Ein historischer Wechsel:
Andreas König neuer Diözesanpräses des Kolpingwerkes
Kaiserslautern. - Mit großer Mehrheit hat die
Diözesanversammlung des Kolpingwerkes am 20. April Pfarrer
Andreas König, Hochspeyer, als
Nachfolger von
Prälat Gerhard Fischer in das Amt des Diözesanpräses des
Kolpingwerkes Diözesanverband Speyer gewählt. Er tritt die
Nachfolge eines außergewöhnlichen Geistlichen an, der 32 Jahre
lang geistlicher Mentor und Seelsorger, aber auch Ideengeber,
Organisator und politischer Kopf des Kolpingwerkes und seiner
Kolpingsfamilien war. Prälat Fischer war der dienstälteste
Diözesanpräses des deutschen und internationalen Kolpingwerkes.
Pfarrer König wurde - ebenfalls in der Nachfolge von Prälat
Fischer - zum 1. Vorsitzenden der vom Kolpingwerk getragenen
"Aktion für das Leben e.V." gewählt.
Mit Wehmut scheide er aus seinem Amt, sagte Prälat Gerhard
Fischer vor den 240 Delegierten. Der Abschied sei ihm nicht
leicht gefallen. Zu tief sei er in diesen Jahrzehnten mit dem
Kolpingwerk und seinen Kolpingsfamilien verwachsen und auch heute
mit seinen Menschen im Herzen fest verbunden. Mit den ihm neu
übertragenen Aufgaben als Domkapitular im Bistum Speyer habe er
aber dieses "Herzensamt" nicht mehr weiterführen
können. Allein die erneute Beauftragung mit der
Akademikerseelsorge, die er schon einmal sieben Jahren lang
hauptamtlich wahrgenommen habe, mache es mit seiner weiteren
Aufgabenfülle in Speyer nicht mehr möglich, dem Kolpingwerk als
Geistlicher Leiter vorzustehen. Daß er auch künftig dem
Kolpingwerk als Mitglied, Ratgeber und Freund verbunden bleiben
werde, erleichtere ihm den Abschied.
Gottesverehrung und soziales Engagement gehören zusammen
"Auf der Spur Adolph Kolpings bleiben" war das Leitwort von Prälat Fischer für sein letztes Referat vor einer Diözesanversammlung. Es war gleichsam das Vermächtnis des scheidenden Diözesanpräses, das er seinem Nachfolger übergab: "Unseren Verband auf der Spur Adolph Kolpings zu halten in einer veränderten Welt, Kolping auch in der Waage zu halten zwischen Treue zu unserer Kirche und den Verpflichtungen gegenüber Staat und Gesellschaft." Christliches Engagement, und dafür stehe die Kolpingbewegung, lebe aus der unauflöslichen Einheit von festem Glauben und solidarischer Verantwortung, aus der Einheit von Gottesverwurzelung und Engagement für die Menschen, wie sie Gott in Jesus Christus als sein endgültiges Wort für uns gesagt und lebendig gemacht hat. Dies ins Bewußtsein der Kolpingmitglieder zu bringen und sie zu einem solidarischen Handeln aus dem Glauben zu motivieren, habe er über dreißig Jahre versucht. Und seine Bemühungen seien nicht erfolglos gewesen.

Im Bild: Prälat G.Fischer,
Rolf Schäfer
und der neue Diözesanpräses Andreas König
Religion - Bildung - Hilfe - Gemeinschaft
Der neue Diözesanpräses ist 36 Jahre alt und stammt aus Hochdorf bei Ludwigshafen. In seiner Kaplanszeit lernte er Kolping in Bad Bergzabern und Kaiserslautern kennen. 1993 trat er der Kolpingsfamilie Kaiserslautern-Zentral als ordentliches Mitglied bei. Seit 1994 ist er Präses der Kolpingsfamilie Hochspeyer, von 1998 bis 2002 war er Bezirkspräses des Kolping-Bezirksverbandes Kaiserslautern-Landstuhl.
In seiner Vorstellung stellte Pfarrer Andreas König vier Schwerpunkte seines künftigen Engagements als Diözesanpräses vor, Schwerpunkte, die schon der Gründer der Gesellenvereine, Adolph Kolping, in den Mittelpunkt seines Handelns gestellt hat: Religion - Bildung - Hilfe und Gemeinschaft. Der Diözesanpräses habe vor allem die Aufgabe, den Glauben Jesu Christi, die Frohbotschaft des Evangeliums in den Herzen der Kolpingschwestern und - brüder zu verankern. Dieser Aufgabe stelle er sich mit ganzer Kraft. Jede Kolpingsfamilie in der Spur Adolph Kolpings sei eine Bildungsgemeinschaft. Er selbst wolle die Kolpingsfamilien mit seinem persönlichen Einsatz motivieren, diese Aufgabe auch künftig wahrzunehmen; er stehe deshalb auch mit einer Reihe von Themen als Referent zur Verfügung. Der Einsatz für Menschen in Not sei von jeher zentrale Aufgabe jeder Kolpinggemeinschaft. Wie sein Vorgänger werde er die Aktionen des Diözesanverbandes, das Engagement für die Entwicklungszusammenarbeit des Kolpingwerkes, insbesondere die Arbeitseinsätze der Kolpingjugend, aber auch die Hilfe für schwangere Mädchen und Frauen in Not- und Konfliktlagen im Rahmen der "Aktion für das Leben" unterstützen. Menschen aller Generationen in einer familienhaften Gemeinschaft zusammenzuführen, sei ein Proprium der Kolpingsfamilie. Kolping sei Weggemeinschaft der Generationen und mache Menschen Mut zur Gemeinschaft. Die Erfahrung solidarischer Gemeinschaft sei eine wesentliche Voraussetzung für eine menschliche Gesellschaft. Menschen im Verband zur Gemeinschaft zusammenzuführen, zu einer Gemeinschaft, in deren Mitte Jesus Christus stehe, sehe er als eine seiner wesentlichen Aufgaben als neuer Diözesanpräses an.
