verbandes durchzuführen sowie Orientierung und Motivation für ihre alltägliche Arbeit vor Ort in den Kolpingsfamilien zu erhalten.
Rede von Gott ist öffentliche Angelegenheit!
"Verwurzelt in Gott und mitten im Leben", lautete das Thema des Grundsatzreferates von Bundespräses Schröder. Es trage den Charakter einer Zeitansage. Gegen den gesellschaftlichen Trend, gegen die schleichende Gottlosigkeit - auch in der Kirche! - und die wachsende Säkularisierung in allen Lebensbereichen wolle es Gott ins Spiel bringen. Nicht irgendeinen Gott, sondern den Gott,
den uns die Heilige Schrift zeige und der in Jesus unüberbietbar geschichtliche Wirklichkeit geworden ist. In unserer Gesellschaft sei die Frage nach Gott und das Bekenntnis zu ihm zu einem gesellschaftlichen Tabu und zur reinen Privatsache erklärt worden. Die Geschichte habe aber gezeigt, was geschehe, wenn man Gott draußen vor lasse: "Humanität ohne Transzendentalität führt zur Bestialität!" Religionsfreiheit bedeute in der demokratischen Gesellschaft nicht einfach nur Bekenntnisfreiheit, sondern vor allem und zuerst Bekenntnispflicht! "Für uns im Kolpingwerk ist das Gottesbekenntnis persönliche Pflicht!", sagte der Bundespräses unter dem Beifall der Delegierten. Das "Leitbild des Kolpingwerkes" erhebe die Rede von Gott in den Rang einer öffentlichen Angelegenheit. Ohne das klare Bekenntnis zu Gott verleugne das Kolpingwerk seine Herkunft und Identität, verliere es seine Existenzberechtigung als "Transmissionsriemen" des Evangeliums Jesu Christi!
Im Zentrum Jesus Christus
Im Zentrum des eigenen Selbstverständnisses stehe für das Kolpingwerk von jeher das Bekenntnis zu Jesus Christus und seiner frohen Botschaft, ein Bekenntnis, das sich aus der festen Verbundenheit mit Person, Idee und Werk Adolph Kolpings erschließt und versteht. Die Anforderungen von christlichem Zeugnis in der heutigen pluralen Welt verlange aber eine unmißverständliche Aussage, was das Bekenntnis zu Jesus Christus beinhaltet. Der für Kolping typische Zusammenhang von Christusbindung und Dienst am Menschen, von Gottesverehrung und sozialem Engagement bedürfe der ständigen Aktualisierung vor dem Hintergrund der "Zeichen der Zeit". Diese "Verheutigung" der eigenen geistigen Ursprünge und Grundlagen sei Voraussetzung für den zielgerichteten Weg des Kolpingwerkes in die Zukunft. "Dabei lehrt uns Adolph Kolping das Christentum: Ein Christentum, das nicht sozial ist, das nicht solidarisch ist mit den Armen und den Menschen in Not, ist kein Christentum!"
"Gott stellt jeden dahin, wo er ihn braucht", zitierte der Bundespräses den Gründer des Kolpingwerkes, Adolph Kolping. Im Glauben an Gott, in der Nachfolge Jesu und im Hören auf den Geist könnten wir den uns zugedachten Platz mitten im Leben, im Raum des Kolpingwerkes, der Kirche und der Gesellschaft finden. Diesen Platz sollten wir beanspruchen und mit Leben und Liebe erfüllen. Wort und Beispiel Adolph Kolpings wiesen uns den Weg: "Man kann in jedem Stande und in jedem Orte sehr viel Gutes tun, wenn man nur Augen und Ohren auftun will und, was die Hauptsache ist, ein Herz dafür hat." Schröder rief die Kolpingsfamilien auf, durch soziales Engagement "dienende Kirche" in der Gesellschaft für die Menschen erfahrbar zu machen: durch konsequenten Einsatz für Benachteiligte und Hilfesuchende, für Menschen, die der Kirche fernstehen, die eine religiöse Heimat suchen, die geschieden und wiederverheiratet sind, die Hilfe in der beruflichen Bildung und Ausbildung brauchen, und für Menschen, deren Leben und Personwürde besonders gefährdet sind: Ungeborene, an - Leib und Seele! - kranke, behinderte und alte Menschen, deren Rechte geschmälert oder mit Füßen getreten werden.