Gerhard Fischer - Priester, Seelsorger und politisch Handelnder
Der ebenfalls nach dreißig Jahren aus dem Amt scheidende Generalpräses des Internationalen Kolpingwerkes, Prälat Heinrich Festing, Köln, ließ es sich nicht nehmen, für "seinen Freund Gerhard Fischer" im anschließenden Festakt die Laudatio zu halten. Festing bezeichnete Gerhard Fischer als einen Mann, der bei allem, was er für den Kolping-Diözesanverband Speyer, das Kolpingwerk Deutschland und das Internationale Kolpingwerk getan habe, vor allem Priester und Seelsorger geblieben sei. Wie es für Kolping keine absolute Trennung zwischen dem religiösen, sozialen und gesellschaftlichen Leben gegeben habe, so habe Gerhard Fischer seine seelsorgerischen Aufgaben mit sozialem und politischem Handeln verbunden. "Durch seine klare religiöse Grundhaltung, die offen und aufgeschlossen ist für den Weltdienst, hat er dem Kolpingwerk in der Diözese Speyer eine Zielrichtung gegeben, die dem Wirken Kolpings entspricht", betonte Festing.
Er erinnerte an zahlreiche Aktionen, Maßnahmen und die bedeutenden Großveranstaltungen des Diözesanverbandes, die Fischer initiiert und organisiert hatte, deren Ausstrahlungskraft weit über das Kolpingwerk der Diözese hinaus gewirkt habe. Besonders würdigte er das Engagement Fischers für den Schutz des menschlichen Lebens in der vom Kolpingwerk 1976 gegründeten "Aktion für das Leben e.V.". Fischer hatte diese Gründung angeregt und war bis zu seinem Rücktritt als Diözesanpräses auch 1. Vorsitzender des Vereins. In dieser Zeit konnte die "Aktion für das Leben" schwangeren Mädchen und Frauen in einer Notsituation ideelle und materielle Hilfe leisten, die ihnen ein Ja zu ihrem Kind ermöglichten. Mit der "Aktion Ruanda" mit vier Arbeitseinsätzen der Kolpingjugend (1985-1990), der "Aktion Brasilien" mit bisher zwei Workcamps junger Mitglieder des Kolpingwerkes (1998/99) und der Gründung des Kolping-Hilfskorps´ - das Einsätze besonders im "schwarzen Kontinent" ermöglichen wird - im Rahmen der in Kaiserslautern tagenden Togolesischen Bischofskonferenz im November 2001 habe sich Fischer um die Ausbreitung des Kolpingwerkes in der Welt verdient gemacht. Bereits 1988 hat Prälat Fischer das Ehrenzeichen des Internationalen Kolpingwerkes, die höchste Auszeichnung im Kolpingwerk, erhalten.
Diözesanvorsitzender Rolf Schäfer sagte, mit Gerhard Fischer verliere das Kolpingwerk der Diözese Speyer seinen langjährigen geistlichen Inspirator. Fischer habe die Menschen mit seinem tiefen persönlichen Glaubenszeugnis, seinem brüderlich-seelsorgischen Rat, seiner großen organisatorischen Begabung und mit vielen wegweisenden Ideen stets aufs neue motiviert und sicher begleitet.
Vertreter der Kolpingjugend, der Kolpingsfamilien, des Kolpinghaus Kaiserslautern e.V. und der Kolpingkapellen würdigten das Werk Gerhard Fischers in sehr persönlichen Worten des Dankes. Fischer habe sein Amt aus vollem Herzen ausgeübt, er sei Impulsgeber und Hoffnungsträger gewesen. Er habe die Menschen für die Sache Jesu begeistert und vorgelebt, was er gepredigt habe, unterstrich Volker Reiß von der Kolpingsfamilie Erfenbach.
Gerhard Fischer - Diözesanehrenpräses des Kolpingwerkes
Für seine
uneigennützige und selbstlose Mitarbeit im deutschen und
internationalen Kolpingwerk überreichte Generalpräses Festing
seinem Mitbruder die offizielle Gedenkmünze in Gold zum 10.
Jahrestag der Seligsprechung Adolph Kolpings. Im Namen des
Kolpingwerkes Deutschland Diözesanverband Speyer ernannte Rolf
Schäfer den bisherigen Diözesanpräses Prälat Gerhard Fischer
zum Diözesanehrenpräses mit Sitz und Stimme im
Diözesanvorstand. Gleichzeitig zeichnete er ihn mit dem
Diözesanehrenzeichen des Kolpingwerkes in der Diözese Speyer
aus.
Festlich gestaltet wurde der Festakt für Prälat Gerhard Fischer durch die Anwesenheit von 70 Bannerabordnungen der Kolpingsfamilien und einer dem Anlaß angemessenen und mitreißenden Musik des Kolpingblasorchesters Kaiserslautern.