Offensive für religiöse Bildung
"Bringt Religion ins Programm!", forderte Bundespräses Schröder die Kolpingsfamilien auf. Die Kolpingsfamilien seien "Gottesgemeinschaften". Sie müßten noch stärker als bisher zu Orten der Glaubensbildung werden, in denen man gemeinsam betet, lernt und arbeitet, wie es Kolping von seinen Gesellen eingefordert hat. In einer Zeit, in der der Glaube auch unter den "praktizierenden Katholiken verdunstet", müsse die Kolpingsfamilie zu einer Offensive der Glaubensbildung antreten, zu "Volksakademien im Volkston" werden, in denen man den Glauben "lernen", in denen die Sprachlosigkeit der Christen im Glauben überwunden werden kann. In den Kolpingsfamilien solle man vor allem die Bibel lesen und studieren, sie sollten "Lehrhäuser des biblischen Wortes" sein. Schröder regte an, in den Kolpingsfamilien mit einem Katechumenat zu Fragen des christlichen Glaubens zu beginnen. Die Kolpingsfamilien sollten dabei zu "Erzählorten des Glaubens" werden, in denen Christen einander von ihrem Glauben erzählen und andere daran teilnehmen lassen. Für Kolpingmitglieder müsse gelten: "Kein Tag ohne Gott! Kein Tag ohne Gebet! Kein Tag ohne das Gotteswort im Menschwort der Heiligen Schrift! Wer sich defensiv verhält, hat in der Regel schon verloren. Wenn wir Menschen gewinnen wollen für Jesus Christus, müssen wir in die Offensive gehen, offensiv unseren Glauben in Verband, Kirche und Gesellschaft bekennen!"
Bundespräses Schröder dankte den Verantwortungsträgern des Kolpingwerkes Diözesanverband Speyer für ihr Engagement auf allen Ebenen des Verbandes und in den Organisationen und Gremien von Kirche und Gesellschaft, er dankte den Hauptamtlichen, die einen besonders schweren Dienst für das Kolpingwerk leisteten, er dankte dem Diözesanehrenpräses Prälat Gerhard Fischer für seinen über 32 Jahre währenden Dienst der geistlichen Formierung des Kolpingwerkes im Bistum Speyer, er dankte Rolf Schäfer, der als Diözesanvorsitzender dafür Sorge trage, daß alle Aktivitäten des Verbandes in der Spur Adolph Kolpings stehen und international ausgerichtet sind, und Diözesanpräses Pfarrer Andreas König, der im ersten Jahr seiner Amtszeit schon Wurzeln "des Geistes und des Herzens" im Kolpingwerk geschlagen habe. Mit "standing ovations" dankten die Mitglieder der Diözesanversammlung Bundespräses Schröder für sein über einstündiges Grundsatzreferat.
Die Diözesanversammlung wurde eröffnet mit einem Wortgottesdienst, in dessen Mitte die
Kirchentagskerze des Bundesverbandes stand, die in den letzten Monaten durch alle Diözesanverbände in Deutschland reiste, um Menschen bereits im Vorfeld des Ökumenischen Kirchentages in Berlin im Gebet um die Einheit der Christen zusammenzuführen. Vorsitzender Rolf Schäfer, Oggersheim, leitete die Regularienordnung. Er führte in den 60seitigen Geschäftsbericht ein und markierte wichtige Etappen des verbandlichen Lebens im Jahr 2002. Diözesanpräses Andreas König, Hochspeyer, gab einen Rückblick auf sein erstes Jahr als Geistlicher Leiter des Kolpingwerkes. Peter Nissen, Limburgerhof, berichtete von seiner Arbeit im Bundesfachausschuß "Gesellschaft im Wandel". Geschäftsführerin Friedel Adam, Kaiserslautern, gab den Finanzbericht, Karl-Heinz Eschmann, Deidesheim, den Kassenprüfbericht. Nach der Aussprache zu den Berichten wurden der Diözesanvorstand bei nur wenigen Enthaltungen ohne Gegenstimme entlastet. Mit dem Kolpinglied endete die Diözesanversammlung.